Apple-Welt: Jobs Auszeit bremst Aktie – eine Analyse  

Cupertino. Rückfall oder nur gesundheitliche Schwäche? Seit Montag sorgt Apple-Chef Steve Jobs (55) für Turbulenzen an der Börse – nicht zum ersten Mal: 2004 wird Jobs wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert, 2009 bekommt er eine neue Leber. Nun braucht er erneut eine Auszeit.

Laut New York Times soll die Lebertransplantation der Grund sein. Vorerst verantwortet Tim Cook das Tagesgeschäft. Keine schlechte Wahl, meinen Analysten. Denn unter seiner kommissarischen Leitung von Januar bis Juni 2009 legten die Aktien um etwa 70 Prozent zu.

Jedes Mal, wenn sich der Konzernchef und Unternehmensgründer Jobs zurückziehen musste, reagierten Anleger bestürzt. Vor allem an den Börsen traut dem Unternehmen niemand zu, ohne die Führungsfigur auf Erfolgskurs zu bleiben.

So sackte am Montag die Apple-Aktie um bis zu acht Prozent nach Bekanntgabe der Auszeit ab. Zeitweise büßte der Konzern 20 Milliarden Dollar an Wert ein. An der Frankfurter Börse fiel der Kurs von 263,37 auf 238,48 Euro. Auch am Dienstag brach der Kurs im vorbörslichen Handel an der New Yorker Börse um vier Prozent ein, obwohl der wertvollste Technologiekonzern der Welt Rekordzahlen nach US-Börsenschluss angekündigt hat. In Frankfurt stieg die Aktie bis 17.30 Uhr auf 251,55 Euro. Warum ist Jobs so wichtig?

1. Unter seiner Führung kennt Apple seit 1997 nur ein Ziel: An der Grenze des technisch und wirtschaftlich Machbaren Produkte herzustellen. Diese Idee verfolgt er gnadenlos. Das hat Apple groß gemacht.

2. Jobs Präsentationen sind legendär und gleichen einer Glaubensfrage. Nicht nur das Produkt, auch das Design ist wichtig – schlicht, karg, kompromisslos. Würde sich der charismatische, asketische Jobs auf Dauer zurückziehen, entstünde in der Außenwirkung ein Vakuum.

3. Es gibt keine Nachfolgeregelung bei Apple. Zwar soll Chefdesigner Jonathan Ive (43) – optisch ein bisschen Boddybuilder, etwas Buddha – die Lücke füllen. Ob aber jemand akzeptiert wird, der über sich selbst sagt, dass er nie ganz zufrieden mit den Produkten sei, ist fraglich.

Zweifel kennt Jobs, der Mann im dem schwarzen Rolli, nicht. Mit Produkten wie iMac, iPod, iTunes- und iPhone hat er Senkrechtstarter am Markt platziert, weil er den Kunden einreden kann, dass es das sei, was sie brauchen. Damit hat er Kaufverhalten verändert. Für den Kurs der Apple-Aktie ist dies entscheidend.

Von Martina Wewetzer

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