Marzipan-Figuren werden besonders zur Weihnachtszeit gekauft – Karin Ventur bemalt sie bei Niederegger

Schminke für den Herkules

Förmchen: Das Marzipan wird in Formen zu Figuren wie dem Lübecker Holstentor gepresst.

Sogar den Herkules haben sie schon bemalt. Karin Ventur und ihre 17 Kolleginnen arbeiten für den Lübecker Marzipan-Hersteller Niederegger. Dort schminken sie – wie man in der Fachwelt sagt – die bekannten Marzipan-Figuren des Traditionsunternehmens. Seit 25 Jahren verpasst Ventur Weihnachtsmännern und Tierfiguren den richtigen Anstrich. Der geschminkte Herkules ist allerdings nur als Ausstellungsstück im Kasseler Kaufhof zu sehen.

Neben Niederegger sind 24 Marzipanhersteller beim Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie vertreten. „In Deutschland ist der Markt auf hohem Niveau weitgehend gesättigt“, sagt Torben Erbrath, Sprecher des Bundesverbandes. Die Export-Quote für Süßwaren liegt bei 40 Prozent.

Das meiste Marzipan wird zur Weihnachtszeit verkauft, dann hat Karin Ventur viel zu tun. Ob Schweinchen oder Elefant, alle Figuren landen direkt aus der Form bei ihr auf dem Schminktisch. „Man muss eine ruhige Hand haben und die Feinheiten mögen“, sagt sie. Geschminkt wird mit Farben aus Fruchtextrakten, jede Arbeiterin hat bis zu 20 Pinsel. Bei einer komplizierten Figur kann die Dekoration eine halbe Stunde dauern. Und wenn mal ein Fehler passiert „dann ess ich’s einfach auf“, sagt Ventur. Einige Kollegen hätten anfangs gesagt, sie wollten nichts naschen, aber „die haben sich das schnell anders überlegt.“

Der Branchen-Umsatz mit Marzipan lag in Deutschland 2008 bei 59 Millionen Euro. Exportiert wird außer in die

EU-Staaten überwiegend in die USA, die Schweiz sowie nach Russland und Australien. Lediglich aus Dänemark werden geringe Mengen importiert.

Die wichtigste Zutat für das Marzipan sind die Mandeln. Sie kommen zum größten Teil aus Kalifornien, werden aber auch aus Spanien, Italien und Portugal eingeführt. Die Mandeln aus den Mittelmeerländern seien die besseren, sagt Willi Meier, Sprecher von Niederegger. In Südeuropa werde noch auf kleineren Plantagen von Hand geerntet. Die Produktion in Kalifornien sei eher mit der holländischen Tomate zu vergleichen, dafür aber günstiger.

Zerkleinert, mit Zucker vermengt und geröstet landen die Mandeln schließlich als Marzipan unter dem Pinsel von Karin Ventur. Ihre Fingerfertigkeit hat sie aus ihrer Schneiderlehre, als ihr Ausbildungsbetrieb schließen musste, kam sie zu Niederegger.

Über Weihnachtsgeschenke muss sich die 45-Jährige keine Gedanken machen. Ventur verschenkt einfach ihre eigenen Figuren, und die kommen immer gut an: „Daneben wird ein 1000 Euro-Geschenk schnell zur Nebensache, dass ist immer ein ganz tolles Erlebnis.“

Von Tilman Sanner

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