Stromverbrauch soll mit neuen Messgeräten sinken – aber günstige flexible Tarife gibt es derzeit kaum

Schlauer Zähler spart kaum Geld

Arbeit an der Energieversorgung: Das intelligente Stromnetz der Zukunft wird Milliarden kosten. Doch Verbraucher profitieren bislang wenig oder gar nicht von dem Umbau. Foto: dpa

Kassel / Göttingen. Im Haushalt der Zukunft schaltet der Smart Meter, der intelligente Stromzähler die Waschmaschine an, wenn der Wind kräftig weht – weil Strom dann im Überfluss vorhanden und deshalb billig ist. Der clevere Zähler soll die Tür zum Smart Grid aufstoßen, dem intelligenten Energienetz der Zukunft.

Das wird teuer: Um das Stromverteilnetz mit intelligenter Technik aufzurüsten, müssen bis 2020 in Deutschland 20 Milliarden Euro investiert werden. 40 Millionen Haushalte müssen mit Smart Metern ausgerüstet werden. Hinzu kommen die Software für die Fernablesung der Daten und Schnittstellen für ihren Transport. Dass durch die neuen Zähler die Ablesekosten für Verbraucher sinken, versprechen Versorger derzeit deshalb nicht.

Zwar können Stromkunden mit Smart Metern ihren Verbrauch ständig analysieren, aber kaum die Stromrechnung drücken. Denn flexible Tarife, bei denen sich der Strompreis nach Tageszeit und Angebot richtet, stecken noch in den Kinderschuhen. Der Energieversorger Eon führt derzeit sein EnergieNavi mit einem Smart Meter ein. Kunden können ihren Stromverbrauch ständig online abfragen. Beim dazu gehörigen Tarif ist die Kilowattstunde Strom am Tag teurer als nachts. Bei der Regionaltochter Eon Mitte steht er noch aus. Die Städtischen Werke Kassel haben einen flexiblen Tarif, mit dem ein normaler Haushalt aber kein Geld spart, weil der Tarif nicht auf die tagesaktuellen Preisschwankungen für Strom reagieren kann.

Ein Smart Meter produziert im Jahr bis zu 35 000 Datensätze pro Haushalt, die über Internet, Mobilfunk oder Stromleitung übertragen und dann verarbeitet werden müssen. Die Deutsche Telekom und IT-Riesen wie IBM oder Cisco wollen an der Datenflut mitverdienen. Weltweit lockt rund um Smart Grid ein Umsatz von 100 Milliarden Euro.

So bietet die Telekom Energieversorgern an, die Stromverbrauchsdaten aus den Haushalten über das Internet zu verschicken. „Mit Massendaten umzugehen, ist unsere Kernkompetenz“, sagt ein Telekom--Sprecher. Man manage bereits 100 Mio. Datensätze am Tag und stelle 40 Mio. Rechnungen monatlich aus.

„Wir können uns sicher eine Kooperation vorstellen“, sagt ein Sprecher von Eon Energie, der Mutter des in Nordhessen und Südniedersachsen tätigen Versorgers Eon Mitte. Komplett wolle man die Abrechnung aber nicht aus der Hand geben.

Messen für andere

Die Städtischen Werke in Kassel werden den Messbetrieb auch für andere Versorger übernehmen, sagt Sprecher Ingo Pijanka. Die neue nordhessische Stadtwerke-Union Sun, zu deren sechs Gesellschaftern die Kasseler gehören, passt da gut ins Konzept. Zudem verlege die Netcom Kassel DSL-Leitungen, etwa in Körle (Schwalm-Eder-Kreis) – die Daten könnten über die schnellen Leitungen übermittelt werden. An Netcom Kassel ist die Kasseler Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft KVV zu einem Viertel beteiligt, Der Rest gehört dem Telekomriesen Arcor.

Von Barbara Will

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