Soziologe Matthias Horx

"Slow-Trend" wirkt sich positiv auf Arbeitswelt aus

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Viele Menschen sehnen sich nach einer Entschleunigung in der Arbeitswelt. Der Soziologe Matthias Horx hat bereits einen "Slow-Trend" ausgemacht.

In der Ruhe liegt die Kraft: Der Frankfurter Trendforscher Horx beobachtet die Sehnsucht nach Entschleunigung - zugunsten höherer Lebensqualität.

Der Zukunftsforscher und Soziologe Matthias Horx sieht in der Gesellschaft einen wachsenden Drang nach Entschleunigung.

"Der "Slow-Trend" wird sich in vielen Bereichen durchsetzen. Es gibt ein tiefes Bedürfnis nach Entschleunigung im Sinne höherer Lebensqualität", sagte der Publizist und Leiter des Zukunftsinstituts in Frankfurt. Eine Weiterführung des Slow-Trends sei der Achtsamkeits-Trend, der zu einem der großen kulturellen Leit-Trends der Zukunft avanciere.

Mehr Effizienz geht nicht

Horx erklärte: "Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie Opfer eines Wandels sind, auf den sie keinen Einfluss haben." Achtsamkeits-Management setze genau an diesem Problem an. Das bisher propagierte Arbeitsmodell der Rationalisierungs-Effizienz - möglichst hoher Output und Profit bei gleichbleibenden Ressourcen - sei an Grenzen gelangt. "Achtsamkeits-Management zielt hingegen auf Effektivität im Sinne besserer Motivation und Kooperation zwischen Mitarbeitern, sowie besserer Sinngebung. Jedes Unternehmen muss ja eine Zukunfts-Aufgabe lösen. Wenn die Mitarbeiter diese Zukunft im Herzen spüren, dann wird Arbeit wieder lebendig", sagte Horx.

Arbeit ist identitätsstiftend

Arbeit, erläuterte Horx, diene schließlich nicht nur zum Lebensunterhalt, sondern gebe auch Gestaltungsräume und bestimme die Identität. Neben finanziellen Aspekten sorgten vor allem Anerkennung, Spaß an der Arbeit, Kreativität sowie gemeinsame Ziele und Werte für eine hohe Arbeitsmotivation der Beschäftigten. Organisationen, die ein Achtsamkeits-Management beherzigten, seien kreativer und könnten die Potenziale ihrer Angestellten besser nutzen.

Horx ist sich sicher: "Die Arbeitswelt wird sich weiter aus dem alten Joch der Industriegesellschaft befreien, allen Unkenrufen zum Trotz wird dabei auch viel Positives entstehen." Im Rahmen neuer Umverteilungs- und Lebensqualitätsdebatten sowie neuer Arbeitskulturen im Kontext von Coworking und Teamwork entstehe eine neue Diskussion über "positive Flexibilisierung".

Teilzeit führt nicht zu Produktivitätsverlust

Interessant seien laut Horx auch Fragen wie: "Wie kann man Arbeit auch für Ältere gestalten? Und: Sind 30 Stunden nicht genug in der Woche, wenn man Kinder hat - für beide Geschlechter?" In Skandinavien tendiere die Arbeitszeit für Männer und Frauen Richtung 30 Stunden pro Woche, und erstaunlicherweise habe sich herausgestellt, dass dabei die Produktivität kaum zurückgehe. "Das bedeutet, dass ziemlich viel dessen, was wir Arbeit nennen, eigentlich tote Zeit ist."

dpa/lhe

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