Ursula Piëch – vom Kindermädchen zur künftigen VW-Regentin

Seine Vertraute

Ferdinand Piëch regelt sein Erbe, und seine Frau Ursula erhält dabei eine Schlüsselrolle. Foto: dpa

Kassel. Ferdinand Piëch (73) regelt sein Erbe, und seine Frau Ursula (54) erhält dabei eine überragende Rolle. Sie soll das Vermächtnis, dass in den zwei Privatstiftungen ruht, bewahren. Solange der Auto-Patriarch lebt, hat nur er das Sagen. Seine Frau behält ihre Schlüsselrolle nur, wenn sich die Piëchs nicht trennen und sie nach seinem Tod nicht wieder heiratet. Ansonsten verliert die einstige Kindergärtnerin alles – ihre Stellung als Stifterin und den Sitz im Stiftungsrat.

Pikant an Piëchs Erbfolge-plan ist nicht nur, dass er seiner Ehefrau Machtbefugnisse einräumt. Sondern auch die Erkenntnis, wem er offenbar nicht vertraut – allen anderen, einschließlich seiner zwölf Kinder. Kennengelernt haben sich die Piëchs 1982 über ein Inserat. Marlene Porsche, mit der Piëch zusammenlebte, suchte für die zwei gemeinsamen und seine fünf Kinder aus erster Ehe eine Gouvernante. Selbstständig sollte sie sein, einen guten Umgang mit Kindern pflegen und mobil sein. Ursula Plasser, damals 25 Jahre alt, Leiterin eines Kindergartens im oberösterreichischen Braunau meldet sich. Weihnachten ist Arbeitsantritt auf der Berghütte der Familie.

Auf dem Weg dorthin die erste Bewährungsprobe unter Piëchs Augen. In seiner „Auto.Biographie“ sagt er: „Das Auto war ein VW-Iltis, schon grundsätzlich gewöhnungsbedürftig. Ich ließ die Probandin an der steilsten Stelle, immerhin 17 Prozent, anhalten und wieder anfahren. Zweimal würgte sie den Motor ab, und ich schmunzelte. Da hatte ich schon so irgendein Gefühl.“ Seine Frau dazu: „Er grinste vor sich hin, und ich dachte nur, so ein blöder Kerl.“

Sie bestand den Allrad- und den Herzenstest – geheiratet wurde 1984. Der notorisch Misstrauische schenkt ihr sein Vertrauen. Damals soll eine ihrer Stieftöchter gesagt haben: „Wie kannst Du nur meinen Vater heiraten, Du bist doch so ein fröhlicher Mensch.“ Ihre gute Laune hat sie sich bewahrt. Ihr wird nachgesagt, dass sie mit ihrer heiteren und offenen Art Packeis breche.

Zuletzt setzte sie ihr Talent beim niedersächsischen Ex-Ministerpräsidenten, Christian Wulff, ein. VW brauchte Niedersachsens Unterstützung im Kampf gegen Porsche. Piëch und Wulff waren sich nicht grün. Sie bat Wulff um eine Widmung auf ihrem Gipsarm und fädelte die Gespräche ein. Fortan marschierten Piëch und Wulff im Porsche-Machtkampf gemeinsam. Ihre gewinnende Art und ihre Menschkenntnis lassen sie wie ein Diplomatin solche Situationen meistern.

Faible für schnelle Autos

Sie ist längst mehr als die Frau an der Seite eines mächtigen Mannes. Ihre Auftritte in der Öffentlichkeit sind bislang selten: eine Patenschaft für Pandabären, ein Vorsitz im Kuratorium der Wolfsburger Modellschule „Neue Schule“, 2001 ein Auftritt beim Gründerwettbewerb Promotion Nordhessen in Kassel, den VW förderte.

Das Paar hat drei gemeinsame Kinder und bewohnte lange einen Bauernhof bei Braunschweig. 2002, als Piëch vom VW-Vorstand in den Aufsichtsrat wechselte, zogen sie nach Salzburg. Ihre Leidenschaft sind Autos. Da hat sie seine Aufgaben geregelt: Er dürfe ihre Strafzettel für zu schnelles Fahren bezahlen.

Von Martina Wewetzer

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