Ausfuhr von deutschen Molkereiprodukten zieht an - Erzeugerpreise steigen seit Monaten moderat

Schwacher Euro hilft Milchbauern

kassel/northeim. Die Milchbauern in der Region schöpfen wieder Hoffnungen. Seit Herbst 2009 steigen die Erzeugerpreise, und die jüngsten Preiserhöhungsrunden im Lebensmitteleinzelhandel für Milch und Butter könnten die prekäre Einkommenssituation der betroffenen Landwirte verbessern.

Deutsche Milchwirtschaft in Zahlen Erzeuger/Milchbauern 2009: 95 800 (Vorjahr: 99 400) Milchkuhbestand: 4,17 (4,23) Millionen. durchschnittlicher Ertrag je Kuh: 6900 (6827) Liter Erzeugte Menge: 29,2 (28,7) Mio. Tonnen Zahl der Weiterverarbeiter/Molkereien: 100 (100) Beschäftigte in der Milchindustrie: 36 300 (36 500) Umsatz der Weiterverarbeiter: 18,23 (22,29) Mrd. Euro, Exportwert: 3,67 (4,75) Mrd. Euro. (jop)

WGut 27 Cent erhalten sie derzeit für einen Liter Milch. Einen Cent mehr als noch vor einem Monat und bis zu fünf Cent mehr als im Krisenjahr 2009, als die Preise auf zeitweise bis zu 22 Cent fielen und verzweifelte Bauern mit Lieferboykotten und Protestaktionen reagierten. as die Erzeuger aktuell freut, kostet die Verbraucher Geld. Im Handel ist der Milchpreis vor zwei Wochen um zwei Cent je Liter gestiegen, und für 250 Gramm Butter müssen Verbraucher seit Wochenbeginn 20 Cent mehr zahlen – ein Aufschlag von 23,5 Prozent auf 1,05 Euro im Preiswertsegment.

Hintergrund der plötzlichen Teuerung ist die steigende Weltmarktnachfrage – vor allem der Lebensmittelindustrie. Weil der Hunger auf deutsche Milchprodukte in der EU und in Übersee steigt, führen die Molkereien wieder verstärkt aus und konnten in den jüngsten Preisverhandlungen mit den Marktführern Aldi, Lidl, Edeka und Rewe deutlich bessere Kontrakte aushandeln. Bei Milch laufen sie etwa ein halbes Jahr und bei Butter häufig nur ein bis zwei Monate. Dann wird neu verhandelt - zum Teil mit mehreren Abnehmern gleichzeitig, weil viele Verträge gleiche oder ähnliche Laufzeiten haben. Derzeit sitzen die Weiterverarbeiter am längeren Hebel.

Dass vor allem Länder außerhalb der EU wieder verstärkt Molkereierzeugnisse aus Deutschland nachfragen, ist nach Ansicht vieler Experten auch auf den sinkenden Euro zurückzuführen. „Der schwache Euro beflügelt den Export in Drittländer“, sagt Willi Teutsch. Der Geschäftsführer des Landvolkverbandes Northeim rechnet auch für die nahe Zukunft mit steigenden Handels- und somit besseren Erzeugerpreisen. „30 Cent je Liter für unsere Bauern, wären ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt er. Auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Kassel, Erich Schaumburg, erwartet einen weiteren moderaten Anstieg der Erzeugerpreise. „Aber von einem angemessenen Preis, der Landwirten und deren Familien dauerhaft ein auskömmliches Einkommen garantiert, sind wir noch weit entfernt“, sagt er. 40 Cent je Liter sind nach Angaben Schaumburgs notwendig, um allein von der Milchproduktion leben und investieren zu können.

Dass von der happigen Preisanhebung bei Butter wahrscheinlich nur wenig bei den Bauern ankommen dürfte, hat vor allem damit zu tun, dass nur ein ganz geringer Teil der Milch zu Butter verarbeitet wird - und zwar 1,7 Prozent der erzeugten Menge. Und unter Herausrechnung des Eiweißes, das ihr bei der Butterherstellung entzogen und vor allem dem Käse zugeführt wird, sinkt dieser Anteil noch weiter.

Für den Sprecher des Hessischen Bauernverbands, Bernd Weber, ist die Sache klar: „Angebot und Nachfrage haben sich wieder angenähert“. Die Nachfrage ziehe stärker an, als die Menge.

Manche Branchenkenner wähnen auch weltweite Spekulation hinter dem aktuellen Nachfrageschub. „Es kann sein, dass große Spieler wieder auf steigende Preise setzen“, sagte einer von ihnen.

Von José Pinto

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