SMA-Chef Urbon: „Vorsprung kann uns keiner nehmen"

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Pierre-Pascal Urbon kam vor sechs Jahren zu SMA.

Der neue SMA-Vorstandssprecher, Pierre-Pascal Urbon sieht den Solartechnik-Hersteller vor allem im Ausland weiter wachsen. Das Marktvolumen sei gewaltig. Angst vor Billigkonkurrenz aus Asien hat er derweil nicht.

Herr Urbon, seit Ende Mai sind Sie Vorstandssprecher der SMA AG. Was wollen Sie anders machen als Ihr langjähriger Vorgänger Günther Cramer?

Pierre-Pascal Urbon: Mit mir wird es eine kontinuierliche Fortentwicklung geben. Ich werde den notwendigen Evolutionsprozess weiter stark vorantreiben. Die Kernthemen, die uns beschäftigen, sind natürlich die Technologie-Entwicklung und die weitere Internationalisierung. Diese Aufgaben werden im gesamten Vorstand im Team diskutierte und hängen nicht an einer Person allein.

Für die Photovoltaik läuft es im Inland derzeit eher schlecht. Einige Auslandsmärkte entwickeln sich sehr gut, andere stehen am Anfang. Wo wird SMA künftig sein Geld verdienen?

Urbon: Das wesentliche Wachstum werden wir künftig im Ausland erzielen. Die Märkte in Amerika und Asien sind von großer Bedeutung für uns. Deswegen haben wir im vergangenen Jahr das Werk in Denver aufgebaut, um den dortigen Markt bedienen zu können. Wir fühlen uns mit der derzeitigen Struktur sehr gut positioniert, um den gesamten Weltmarkt bearbeiten zu können.

Und was ist mit Asien?

Urbon: Asien ist ein wichtiger Wachstumsmarkt, aber im Vergleich zu Europa und Amerika noch sehr klein. Das größte Wachstum erwarten wir in Japan, das nach der Atomkatastrophe von Fukushima die Wende hin zu den erneuerbaren Energien vollziehen will.

Wann also bauen Sie ein Werk in Japan?

Urbon: Das ist nicht geplant. Wir können den japanischen Markt hervorragend von Kassel und Niestetal aus bedienen, zumal das Volumen noch nicht sehr groß ist. Grundsätzlich aber gilt: Wir bauen Produktionen im Ausland nur dann auf, wenn es von den jeweiligen Märkten gefordert wird und wir einen erheblichen Wettbewerbsvorteil dadurch erzielen können.

Kostet die Internationalisierung Jobs in der Region?

Urbon: Nein, ganz im Gegenteil. Wir werden hier in verstärktem Maße Mitarbeiter zur Steuerung und Führung der Märkte im Ausland brauchen. Insofern werden hier neue Stellen geschaffen. Das gilt aber auch für Vertrieb und Service in den Auslandsmärkten, wo wir unsere Präsenz weiter verstärken werden.

Sie investieren in diesem und im nächsten Jahr 400 Mio. Euro vor allem in ein Service-Zentrum und neue Fabriken am Sandershäuser Berg in Niestetal. Wie viele neue Jobs werden dort entstehen?

Urbon: Zunächst entsteht dort das weltweit größte Servicezentrum für Solarwechselrichter. Im nächsten Bauabschnitt werden wir neue Produktionshallen und Bürogebäude für unsere Bahntechnik bauen, die noch in Kassel sitzt. Das heißt, dass absehbar mehr als 1000 Menschen am Sandershäuser Berg arbeiten werden. Die restlichen Flächen sind Reserveflächen zum Aufbau weiterer Produktionskapazitäten für Wechselrichter, wenn der Markt dies erfordert. Wie viele Mitarbeiter in der Endausbaustufe dort beschäftigt sein werden, kann ich derzeit noch nicht sagen.

Wie den Solarmodul-Herstellern könnte auch SMA bald Billigkonkurrenz aus Fernost das Leben schwer machen. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Urbon: Die Markteintrittsbarrieren bei Wechselrichtern sind enorm. Man muss die Technologie, also die passenden technischen Lösungen für alle Anwendungen, und den Zugang zu den Märkten haben. Und erfolgreiche Unternehmen müssen einen schnellen und kompetenten Service bieten. Das sind Hürden, die nicht jeder nehmen kann.

Wir haben einen Weltmarktanteil von 40 Prozent. Die nächsten 40 Prozent teilen sich fünf Wettbewerber, unter denen keiner aus Asien kommt. Wir nehmen den asiatischen Wettbewerb sehr ernst, aber wir sehen derzeit keine unmittelbare Bedrohung. Service wird immer wichtiger, und da haben wir mit unserer internationalen Aufstellung und der größten installierten Leistung einen großen Wettbewerbsvorteil. Diesen Erfahrungsvorsprung kann uns keiner nehmen. Wo steht SMA in 10 Jahren?

Urbon: Das ist eine sehr spannende Frage. Aber man kann sagen: Die nicht kalkulierbaren Atomkraftwerke werden abgeschaltet und die Energie-Erzeugung wird dezentral organisiert sein. Dies stellt hohe Anforderungen an das Energie-Management und somit an die Wechselrichter.

Vor diesem Hintergrund wird sich SMA zu einem Energie-Management-Unternehmen entwickeln. Dafür sind wir mit unseren Mitarbeitern hervorragend aufgestellt. Und wir werden natürlich ein globales Unternehmen sein. Das ist eine Riesenchance für uns. (jop)

Zur Person:

Pierre-Pascal Urbon kam vor sechs Jahren zu SMA. Seit 2006 sitzt der 40-jährige Betriebswirt im Vorstand des Unternehmens, seit 2009 leitet er das Finanzressort. Urbon, der in Bielefeld geboren wurde, hat die Internationalisierung von SMA stark vorangetrieben. Unter seiner Verantwortung stieg der Exportanteil von 20 auf derzeit mehr als 50 Prozent. Vor dem Wechsel zu SMA war Urbon beim Frankfurter Beratungsunternehmen Drueker & Co tätig, für den er den Verkauf von Teilen des einstigen IWKA-Konzerns (heute Kuka, Augsburg) und den Börsengang des hannoverschen IT- und Hardware-Spezialisten Höft & Wessel abwickelte. Der verheiratete Vater zweier Kinder entspannt vor allem beim Golfen. (jop)

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