Auch Rivale General Electric hat Interesse

Siemens tastet Alstom ab: Konzern kündigt Übernahme-Angebot an

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Kommt Siemens bei Alstom zum Zug? Der Münchner Konzern hat Interesse an Teilen des französischen Konzerns – und würde dafür seine Zugsparte mit dem ICE an diesen abgeben. Alstom baut den Hochgeschwindigkeitszug TGV (links).

Paris / München. Der Elektrokonzern Siemens hat seinem französischen Rivalen Alstom ein Übernahme-Angebot angekündigt. Voraussetzung sei aber ein vierwöchiger Einblick in die Bücher des Konzerns, um Details klären zu können, teilte der Konzern gestern in München mit.

Alstom ist auch in der Region aktiv: Das Kasseler Werk mit 365 Beschäftigten produziert Hochleistungsschalter für Umspannwerke. Das Wärmetauscher- und Spezialmühlengeschäft, zu dem auch die Schmidt’sche Heißdampf-Gruppe mit 230 Beschäftigten in Kassel gehört, wird hingegen an den deutsch-schwedischen Investor Triton verkauft.

Interesse an Alstom hatte auch der amerikanische Siemens-Konkurrent General Electric (GE) bekundet. Am Vortag hatten die Konzernchefs von Siemens und GE, Joe Kaeser und Jeff Immelt, auch mit dem französischen Präsidenten François Hollande gesprochen.

Einzelheiten zu dem Geschäft nannte Siemens nicht. In den vergangenen Tagen war meist von einem Tausch die Rede. Siemens würde in diesem Fall die Energiesparte von Alstom übernehmen und dafür das eigene Zuggeschäft, wie etwa den Bau von ICE-Zügen und Lokomotiven, an die Franzosen abgeben. Die IG Metall verlangt in diesem Fall Sicherheiten für die 11 500 Beschäftigten der Sparte. Alstom-Mitarbeiter protestierten gegen die Zerschlagungspläne.

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Bei einem Treffen mit dem französischen Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg forderten Gewerkschaftsvertreter eine erneute Teilverstaatlichung ihres Unternehmens. Die Regierung werde alle notwendigen Mittel ergreifen, um die Interessen des Staates zu schützen, kommentierte Montebourg.

Der Minister hatte zuletzt deutlich gemacht, dass er einen Deal mit Siemens vorziehen würde. Dies würde es erlauben, im Zuggeschäft einen „Weltmarktführer made in France“ aufzubauen. Um eine Chancengleichheit der Angebote von Siemens und GE zu gewährleisten, schaltete die französische Regierung am Dienstag die Finanzaufsichtsbehörde AMF ein. Die Alstom-Führung hatte zuvor lange heimlich nur mit GE verhandelt.

Siemens ist mit einem Umsatz von 75,8 Milliarden Euro und einem Überschuss von fünf Mrd. Euro fast vier Mal so groß wie der französische Konzern, der im Geschäftsjahr 2012/13 (31. März) 20,3 Mrd. Euro umsetzte und 818 Millionen Euro Überschuss verbuchte. Doch auch gemeinsam können sie GE nicht überholen. Der US-Riese verdiente 2013 bei einem Umsatz von 146 Mrd. Dollar (105,8 Mrd. Euro) unterm Strich 13,1 Mrd. Dollar. (dpa/wll)

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