Solartechnik-Hersteller SMA: Höhe des Jobabbaus überrascht

Niestetal. Der Solartechnik-Hersteller SMA Solar Technology AG in Niestetal ist in der Wirklichkeit angekommen. Seit Jahren eilte das Unternehmen von Rekord zu Rekord bei Umsatz, Gewinn und Mitarbeitern. Nun muss der Konzern die Produktion an den Markt anpassen – und der ist rückläufig.

Lag im Juni die neu installierte Leistung bei 2109 Megawatt (MW) – das entspricht etwa zwei Atomkraftwerken – sackte sie bis September auf 439 MW ab. Der Oktober und der November dürften noch schlechter ausfallen. Die Bundesnetzagentur hat die Daten noch nicht ausgewertet. Ob es wie 2009 eine Jahresendrallye aufgrund der sinkenden Einspeisevergütung gibt, ist offen.

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Das Ausland kann den Rückgang im Schlüsselmarkt Deutschland nicht auffangen. So wurden in Kalifornien von Januar bis August insgesamt 125 MW installiert, China rechnet mit 600 MW, und in Italien waren es von Januar bis Juli 280 MW. Es sollen aber 661 MW sein, da noch nicht alle Anlagen am Netz seien, so ein Branchenkenner.

Welchen Anteil die SMA AG, die Wechselrichter produziert, daran hat, lässt sich nur schätzen. Zumal das Unternehmen bislang keine genauen Angaben zum Rückgang gemacht hat, sondern nur darauf verweist, dass die Prognosen für Umsatz und Marktanteil gehalten werden. Wechselrichter wandeln den in Solarzellen gewonnenen Gleich- in Wechselstrom um.

Im Sommer lag der Marktanteil von SMA bei 42 Prozent. Doch in einem Markt, der wächst, schläft die Konkurrenz nicht. Fronius, Kaco New Energy, Siemens – sie alle produzieren Wechselrichter. Sie alle knapsen am SMA-Kuchen. Von all dem kann SMA sich nicht abkoppeln. „Doch der Umfang des Stellenabbaus hat uns überrascht“, sagte Ullrich Meßmer, in seiner Funktion als Erster Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen. Messmer, der im SMA-Aufsichtsrat sitzt, merkte an, dass durch „die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke, sich die Bundesregierung dafür entschieden hat, das Beschäftigungsumfeld von innovativen Firmen wie SMA unsicherer zu machen“.

In der Tat scheint der Wind für erneuerbare Energien zu drehen. SMA-Vorstand Günter Cramer sagte in einem Interview, dass die Ökoumlage 2011 auf „maximal vier Cent pro Kilowattstunde wachse“, Aktuell sind es zwei Cent. Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur warnte vor zu viel Solarstrom. Und das „Handelsblatt“ titelte: „ThyssenKrupp, Norsk Hydro, SGL Carbon: Energieintensive Firmen kehren Deutschland den Rücken.“

SMA hielt sich gestern bis Redaktionsschluss bedeckt: Weder äußerte sich der Konzern, warum es die Zeitarbeiter so spät erfahren haben, warum bis zuletzt noch eingestellt wurde, ob die Stammbelegschaft von Kürzungen betroffen ist oder um wie viel Prozent die Nachfrage gesunken ist.

Von Martina Wewetzer und José Pinto

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