SMA-Aktienkurs auf Talfahrt - eine Analyse

+
Wechselrichter-Produktion in der SMA-Fabrik Niestetal: Unser Foto zeigt (von links) Sven Stöckel, Marcel Günther und Osman Bülbül.

Niestetal. Der anhaltende Niedergang der deutschen Solartechnik-Industrie hat erneut ein prominentes Opfer gefordert. Nach Q-Cells, Solar Millennium und Solon musste in der vergangenen Woche auch der Anlagenbauer Centrotherm aus dem baden-württembergischen Blaubeuren zum Insolvenzgericht gehen.

Davon ist der Wechselrichter-Hersteller SMA aus Niestetal (Kreis Kassel) zwar ganz weit entfernt. Aber die Branchenkrise macht auch vor dem nordhessischen Vorzeige-Unternehmen nicht halt. Der Umsatz sinkt, vor allem aber die Rendite.

Blieben im Boomjahr 2010 von jedem umgesetzten Euro rekordverdächtige 19 Cent als Reingewinn übrig, sank die Marge im vergangenen Jahr auf zehn Prozent, also auf zehn Cent je Euro. In diesem Jahr wird die Rendite aller Voraussicht nach deutlich geringer ausfallen, schlimmstenfalls fällt sie unter fünf Prozent.

Allzeithoch bei 106,70

Die sinkende Marge ist neben der Branchenkrise und der stark gefallenen Einspeisevergütung im Heimatmarkt -dem nach wie vor größten Solarmarkt weltweit - der Grund für den Kursabsturz der SMA-Aktie. Am 27. Juni 2008 startete das im TecDax gelistete Papier beim Börsendebut in Frankfurt bei 47 Euro und legte am ersten Handelstag um 18 Prozent auf 55 Euro zu.

Im Januar 2010 erklomm die Aktie bei 106,70 Euro ihr bisheriges Allzeithoch. Davon ist sie derzeit weit entfernt. Binnen Jahresfrist brach der Kurs von etwa 70 auf nunmehr 22 Euro ein. Vor genau einer Woche markierte er mit exakt 21 Euro den bisherigen Tiefpunkt, und nicht wenige Analysten sehen ihn absehbar bei unter 20 Euro.

Der Börsendienst „Der Aktionär“ spricht von einem Trauerspiel und warnt Anleger davor, ins „fallende Messer“ zu fassen. Die Experten von „godmode Trader“ halten ein Absacken des Werts bis auf 18,20 Euro für möglich und schließen „deutlich tiefere Kurse“ nicht aus.

Dabei ist SMA einer der ganz wenigen deutschen Solartechnik-Hersteller überhaupt, der noch richtig Geld verdient. Die Niestetaler sind mit einem Marktanteil von 33 bis 35 Prozent nach wie vor unangefochtener Weltmarkt- und Technologieführer. Und die Perspektiven sind global gesehen außerordentlich gut für die Solarindustrie. Denn die Nutzung der Sonnenenergie steht in Ländern wie den USA, China, Japan und Indien erst am Anfang. In Südamerika und Afrika hat das Solarzeitalter noch gar nicht begonnen. Und kein anderer Wechselrichter-Produzent ist auch nur annähernd so international aufgestellt wie SMA.

Konkurrenz im Nacken

Gleichwohl: Die Niestetaler haben die Konkurrenz im Nacken. Der US-Hersteller Power One bietet ihnen zunehmend über den Preis Paroli. Siemens, Kaco und Fronius (Österreich) arbeiten an neuen Produkten, der mächtige Bosch-Konzern hat unlängst erklärt, in den Wechelrichtermarkt einsteigen zu wollen, und es ist eine Frage der Zeit, wann Billiganbieter aus Fernost zum Sturm auf die Nordhessen blasen. Die setzen derweil auf Innovation und den Wechselrichter von morgen. Die Niestetaler wissen, dass sie nur dann dauerhaft Erfolg haben, wenn sie Technologieführer und Trendsetter bleiben.

Von José Pinto

Fotos: Das neue SMA-Logistikzentrum

Das neue SMA-Logistikzentrum

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.