Rückkauf von Eon-Mitte-Anteilen: Landräte wollen EAM auferstehen lassen

Northeim/Witzenhausen. Die 13 kommunalen Anteilseigner an Eon Mitte wollen offenbar die alte EAM (Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland) wieder auferstehen lassen. Ganz konkret formulierte Northeims Landrat Michael Wickmann (SPD) diesen Vorschlag.

Die zwölf hessischen, südniedersächsischen, thüringischen und westfälischen Landkreise sowie die Stadt Göttingen seien sich einig, dass Eon Mitte als Unternehmen mit kommunaler Prägung weiter geführt wird, sagte Wickmann. Angedacht sei, es wieder als Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM) zu führen.

Stefan Reuß (SPD), Landrat des Werra-Meißner-Kreises, bestätigte, dass die kommunalen Anteilseigner ihre Beteiligung auf mindestens 50 Prozent aufstocken wollen. Dies sei gerade im Hinblick auf den Ausbau der erneuerbaren Energien von Bedeutung.

Auch die übrigen Anteile sollen in kommunale Hand kommen. Dafür suchen die kommunalen Anteilseigner nun Partner. Gehandelt wird die Thüga-Gruppe, das größte deutsche Netzwerk aus Energieversorgern. Dahinter stehen 450 Städte und Gemeinden mit 100 kommunalen und regionalen Energie- und Wasserdienstleistern.

Unklar ist, wie die Anteilseigner die Aufstockung der Beteiligung finanzieren wollen. Wickmann hat den Wert von einem Prozent auf etwa zehn Millionen Euro beziffert. Die Eon AG wollte diese Zahl auf Anfrage nicht kommentieren.

Demnach müssten die Anteilseigner 230 Millionen Euro aufbringen, um auf 50 Prozent zu kommen. Der Werra-Meißner-Kreis erhielt 2002 für den Verkauf von einem Ein-Prozent-Anteil vom Eon-Konzern 18,4 Millionen Euro.

Doch fast alle Kreise sind so hoch verschuldet, dass sie Kandidaten für den Schutzschirm der Landesregierung sind. Nach Meinung von Reuß schließt sich das nicht aus. Wenn sich der Kauf von Anteilen refinanzieren lasse, "ist es vertretbar".

Hintergrund Hauptanteilseigner an Eon Mitte ist die Eon AG mit 73,3 Prozent. Die übrigen 26,7 Prozent sind in kommunaler Hand. Der Energiekonzern will sich komplett von seiner Beteiligung trennen. Angesichts der Schätzung von Northeims Landrat Wickmann, das ein Ein-Prozent-Anteil, etwa zehn Millionen Euro kostet, müssten 230 Millionen Euro zusammenkommen. Die 13 kommunalen Anteilseigner haben ein vertraglich gesichertes Erstrecht, Anteile zurückzukaufen.

Wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien seien größere Investitionen ins Stromnetz notwendig, sagte Wickmann. Das müsste beim Kaufpreis berücksichtigt werden. (ows/clm)

Mehr zu diesem Thema in der Donnerstagsausgabe der HNA.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.