Die Continental-Übernahme kostet die Franken Milliarden – und vielleicht die Unabhängigkeit

Schaefflers teurer Einkauf

Teilhaber: Schaeffler-Sohn Georg Fotos: dpa

Korbach / Hannover. Eine erste Erfolgsmeldung hat Maria-Elisabeth Schaeffler (69), schon mal verkündet: Mehr als acht Milliarden Euro Umsatz werde der Autozulieferer, der sich mit einem Kraftakt den Konkurrenten Continental einverleibte, in diesem Jahr schaffen, über 800 Millionen davon sollen als Gewinn vor Zinsen und Steuern übrig bleiben, ließ sie wissen. Morgen zeigt die Dame völlig neue Einblicke: Das Familienunternehmen aus dem Fränkischen legt erstmals Bilanzzahlen vor.

Continental – das war ein gewaltiger Happen für die Franken. Der Konzern beschäftigt weltweit mehr als 134 000 Mitarbeiter, davon 6700 in Nordhessen und Südniedersachsen. Sie stellen Schläuche her und Autoreifen, Einspritzpumpen und Spezialtransportbänder für den Bergbau. 2009 brachte das einen Umsatz von Milliarden Euro Umsatz ein – und einen Verlust von 1,6 Mrd. Euro.

2008 hatte die elegante Unternehmerin, die das Familienunternehmen nach dem Tod ihres Mannes Georg 1996 übernommen hatte, zum großen Schlag ausgeholt. Sie und ihr Geschäftsführer Jürgen Geißinger übrrumpelten Continental mit einem feindlichen Übernahme-Angebot. Doch im Zuge der Wirtschaftskrise schmolz der Wert des Conti-Pakets dahin. Die Milliardärin Schaeffler, Chefin von 65 000 Mitarbeitern, sah einen großen Teil ihres Vermögens entschwinden.

Als durchsetzungsstark, friedlich, charmant, hat sie selbst einmal ihren Führungsstil bezeichnet. Dafür zeigt sie gern Emotion: Etwa an einem kalten Februartag 2009, als die Schaeffler-Gruppe durch die gewagte Übernahme am Rand des Ruins stand und mehr als 5000 Beschäftigte für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und staatliche Hilfe demonstrierten. war Maria-Elisabeth Schaeffler, im wattierten Mantel dabei – und weinte.

Mit offenen Armen wird man sie bei Continental kaum empfangen – zu hoch waren die Wogen 2008 geschlagen. Der ehemalige Schaeffler-Manager Elmar Degenhart übernahm den Chefsessel, Continental-Lenker Karl-Thomas Neumann muste gehen. Krach gabe es auch um den Familienvertrauten Rolf Koerfer, der in den Continental-Aufsichtsrat einzog.

Die fränkische Gruppe drückt die gewaltige Schuldenlast von zwölf Milliarden Euro. Das Familienunternehmen Schaeffler wandelte sich in eine Kapitalgesellschaft. Das schaffe strategischen Spielraum, sagt Maria-Elisabeth Schaeffler dazu. Seit der Umwandlung liegen fünf Mrd. Euro bei der Holding, hinter der die Familie steht, die anderen sieben Mrd. Euro belasten das operative Geschäft. Dieses Problem kann eine Kapitalerhöhung lösen. Doch für die stolze Matriarchin würde das den Verlust der Unabhängigkeit bedeuten. Sohn Georg, der ebenfalls an der Holding beteiligt ist, kann das wohl am besten ermessen: „Meine Mutter hängt mit ihrem Herzen und ihrer Seele an diesem Unternehmen“, sagte er kürzlich in einem Interview.

Von Barbara Will

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