Siemens droht hohe Abschreibung auf Medizintechnik

München - Siemens droht nach einem Zeitungsbericht im Schlussquartal des laufenden Geschäftsjahres (Ende September) eine Milliardenabschreibung auf sein Medizintechnikgeschäft.

Es mehrten sich die Anzeichen, dass die Vermögenswerte für die vor mehr als drei Jahren für insgesamt 11 Milliarden Euro eingekauften Labordiagnostik-Unternehmen korrigiert werden müssten, berichtete die “Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Donnerstag) und berief sich auf das Unternehmensumfeld.

Die damals zugrunde gelegten Wachstumsannahmen gingen nicht mehr auf. Siemens wollte sich dazu am Donnerstag nicht äußern. Die Höhe der tatsächlichen Belastung hänge von der Strategie in der Division Diagnostik ab, die vom neu eingesetzten Management unter Führung von Michael Reitermann erarbeitet wird.

Beiläufig hatte Finanzvorstand Joe Kaeser vor kurzem in einer Analystenkonferenz erwähnt, dass es Wertberichtigungen in der Diagnostik geben könnte. Eine Abschreibung von mehr als einer Milliarde Euro ist dem Bericht zufolge nicht ausgeschlossen. Ein Konzernsprecher sagte der Zeitung lediglich, dass nichts entschieden sei und dem neuen Management erst einmal hundert Tage Zeit gegeben werden müssten, bevor Entscheidungen fielen. Demnach wäre frühestens im August mit konkreten Ergebnissen zu rechnen.

Zusammen mit den für das dritte Quartal zu erwartenden Kosten für den auszugliedernden, defizitären IT-Dienstleister SIS dürfte Siemens unter dem Strich einen Rückgang beim Jahresergebnis hinnehmen müssen, obwohl der Konzern im operativen Geschäft einen Rekordgewinn oberhalb der 7,5 Milliarden Euro des Vorjahres anstrebt.

Der 2007 für rund 7 Milliarden Dollar gekaufte US- Diagnostikahersteller Dade Behring habe die Wachstumspläne von Siemens nicht erfüllen können, schreibt das Blatt. Statt des anvisierten Umsatzwachstums von drei Prozent je Jahr seien die Erlöse im vergangenen Jahr nur um zwei Prozent auf 3,5 Milliarden Euro gestiegen. Die Rendite verbesserte sich im ersten Halbjahr 2009/2010 auf 13,7 (7,9) Prozent, liege aber noch unter dem Mindestzielwert von 16 Prozent.

Unklar ist dem Bericht zufolge, wie stark die Wirtschaftskrise einerseits und hausgemachte Probleme andererseits zur Lage beigetragen haben. Die Sparte wurde lange durch amerikanisches Management - weit weg von der Zentrale - gesteuert. Dies habe Hermann Requardt, seit Anfang 2009 Vorstandschef des Sektors, offenbar seit längerem gestört. Der Umbau der Diagnostik ist ein Teil der im Mai angekündigten Neuordnung in der Medizintechnik.

dpa

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