Sechs Gründe, warum Deutschland nicht mehr jammern, sondern Stärke zeigen sollte

Schluss mit Krisen-Frust

Montage: Grafik/HNA

Jammern gehört zu den Deutschen wie die DIN-Norm – über das Wetter, die Bahn oder die Wirtschaftskrise. Die Amerikaner laufen ihrem amerikanischen Traum nach, die Franzosen schwelgen im Genuss, viele Deutschen sind gern unzufrieden. Das mag beim Wetter angebracht sein, in punkto Wirtschaftskraft spielt „Made in Germany“ trotz Krise in der Spitzenliga. Sechs Gründe, warum Jammern unangemessen ist:

1Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet für 2010 mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent. Aber: Kein Anlass zum Übermut mahnt BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf im gleichem Atemzug. 2011 und 2012 könne die Dynamik nachlassen. Aber: Der ifo-Geschäftsklimaindex machte vergangene Woche einen Satz von 101,6 auf 106,2 Punkte nach oben – der größte Sprung in Sachen Wirtschafts-Optimismus seit 1990.

2Der Export läuft auf Hochtouren. Und es geht dabei um mehr als um Vorleistungen wie Stahl – weltweit werden Maschinen und andere Investitionsgüter geordert. Der BDI geht von plus acht Prozent aus – aber: Die Vergleichswerte waren 2009 niedrig. So meldete die Elektroindustrie im Mai einen Exportanstieg von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit Beginn der Finanzkrise hatten Unternehmer ihre Investitionen gekappt. Nun werden Maschinen ersetzt oder angeschafft. Ein Beleg dafür, dass die Unternehmer selbst an den Aufschwung glauben. Negativ wirken sich die höheren Importpreise aus. Sie stiegen im Juni auf Jahressicht um 9,1 Prozent. Kostentreiber: Energiepreise.

3Geht es der Industrie gut, spürt es der Arbeitsmarkt. Im Juni waren bundesweit 257 000 Menschen weniger arbeitslos, als vor einem Jahr. Die Quote lag bei 7,5 Prozent. Für die kommenden Monate erwarten Experten einen weiteren Aufschwung. Im Juli waren 3,18 Millionen Menschen arbeitslos – 280 000 weniger als vor einem Jahr, prognostizieren die Volkswirte der deutschen Großbanken. Die offiziellen Zahlen nennt die Arbeitsagentur am Donnerstag.

4Ist die Arbeitslosenquote niedrig, nutzt dies der Binnennachfrage. Die Partystimmung der deutschen Wirtschaft hat die Verbraucher erfasst und sorgt für ein Hoch beim Konsumklima. Der Konsumklimaindex werde im August nach 3,6 im Juli auf 3,9 Punkte steigen, stellte die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg (GfK) fest.

5Sparen bremst den Konsum – die Behauptung der Konjunkturforscher stimmt nicht mehr. Zwar erreicht 2011 die Neuverschuldung – die auch durch Kurzarbeit und Abwrackprämie gestiegen ist – mit 84 Milliarden Euro einen Rekordstand, doch die Rechnung der Bundesregierung scheint aufzugehen: Brummt die Wirtschaft, stopfen Steuern die Haushaltslöcher.

6 Wirtschaftsmacht Amerika verliert an Bedeutung, dafür heizt China die Weltwirtschaft stärker an als erwartet. Für die Automobilwirtschaft bedeutet dies Sonderkonjunktur. Die Hälfte des Weltwachstums kommt aus Schwellenländern wie Russland, Indien, Brasilien und eben China. Weitere 25 Prozent stammen aus dem europäischen Raum. Die USA haben nur noch einen Anteil von 18 Prozent an der Weltwirtschaft. Ifo-Chef Werner Sinn zählt die Amerikaner sogar zu den Verlierern der Krise, da die Krise viel mit Überschuldung und mit den Kapitalmärkten zu tun gehabt hat.

Von Martina Wewetzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.