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SAP zieht Tempo im Cloudgeschäft an

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SAP will im Cloudgeschäft weiter wachsen. © Uwe Anspach/dpa

Der Softwareriese SAP steckt viel Geld in Wachstumsinitiativen. Das Geschäft mit Software zur Nutzung über das Internet wächst. Mit Aufwand wird die Aktienkultur in der Belegschaft gefördert.

Walldorf - Europas größer Softwarehersteller SAP hat im vergangenen Jahr dank eines Schlussspurts vor allem bei Cloudsoftware mehr Geschäft gemacht als zunächst erwartet.

Der Konzernumsatz stieg im Jahresvergleich um zwei Prozent auf 27,84 Milliarden Euro, wie das Dax-Schwergewicht in der Nacht zum Freitag in Walldorf mitteilte. „Das beschleunigte Wachstum verspricht noch größere Möglichkeiten in der Zukunft“, sagte SAP-Chef Christian Klein.

Der Topmanager verwies vor allem auf den Erfolg des noch jungen Produktbündels „Rise“, das Kunden den schnelleren Umstieg auf Cloudsoftware - also Programme zur Nutzung über das Netz - erleichtern soll. Der Konzern sieht sich als Weltmarktführer bei Software zur Steuerung von Unternehmen.

Nettogewinn steigt um zwei Prozent

Die Walldorfer stecken zurzeit viel Geld in Wachstumsinitiativen, Cloudanwendungen sind noch nicht so profitabel - und Wechselkurseffekte bremsten. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern - also der Gewinn aus dem Tagesgeschäft - sank auch deshalb um ein Prozent auf 8,23 Milliarden Euro. Sowohl Umsatz und Ergebnis des vergangenen Jahres fielen aber etwas besser aus als von Analysten gedacht. Frühere eigene Unternehmensprognosen übertraf SAP teilweise sogar.

Unter dem Strich stieg der Nettogewinn um zwei Prozent auf 5,38 Milliarden Euro. Zwar musste SAP viel mehr Geld für die aktienbasierte Mitarbeitervergütung ausgeben. Dafür profitierte aber die Risikokapitalbeteiligungstochter des Konzerns, Sapphire Ventures, über das gesamte Jahr von der guten Wertentwicklung ihrer Investitionen.

Der Technologiekonzern will im neuen Jahr beim Wachstum große Schritte nach vorne machen. Die Gewinne aus dem Tagesgeschäft müssen wegen hoher Investitionen aber erst einmal weiter zurückstehen. Der Konzern geht davon aus, dass das operative Ergebnis im besten Fall stabil bleibt - und am unteren Ende der Prognosespanne sogar um fünf Prozent sinken könnte.

Die Aktie legte am Freitag an der Börse zum Handelsstart zu, fiel dann aber wieder zurück. SAP will am 27. Januar noch detailliertere Geschäftszahlen vorlegen.

„Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für die SAP, um sich neu aufzustellen, stabile Lieferketten aufzubauen und sich auf dem Weg in die Cloud zu nachhaltigen Unternehmen zu entwickeln“, sagte Klein. Der Manager will das Cloudgeschäft in den kommenden Jahren deutlich ankurbeln, um im Markt für Unternehmenssoftware nicht abgehängt zu werden. Cloudsoftware im Abo zur Nutzung über das Netz gilt als Zukunft der Branche und ist in weiten Teilen heute schon Standard.

Klein peilt im neuen Jahr bei der Cloudsoftware ein währungsbereiniges Umsatzplus von 23 bis 26 Prozent ein - ein deutlich schnelleres Wachstum als im vergangenen Jahr, als der Clouderlös um rund ein Sechstel auf 9,42 Milliarden Euro zulegte.

SAP muss das Tempo hier auch anziehen, um wie von Klein avisiert 2025 mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz mit den Programmen aus der Cloud zu erlösen. Viele Investoren sind jedoch skeptisch, ob das bis dahin gelingen kann.

Weil die Konkurrenz der US-Techkonzerne Oracle und Salesforce SAP im Nacken sitzt und Marktanteile verloren gehen könnten, hatte Klein Anfang vergangenen Jahres „Rise“ aus der Taufe gehoben. Nun sprach er von einem „gewaltigen Erfolg“ des Angebots.

Die Beschleunigung der Cloudgeschäfte erfordert Investitionen in Technik, Produkte und Werbung. Zudem sind die Cloudprodukte zunächst nicht so profitabel wie teure Softwarepakete im einmaligen Lizenzverkauf, sollen sich aber über die Laufzeit nach und nach rentieren - denn die Cloudsoftware wird entweder im Abo bezahlt oder über Nutzungsgebühren.

SAP will in diesem Jahr Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Euro zurückkaufen. Die angekauften Papiere sollen für künftige Zuteilungen aus einem anteilsbasierten Vergütungsprogramm verwendet werden. „Indem wir unsere anteilsbasierten Vergütungen für neue Zuteilungen ab 2022 vorwiegend durch Aktien statt Barzahlungen ausgleichen, möchten wir die Aktienkultur in unserer Belegschaft weiter stärken und sicherstellen, dass die Interessen unserer Mitarbeitenden eng an den Interessen unserer Aktionäre ausgerichtet sind“, sagte Finanzchef Luka Mucic.

Der Konzern führt nach eigenen Angaben vom Oktober 67 Rechenzentren in 17 Ländern. Beschäftigt waren Ende vergangenen Jahres rund 107.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das war im Jahresvergleich ein Plus von rund 5000. dpa

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