Osnabrücker Werk baut bei insolventer Karmann GmbH das neue Golf Cabrio

VW sichert bis zu 621 Jobs

Er lief und lief und lief – nicht in Wolfsburg, sondern in Osnabrück vom Band: Auch das legendäre Käfer Cabrio war „Made by Karmann“. Foto: dpa

Osnabrück / Baunatal. Für 621 Beschäftigte der einstigen Wilhelm Karmann GmbH, die sich in Insolvenz befindet, könnte das Aus noch ein gutes Ende nehmen. Am Dienstag hat Volkswagen-Insolvenzverwalter Ottmar Herrmann ein Konzept zum Erwerb der Karmann-Metallgruppe vorgelegt.

Demnach will die VW-Tochter Volkswagen Osnabrück GmbH 329 der einst 450 Mitarbeiter der Metallgruppe zum 1. März 2011 übernehmen. Seit Monaten arbeiteten die Mitarbeiter der Metallgruppe, zu dem die Bereiche Werkzeugbau, Anlagenbau und Presswerk gehören, auf Auftragsbasis für den Wolfsburger Konzern. Auch die Verhandlungen über die Technische Entwicklung mit 292 Beschäftigten stehen kurz vor dem Abschluss. Vorbehaltlich der Freigabe durch die EU-Kommission sichert Europas größter Autobauer in der Region Osnabrück damit insgesamt 621 Arbeitsplätze. „Wirtschaftlich tragfähig“, wie es Hubert Waltl, Mitglied des VW-Markenvorstands, formulierte.

Für die Mitarbeiter wurde zudem mit der IG Metall Niedersachsen eine Vereinbarung geschlossen, durch die den ehemaligen Karmann-Mitarbeitern von VW Osnabrück eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2014 zugesichert wird. Bereits im November 2009 hatte der Konzern angekündigt, dass er nach dem niedersächsischen Flächentarif zahlt. Der Tarif ist für den Autobauer günstiger als der VW-Haustarif – wie viel ließ sich gestern nicht beziffern. Bis Ende 2014 sollen die Beschäftigten auch auf Weihnachts- und Urlaubsertrag verzichten. Ab 2015 würde der Flächentarif ohne Abstriche gelten.

Mit dem Wissen im Autobau sichert VW laut Ludger Teeken, Sprecher der Geschäftsführung von VW Osnabrück die Fertigung des neuen Golf Cabrio. Teeken: „Unsere Aktivitäten zum Start der Produktion im Frühjahr 2011 liegen damit im Zeitplan.“

Mit dem Golf-Cabrio knüpft VW an eine Erfolgsgeschichte an. Das vorerst letzte Cabrio lief 2002 vom Band und basierte auf dem Golf IV. Das neue Modell, das bis zu 70 Prozent baugleich mit dem aktuellen Golf VI sein wird, würde sich positiv auf das VW-Werk Kassel in Baunatal auswirken: bei Getrieben, Abgasanlagen sowie Teilen der Karosserie – wie stark lässt sich erst anhand von Stückzahlen sagen.

Das alte Golf Cabrio brachte zwischen 1979 und 2002 auf 20 000 Stück pro Jahr. Als Nachfolger kam 2006 das Eos-Cabrio. Für die Karmann-Dachsparte, in der 330 Mitarbeiter Cabrio-Dächer herstellen, laufe ein zweites Bieterverfahren. Den Zuschlag hatte Autozulieferer Magna erhalten. Der Verkauf scheiterte am Veto des Kartellrechts.

Vor der Insolvenz zählte Karmann insgesamt 4247 Mitarbeiter.

Von Martina Wewetzer

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