Sind die ICEs nur noch sommertauglich?

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Die Bugklappen der ICEs bereiten massive Probleme

München - Auf einem DB-Werbeplakat steht: „Alle reden vom Wetter, wir nicht.“ Doch seit es vor Weihnachten geschneit hat, sorgt eine Pannenmeldung nach der anderen bei den ICE-Zügen für Ärger.

In der Marketingabteilung der Münchner S-Bahn hängt ein DB-Werbeplakat. Aufschrift: „Alle reden vom Wetter, wir nicht.“ Es stammt aus den 70er-Jahren, einer Zeit, als die Bahn noch pünktlich und zuverlässig fuhr. Seit es vor Weihnachten geschneit hat, sorgt eine Pannenmeldung nach der anderen bei den ICE-Zügen für Unmut bei den Reisenden. Der jüngste Fall: Unter anderem weil die Kupplungen nicht funktionieren, werden seit letzten Freitag die etwa alle zwei Stunden verkehrenden, gemeinsamen ICE-Züge von München nach Hamburg und Bremen (die in Hannover geteilt werden) nur noch mit einem statt zwei Zügen geführt. Experten fragen sich: Sind die Hochgeschwindigkeitszüge nur mehr sommertauglich?

Seit der Bremer Zugteil gestrichen ist, werden alle Fahrgäste in die Hamburger Garnitur gequetscht, die entsprechend überfüllt ist. „Ich musste vier Stunden bis Hannover stehen“, klagt der Betroffene Franz M. Ein anderer Fahrgast berichtet: „In Hannover fehlte dann der Ersatzzug nach Bremen. Erst schwitzte ich vier Stunden stehend bis Hannover, dann fror ich 30 Minuten am Bahnsteig, bis ein Intercity nach Bremen fuhr.“

Gestern fielen außerdem zwei Züge ganz aus. Ein Bahnsprecher bestätigte Zugausfälle und Kürzungen. Grund seien unter anderem vereiste Züge und längere Wartungen. Nach Informationen der tz haben die ICE-2-Züge aber vor allem ähnliche Probleme wie die Neigetechnik-ICEs nach Berlin (auch hier werden keine Züge mehr geteilt oder verstärkt) und die Züge der Baureihe 3.

Alle Typen können als Halb- oder Doppelzüge gefahren werden. Mittels einer automatischen Mittelpufferkupplung (s. l.) sollen sie rasch gekuppelt oder getrennt werden. Eis, Schnee und offenbar zu schwache Bugtüren sorgen dafür, dass die Tore nicht mehr auf- und zugehen und die Kupplungen ausfallen.

Dort, wo sich die Tore öffnen, streikt bei Kälte die Mechanik. Die DB bekommt das Problem nicht in den Griff. Bereits seit Jahren fallen Kupplungen bei Schnee und Eis aus. Wie berichtet, waren außerdem im Weihnachtsverkehr zahlreiche Neigetechnik-ICEs der Baureihe 411 ausgefallen. Auch Wasserleitungen zu den Toiletten waren eingefroren und geplatzt.

Im Gegensatz zu alten Intercity-Wagen liegen die Leitungen vor Kälte ungeschützt unten und außen an den Waggons. Andererseits hat Pflugschnee die Elektronik gestört. Manche Eisenbahner nennen die ICEs jetzt „Schönwetterzüge“.

Karl-Heinz Dix

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