Interview: SMA-Chef Urbon will 2013 auf Wachstumspfad zurückkehren

SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon

Niestetal/Kassel. Der Solartechnik-Hersteller SMA in Niestetal (Kreis Kassel) hat im vergangenen Jahr unterm Strich 166,1 Millionen Euro verdient. Das ist das zweithöchste Ergebnis in der Geschichte des Unternehmens. Wir sprachen mit SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon über das Ergebnis.

Herr Urbon, sind die Jobs bei SMA sicher?

Urbon: SMA kann sich von der weltweiten Marktentwicklung nicht abkoppeln. Wir sind unseren Mitarbeitern sehr verpflichtet und haben in den vergangenen Jahren ein super Team aufgebaut. Diese Strukturen werden wir daher nicht in Frage stellen, nur weil sich in einem Markt die Rahmenbedingungen verändert haben. Nach heutiger Einschätzung haben wir keinen größeren Anpassungsbedarf, aber wir müssen natürlich schauen, dass wir in der Produktion flexibel bleiben, um die hohen Nachfrageschwankungen im Solarmarkt abzufedern. Dazu haben wir unterschiedliche Instrumente: Gleitzeit, befristete Arbeitsverträge und für kurzfristige Schwankungen der Nachfrage auch die Zeitarbeit. Wir nutzen Zeitarbeit als reines Flexibilisierungsinstrument - die Zeitarbeitnehmer erhalten den gleichen Stundenlohn wie fest angestellte Mitarbeiter.

Aber einen Abbau zumindest bei den Zeitarbeitern können sie nicht ausschließen?

Urbon: Nein, das kann ich nicht. Das hängt davon ab, wie sich die Märkte mittelfristig entwickeln.

Wie sieht ihre mittelfristige Strategie denn aus?

Urbon: Ich gehe davon aus, dass wir 2013 wieder zu einem Umsatzwachstum zurückkehren. Das müssen wir in der Personalplanung natürlich berücksichtigen. Und das tun wir. Im vergangenen Jahr erzielte SMA 50 Prozent des Umsatzes im Ausland. In diesem Jahr planen wir einen Exportanteil von 80 Prozent. Davon profitiert auch der Standort Nordhessen. Wir werden unser Entwicklungsbudget in diesem Jahr weiter auf über 100 Millionen Euro erhöhen. Das ist soviel, wie der eine oder andere Wettbewerber an Umsatz macht. Kassel und Niestetal sind der Hauptsitz des Unternehmens, und das wird auch so bleiben. Vor der Zukunft ist uns nicht bange.

Was macht sie so zuversichtlich?

Urbon: Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Technologie-Entwicklung, und SMA ist der Technologieführer. Wir haben Konzepte entwickelt, um den starken Ausbau der Photovoltaik zu ermöglichen. Hierzu zählen insbesondere technische Ansätze für das Energiemanagement. Damit und mit unserer internationalen Aufstellung setzen wir uns deutlich vom Wettbewerb ab.

Wenn sie 80 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielen wollen, warum produzieren sie überwiegend hier?

Urbon: Die Produktion für den europäischen und asiatischen Markt erfolgt in Niestetal und Kassel, weil wir allein schon aus Kostengründen gar nicht so viele Fertigungsstandorte anstreben. Aber wir werden unsere Auslandsaktivitäten weiter ausbauen, zum Beispiel durch neue Niederlassungen in Chile und Südafrika. Davon profitiert auch Nordhessen, denn die Wechselrichter werden hier gefertigt, und die Entwicklung wird weiterhin hier am Standort angesiedelt. Aber der personelle Ausbau wird natürlich in stärkerem Maße im Ausland stattfinden.

Planen sie nach den USA und Kanada weitere Auslandsfertigungen?

Urbon: Unsere aktuellen Produktionskapazitäten reichen vorerst völlig aus. Für die Nachfrage in diesem Jahr sehen wir uns hervorragend positioniert. Insofern ist der Aufbau weiterer Produktionskapazitäten derzeit nicht geplant. Aber wenn ein bestimmter Markt fordert, dass wegen der lokalen Wertschöpfung vor Ort produziert werden muss, werden wir dort eine Produktion aufbauen. Das haben wir immer gesagt. Unsere Strategie ist es aber, die Wechselrichter entsprechend nur für den lokalen Markt zu produzieren.

Aber ist es sinnvoll, wenn etwa ein Markt wie Indien anspringt, die Wechselrichter hier zu bauen und auf eine lange Schiffsreise zu schicken?

Urbon: Ich denke schon, dass das sinnvoll sein kann. Die Nachfrage kann man auch durch Zwischenlagerung vor Ort sehr schnell bedienen. Aber wenn die Regierung lokale Wertschöpfung zur Bedingung macht, müssten wir vor Ort produzieren, um im jeweiligen Markt erfolgreich zu sein.

Welche politischen Rahmenbedingungen brauchen Sie. Was fordern Sie von der Politik?

Urbon: Zum einen wünschen wir uns, dass die politischen Rahmenbedingungen verlässlich sind und nicht in jedem Quartal neue Förderanpassungen beschlossen werden. Das ist Gift für uns und die gesamte Wirtschaft. Neben einer zubauabhängigen Absenkung der Einspeisevergütung brauchen wir ein Förderprogramm für Speichertechnologien, mit denen überschüssiger Solarstrom etwa für die Nacht oder sonnenarme Tage gespeichert werden kann. Das ist für die Energiewende von großer Bedeutung.

Sie haben einen Teil der Expansionspläne in der Region eingefroren. Denken Sie, dass die einst geplante Megafabrik am Sandershäuser Berg überhaupt noch gebaut wird?

Urbon: Wir beginnen in diesem Jahr mit dem Neubau eines weiteren Bürogebäudes, so dass wir nach Abschluss dieser Arbeiten dort 1000 Mitarbeiter beschäftigen werden. Die verbleibende Fläche nutzen wir als Erweiterungsfläche, für den Fall, dass die Märkte anziehen. Momentan gibt es keinen Bedarf für weitere Produktionskapazitäten, aber wir sind froh, dass wir diese Optionsfläche haben.

Wo sehen Sie SMA mittel- und langfristig?

Urbon: Wir sind hervorragend im Solarmarkt positioniert, weil wir innovative Wechselrichterlösungen für alle Märkte und alle Teilsegmente, also kleine, mittlere und große Anlagen, anbieten. Unsere breite und vor allem internationale Aufstellung ist goldrichtig und ein echter Wettbewerbsvorteil. Künftig werden wir unser Augenmerk zudem stärker auf das Energiemanagement legen, um zum einen den Eigenverbrauch der Haushalte zu erhöhen und zum anderen die Netze zu entlasten. Hier haben wir eine ganze Reihe an neuen Produktlösungen entwickelt, die wir in diesem Jahr auf vorstellen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.