SMA-Aufsichtsratschef Günther Cramer: "Wachstum aus eigener Kraft"

Kassel. Der nordhessische Solartechnik-Hersteller lädt am heutigen Dienstag, 22. Mai, zur Hauptversammlung. Wir sprachen mit Aufsichtsratschef Günther Cramer über Ertragsaussichten und Ausschüttungen des Unternehmens sowie über die Förderung der Solarindustrie.

SMA will sich verstärkt auf das Auslandsgeschäft konzentrieren. Reicht das, um am Markt zu bleiben und Gewinne zu sichern?

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Günther Cramer: Wir werden in Deutschland und in Europa kein so starkes Wachstum mehr wie früher sehen. Deshalb ist die Internationalisierung gerade in weitere außereuropäische Märkte von größter Wichtigkeit für SMA. Aber wesentlich ist auch der Ausbau der Technologieführerschaft. SMA investiert hierzu etwa 100 Millionen Euro pro Jahr in Forschung und Entwicklung.

Sind die Zeiten hoher Gewinnmargen vorbei?

Cramer: Es ist davon auszugehen. Trotz der guten Entwicklung 2011 und trotz des sehr positiven ersten Quartals in diesem Jahr geht unser Unternehmen wegen der veränderten Rahmenbedingungen in vielen europäischen Märkten von einer sinkenden Nachfrage aus. Wir bleiben deshalb für das Gesamtjahr 2012 bei der Prognose von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro Umsatz bei einer Ebit-Marge von fünf bis zehn Prozent.

Wird das die Gewinnmarge sein, an die sich die SMA AG gewöhnen muss?

Cramer: Das ist die Größenordnung, auf die wir uns in Zukunft einstellen müssen, und sie liegt damit immer noch über dem Durchschnitt der deutschen Industrie.

Bekommen die Aktionäre in Zukunft weniger Dividende?

Cramer: Wir haben die Dividende immer an den Jahresüberschuss der SMA AG gekoppelt. Und das wird auch so bleiben. Um unsere Zukunftsfähigkeit zu erhalten, ist es aber gerade in der jetzigen Situation des Kapitalmarkts extrem wichtig, dass wir aus eigener Kraft Forschung, Entwicklung, Wachstum und Internationalisierung finanzieren können. Deshalb ist für uns auch eine hohe Eigenkapitalquote wesentlich.

Welche Ausschüttungsquote streben Sie bei der Dividende an?

Cramer: Die Quote wird immer im Bereich zwischen 20 und 40 Prozent bleiben. Wenn die absoluten Erträge sinken dann wird sich das entsprechend an dieser Stelle relativieren.

Umweltminister Norbert Röttgen wurde gefeuert, die Solarförderung hat der Bundesrat in den Vermittlungsausschuss geschickt. Droht nun eine Hängepartie?

Cramer: Wir erwarten keine Hängepartie, aber ich kann auch keine Prognose abgeben, wie sich die Ergebnisse entwickeln werden. Fest steht aber, dass sich eine klare Zweidrittel-Mehrheit im Bundesrat gegen die geplanten Förderkürzungen ausgesprochen hat und diese als überzogen ansieht. Wir als Branche fordern, dass das Gesetz im Vermittlungsausschuss noch einmal deutlich nachgebessert wird.

Was muss korrigiert werden?

Cramer: Vor allem muss die zu starke Absenkung der Vergütungssätze für kleinere gewerbliche Anlagen mit zehn bis 100 Kilowatt Spitzenleistung abgemildert werden, damit dieses wichtige Marktsegment nicht abstirbt. Diese Anlagen sind ein wesentlicher Teil des Marktes in Deutschland und häufig auf kommunalen Dächern sowie gewerblichen und landwirtschaftlichen Gebäuden installiert, Sie sind vor allem für Bürgerbeteiligungs- und kommunale Projekte wichtig.

Außerdem fordern wir keine Begrenzung der vergütungsfähigen Strommengen sowie den Korridor für den jährlichen Zubau an Fotovoltaik nicht zu verringern, sondern zu vergrößern. Denn die Einspeisevergütung für Fotovoltaik ist mittlerweile so reduziert, dass sie keine relevante Auswirkung auf den Strompreis mehr hat. Ein verstärkter Ausbau ist also machbar.

Die EEG-Umlage ist aber gestiegen und Berechnungen gehen von einer weiteren Erhöhung 2013 aus.

Cramer: Wir haben hierzu von Prognos ein Gutachten erstellen lassen. Das Ergebnis: Der Anteil der Fotovoltaik am deutschen Strommix wird bis 2016 zwar um rund 70 Prozent wachsen. Er macht dann sieben Prozent am Strommix aus. Der Strompreis wird aber nur um zwei Prozent steigen. Damit steigt die EEG-Umlage für Fotovoltaik in den nächsten Jahren nur noch um maximal 0,035 Cent pro Gigawatt Fotovoltaik-Zubau.

Der Stromverbraucher zahlt eine EEG-Umlage von 3,59 Cent je Kilowattstunde. Wer treibt sie denn in die Höhe?

Cramer: Ein wesentlicher Treiber ist beispielsweise, dass die Industrie immer mehr von der EEG-Umlage befreit wird. Inzwischen können sich auch viele mittelgroße Unternehmen freistellen lassen. Die EEG-Umlage wird überproportional auf die Haushaltskunden umgelegt. Das ist keine gerechte Verteilung.

Ein hoher Strompreis ist aber ein Standort- und Wettbewerbsnachteil für die Industrie.

Cramer: Aktuell profitiert die energie-intensive Industrie quasi schon doppelt: Zum einen durch der Entlastung bei der EEG-Umlage, zum anderen durch die zunehmende Reduzierung der Strompreise an der Strombörse durch die Fotovoltaik. Dies sollte auch im Rahmen der Diskussion um die Kosten berücksichtigt und entsprechend transparent dargestellt werden.

Ab wann wird die Fotovoltaik ohne Förderung auskommen?

Cramer: Aktuell kostet Solarstrom vom eigenen Dach so viel wie der Strom vom Energieversorger. 2013 ist er bereits auf dem Förderniveau von Offshore-Wind angekommen. Spätestens 2015/2016 werden die ersten Fotovoltaik-Anlagen ohne jede Förderung auskommen.

Zur Person

Günther Cramer (59) ist Aufsichtsratsvorsitzender des Niestetaler Solartechnik-Herstellers SMA Solar Technology. Seit November 2009 führt er außerdem den Branchenverband BSW Solar. Cramer studierte an der Universität Kassel Elektrotechnik. 1981 gründete er mit Peter Drews und Reiner Wettlaufer die heutige SMA, deren Vorstandssprecher er bis 2011 war. Cramer ist verheiratet und Vater eines Sohnes. In seiner Freizeit segelt er gern. SMA beschäftigt 6700 Mitarbeiter und setzte im Vorjahr 1,67 Milliarden Euro um. Der Gewinn nach Steuern belief sich auf 166,1 Millionen Euro.

Von Barbara Will

Foto: Archiv/nh

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