Der Markt wächst rasant

Die Macht der „Schattenbanken“

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Der Anteil der Schattenbanken wächst.

Berlin - Seit Jahren schlagen Finanzaufseher Alarm. Weil Banken stärker an die Kandare genommen werden, wandern Zocker in einen unkontrollierten Schattensektor ab.

Es war die Kampfansage der Politik unmittelbar nach Ausbruch der Bankenkrise: Kein Finanzprodukt, kein Finanzmarkt und kein Finanzmarkt-Akteur sollen künftig unkontrolliert bleiben. Drei Jahre nach dem großen Schwur der G20-Wirtschaftsmächte gibt es jedoch immer noch Lücken. Am meisten Sorgen bereitet die Abwanderung von Finanzjongleuren ins undurchsichtige Schattenbanken-System:

Was sind eigentlich „Schattenbanken“?

Der „Schattenbanken-Sektor“ ist sehr vielschichtig. Der Billionen schweren Branche gehören Finanzjongleure an, die nicht Teil des traditionellen Bankensektors sind, kaum einer Kontrolle unterliegen und die über keinerlei Einlagensicherung verfügen. Das betrifft etwa Hedge-Fonds oder Private-Equity-Investoren. Für Bauchschmerzen sorgten zuletzt vor allem Geldmarktfonds, die aus Sicht von Experten besonders verwundbar und daher besonders bedrohlich sind.

Wie groß ist denn die Gefahr, die von „Schattenbanken“ ausgehen?

Bankenaufseher weltweit warnen seit langem vor dem nächsten Crash. Grobe Schätzungen gehen davon aus, dass „Schattenbanken“ etwa 25 bis 30 Prozent des globalen Finanzsystems ausmachen. Zwischen 2002 und 2007 ist das „Schattenbank“-Volumen laut Finanzstabilitätsrat der G20-Staaten (FSB) von geschätzten 26 Billionen US-Dollar auf 62 Billionen US-Dollar gestiegen - und bis Ende 2011 bezifferte auf inzwischen 67 Billionen US-Dollar. Es könnte sogar mehr sein. Denn die Dunkelziffer ist hoch. Allein in den USA wird mit 16.000 Milliarden ein größeres Kreditvolumen bewegt, als von herkömmlichen Banken (13.000 Milliarden Dollar).

Warum ist dieser Markt so explosionsartig gewachsen?

Immer mehr Finanzinvestoren wandern in den völlig unkontrollierten „Schattenbanksektor“ ab. Der Markt wächst rasant, auch weil Banken und Versicherer inzwischen strenger beaufsichtigt werden. Damit steigt die Gefahr von Ausweichmanövern „seriöser“ Institute in den „Schattensektor“. Diese Nicht-Banken jonglieren mit zum Teil schwer durchschaubaren Konstrukten sowie unvorstellbaren Summen und wickeln jene Deals ab, die kontrollierte Banken immer mehr auslagern.

Wer profitiert von dem Boom im Schattenbanksektor?

Profiteure des neuen globalen Finanzcasinos sind besagte Hedgefonds, Geldmarktfonds und sogenannte Private-Equity-Gesellschaften - vor allem aber deren Manager, die sich mit den Boni in traditionellen Banken nicht mehr zufrieden geben. Sie werden von regulierten großen Pensionsfonds, Versicherern und Banken derzeit mit frischem Geld geradezu zugeschüttet. Geldhäuser nutzen „Schattenbanken“ weltweit als Handelspartner, um Risiken aus ihren Bilanzen loszuwerden. Hedgefonds leihen sich also nicht nur Geld bei Kreditinstituten, sondern sie kaufen diesen auch riskante Posten ab. Das ist für Banken oft der einfachste Weg, um die strengeren Eigenkapitalvorgaben zu erfüllen, die die G20 als Folge der Krise vereinbart haben.

Wodurch können die befürchteten Verwerfungen ausgelöst werden?

„Schattenbanken“ können mit viel geliehenem Kapital äußerst riskante Wetten auf alles Mögliche eingehen - mit der Gefahr einer gigantischen Pleite samt erheblichen Dominoeffekten an den Märkten insgesamt. Und das alles ohne Kontrolle. Gerade bei Geldmarktfonds können Geldgeber und Investoren, die in Not geraten, Mittel rasch abziehen und so für erhebliche Schieflagen sorgen.

Haben Gegenmaßnahmen überhaupt eine Chance?

Völlig austrocknen lassen sich diese Regulierungsoasen wohl kaum. Es könnten aber auch Hedge-Fonds in aller Welt überwacht und Geschäftsbeziehungen zwischen Banken und „Schattenbanken“ eingeschränkt werden. Risiken durch Geldmarktfonds könnte mit Elementen aus der Bankenregulierung begegnet werden. Ziel ist es, auch diese Fonds stabiler zu machen als sie bisher waren. Allerdings ziehen bei der Regulierung der „Schattenbanken“ nach wie vor nicht alle an einem Strang.

dpa

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