Auch US-Bank Goldman Sachs war in Griechenland beteiligt – neue Vorwürfe

Schummeln für den Euro

Der Euro in Griechenland: Mit Tricks schaffte es das südeuropäische Land in den Club der Euro-Länder. Auch die Großbank Goldman Sachs verdiente offenbar daran mit. Foto: dpa

Athen / Brüssel. Das hoch verschuldete Griechenland muss sich möglicherweise auf noch schärfere Sparvorhaben einstellen, um die Haushaltskrise zu bewältigen.

Beim Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe und der EU werde geprüft, ob die Auflagen der EU-Kommission und des Rates für das Sparprogramm der Athener Regierung das strengere Defizitverfahren etwas verschärft werden müssten. Das sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums in Berlin.

Unterdessen geht die EU-Kommission neuen Vorwürfen nach, wonach große US-Banken Griechenland jahrelang bei der Verschleierung der Staatsverschuldung geholfen haben.

Die Schönheitsoperation an den griechischen Staatsfinanzen unternahm die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ab dem Jahr 2002. Durch maßgeschneiderte Währungsgeschäfte half Goldman Sachs Athen, Schulden aufzunehmen und Milliarden für Staatsausgaben zur Verfügung zu haben, ohne dass diese als Schulden verbucht werden mussten.

Das Mittel dazu waren Währungs-Swaps. Goldman Sachs gab Griechenland Milliarden zu einem fiktiven sehr vorteilhaften Wechselkurs. Das so aufgenommene Geld sollte mehr als ein Jahrzehnt später zurückbezahlt werden, als handele es sich um Anleihen. Dazu sollten unter anderem Einnahmen aus Flughafengebühren und der staatlichen Lotterie dienen. Nach Angaben der „New York Times“ hat Griechenland bis 2009 rund 300 Millionen Dollar an das Bankhaus abgeführt.

Die Transaktionen waren durchaus legal. Aber sie legten Griechenland für spätere Jahre hohe Verpflichtungen auf. Da von wirtschaftlicher Erholung nicht die Rede sein konnte, drücken diese tatsächlichen Schulden auf die griechischen Finanzen und dadurch auch auf den Euro.

Bei Goldman Sachs hatte man in den Jahren nach dem Geschäft längst erkannt, dass Griechenland immer weiter abrutschen würde. Man verkaufte deshalb die Swaps 2005 an eine griechische Bank – mit Profit natürlich. Die Kontrolleure der Staatsfinanzen in den Mitgliedsländern wie Eurostat konnten diese Geschäfte nicht mit in ihre Statistiken einbeziehen. Finanzderivate wie die Währungs-Swaps werden nicht erfasst. Die Bank hat gegenüber der Presse keinerlei Erklärung abgegeben. Ein Sprecher des griechischen Finanzministeriums sagte gegenüber der New York Times, alle Finanzgeschäfte seien absolut transparent gewesen.

Italien und JP Morgan in New York hatten ein ähnliches Swap-Geschäft 1996 gemacht. Die Bank räumte Italien einen besonders vorteilhaften Kurs bei einem Währungshandel ein, was Rom half, seine Finanzen vor der Einführung des Euro in Ordnung zu bringen. (yce/dpa)

Von John Dyer

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