Der Göttinger Konzern erweitert die Produktpalette – Nahrungsmittel und Pharma stehen im Mittelpunkt

Sartorius spielt auf neuen Feldern

Göttingen. Der Wäge- und Labortechnikhersteller Sartorius will in diesem Jahr den Umsatz um etwas mehr als fünf Prozent steigern. Die Zahl der Beschäftigten soll wieder leicht wachsen, kündigt der Vorstandschef des Konzerns, Joachim Kreuzburg an.

Sartorius verdient mehr Geld mit Biotechnologie als mit Mechatronik. Ist die Wägetechnik ein Auslaufmodell?

Joachim Kreuzburg: Nein. Die Mechatronik hat eine gute Zukunft, und wir haben eine strategische Neuausrichtung begonnen. Wir wollen in neue Anwendungsfelder hineinwachsen und uns stärker auf Produktionsprozesse von Lebensmitteln und Pharmazeutika konzentrieren. Beides sind langfristig weltweite Wachstumsmärkte. Konjunkturabhängige Branchen wie die Chemieindustrie sollten mit der Zeit eine geringere Rolle spielen.

Was heißt das konkret?

Kreuzburg: Nehmen wir als Beispiel unsere sehr innovative Online-Feuchtemesstechnik, die wir über eine Kooperation ins Produktprogramm aufgenommen haben. Der Feuchtegehalt spielt in praktisch allen verarbeiteten Lebensmitteln eine Rolle, ob in Keksen, in Brühwürfeln bis hin zu Tiernahrung. Er bestimmt die Qualität des Produkts, hat aber auch Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit. Röstkaffee darf zum Beispiel höchstens fünf Prozent Wasser enthalten und Wasser ist billiger als Kaffee. Der Hersteller versucht also, möglichst nah an diesen Wert heranzukommen, um ihn dann konstant zu halten. Um das optimal zu schaffen, muss er während der Produktion ständig messen.

Wie schätzen Sie den Markt für diese Feuchtemessung ein?

Kreuzburg: Der weltweite Markt für Online-Feuchtemessungen umfasst nach Brancheneinschätzungen 250 Millionen Euro. Bisher verteilt er sich auf viele kleine Anbieter. Es gibt noch weitere Vorgaben bei der Lebensmittelproduktion, die fortlaufend kontrolliert werden müssen, etwa der Eiweiß-, Zucker- oder Fettgehalt. Auch hier wollen wir unser Angebot erweitern.

In der Mechatronik wurden 30 Millionen Euro eingespart. Mussten Beschäftigte gehen?

Kreuzburg: Ende 2009 hatten wir in der Mechatronik weltweit rund 350 Mitarbeiter weniger als 2008. Gut 40 Prozent davon entfallen auf unseren größten Standort, Göttingen. Zu den 350 Beschäftigten gehören aber auch diejenigen, die in 100-prozentiger Kurzarbeit sind. Das ist etwa jeder Zweite.

Was kommt auf diese Beschäftigten zu?

Kreuzburg: Wir qualifizieren derzeit diese Mitarbeiter für mögliche andere Tätigkeiten im Konzern. Ein Teil hat schon neue Aufgaben. Für die Beschäftigten, für die sich bis Ende des Jahres keine Perspektive bietet, wird es eine Transfergesellschaft geben.

Wohin steuert der Markt in der Biotechnologie?

Kreuzburg: Vor uns liegt weiter eine herausfordernde Zeit. Die großen Trends sind Einwegprodukte für Anwendungen, in denen früher Edelstahlsysteme dominierten. Hier waren wir Pionier und sind weltweit führend. Ein weiteres großes Thema sind integrierte Lösungen. Vor fünf oder zehn Jahren hat ein Zulieferer nur ein oder zwei Anwendungen abgedeckt, und die Kunden mussten sich alles selbst zusammenstellen. Heute wollen sie alles aus einer Hand. Da sind wir sehr stark.

Mit welchen neuen Produkten will Sartorius punkten?

Kreuzburg: Zurzeit bringen wir die verschiedenen Einwegtechnologien auf Plattformen, auf denen sie einfach und schnell zusammengestellt werden können. Außerdem entwickeln wir weitere innovative Einwegprodukte, zum Beispiel Bioreaktoren, die sich auch für große Mengen eignen.

Bekommen die Aktionäre trotz des Konzernverlusts eine Dividende?

Kreuzburg: 2009 ist die Biotechnologie so gut gelaufen wie noch nie. Die Mechatronik war operativ ausgeglichen, hat wegen der sehr hohen Restrukturierungsaufwendungen aber rote Zahlen geschrieben. Insgesamt sind die operativen Zahlen des Konzerns also ordentlich und die Zukunftsaussichten positiv, so dass wir der Hauptversammlung eine Dividende auf Vorjahresniveau vorschlagen werden; 40 Cent je Stammaktie und 42 Cent je Vorzugsaktie.

Von Barbara Will

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