Verbraucherzentrale warnt vor überhöhten Preisen beim DVD-Kauf

Saurer Apfel für Serienfans

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Saftiges Geschäft: Fernsehserien auf DVD werden oft zu überhöhten Preisen angeboten. Im Bild die Darstellerinnen der Serie „Desperate Housewives“ (von links Nicollette Sheridan, Marcia Cross, Teri Hatcher, Felicity Huffman, Eva Longoria).

Kassel/Düsseldorf. Die Fans der Fernsehserie „Lost“ sind sauer. „Abzocke“, „reine Geldmacherei“ - solche und ähnliche Kommentare sind in Internetforen zu lesen. Grund für die Aufregung ist die Verkaufspolitik bei TV-Serien auf DVD, die Serienliebhaber zwingt, tief in die Tasche zu greifen.

Vor dieser Masche der DVD-Anbieter warnt jetzt auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf). Das Prinzip: Anstatt eine Staffel komplett anzubieten, werden die Staffeln zunächst gestückelt verkauft. Eine Teilstaffel kostet in manchen Fällen genauso viel oder sogar mehr als die vollständige Staffel, die aber eben erst deutlich später auf den Markt gebracht wird.

Diese Taktik verleidet nicht nur „Lost“-Fans den Spaß an ihrer Lieblingsserie. Die vierte Staffel der Seifenoper „Desperate Housewives“ zum Beispiel, auf dem Markt seit 2008, wird bei Amazon derzeit in zwei Teilen angeboten: Teil eins mit drei DVDs kostet 25 Euro, für den zweiten Teil mit zwei DVDs zahlt man 23 Euro, insgesamt also 48 Euro für die ganze Staffel. Ab dem 1. April 2010 kann man die vierte Staffel aber auch als Komplettpaket mit fünf DVDs bestellen - zum Preis von nur 37 Euro.

Wer Geld sparen will, muss also unter Umständen Jahre warten, bis die günstigere Version auf den Markt kommt. Ungeduldige beißen in den sauren Apfel und zahlen höhere Preise. „Wenn ich heiß auf die Serie bin, dann muss ich eben das nehmen, was angeboten wird“, sagt Georg Tryba, Sprecher der Verbraucherzentrale.

Während sich die Kunden ärgern, freuen sich die Anbieter über ein gutes Geschäft: 233 Millionen Euro Umsatz machte die Branche im Jahr 2009 mit TV-Serien auf DVD - das sind 24 Prozent des Gesamtumsatzes. 2005 waren es noch 18 Prozent. „Der Umsatz mit Serien-DVDs steigt stetig“, sagt Oliver Trettin, Sprecher des Bundesverbands Audiovisuelle Medien (BVV). Der BVV vertritt die deutschen Videoprogramm-Anbieter. Die Kritik der Kunden könne er nicht nachvollziehen, sagt Trettin: „Es stimmt, dass es früher eine Tendenz gab, die Serien gestückelt auf den Markt zu bringen - aber das hat stark abgenommen“.

Den Eindruck haben die Serienfans nicht. Einige rufen im Internet sogar zum Kauf-Boykott auf. Eine andere Möglichkeit, sich gegen die überhöhten Preise zu wehren, haben sie nicht. Rein rechtlich können sie den DVD-Anbietern nichts anhaben: „Es ist nicht verboten, die Serienstaffeln gestückelt auf den Markt zu bringen“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale.

Den Kunden bleibt also nichts anderes übrig, als ihren Frust weiterhin in Internetforen abzulassen - und zu warten, bis ihre Lieblingsserie komplett auf dem Markt ist.

Von Judith Féaux de Lacroix

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