SMA schwach ins neue Jahr gestartet

Niestetal/Kassel. Der Solartechnik-Hersteller SMA in Niestetal (Kreis Kassel) ist mit einem massiven, aber erwarteten Umsatz- und Gewinneinbruch ins neue Jahr gestartet.

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Feueralarm beim Niestetaler Solartechnikhersteller SMA

Der Umsatz sank um fast 25 Prozent auf 255,9 Millionen Euro, der Reingewinn stürzte von 66,6 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf 10,6 Mio. ab. Dem Aktienkurs tat dies aber keinen Abbruch. Er legte bis zum Nachmittag um 6,5 Prozent auf 80,30 Euro zu. Börsianer und Analysten hatten ein wesentlich schlechteres Ergebnis erwartet.

Gründe für die aktuelle Entwicklung sind die Kürzung der deutschen Einspeisevergütung für Solarstrom Anfang des Jahres, die abwartende Haltung der Kunden, die auf weiter fallende Modulpreise spekulieren, sowie Förderkürzungen in wichtigen europäischen Ländern. Die bislang starke Abhängigkeit vom deutschen Solartechnikmarkt, dem größten weltweit, hat deutlich abgenommen. Die Exportquote verdoppelte sich auf 66,4 Prozent.

Nach einer leichten Nachfragebelebung zu Beginn des laufenden zweiten Quartals hält SMA an seiner bisherigen Jahresprognose von 1,5 bis 1,9 Milliarden Euro Umsatz und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 315 bis 475 Mio. Euro fest. SMA beschäftigt rund 5800 Mitarbeiter, davon 5300 in Niestetal und Kassel. 580 von ihnen arbeiten kurz. (jop)

Komfortable Lage für SMA

Wenig Wechselrichter-Konkurrenz in Europa - bislang keine Billiganbieter aus Fernost

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Es hätte schlimmer kommen können für SMA: Zwar hat der Solartechnik-Produzent aus Niestetal (Kreis Kassel) im branchenweit traditionell schwachen ersten Quartal einen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten. Aber der Technologie- und Weltmarktführer bei Wechselrichtern macht immerhin noch Gewinn. Das können die bis vor kurzem noch erfolgsverwöhnten Solarzellen- und Modul-Hersteller nicht gerade von sich behaupten. Im Gegenteil: Viele der einstigen Renditeperlen schreiben tiefrote Zahlen.

Denn Billigkonkurrenz aus China flutet mit Hilfe staatlicher Subventionen und eines künstlich niedrig gehaltenen Wechselkurses seit Jahren die Weltmärkte mit immer besseren Modulen - zum Leidwesen deutscher Hersteller, die preislich nicht mithaltemn können Half die Solarförderung zunächst beim Aufbau eines neuen Industriezweigs in Deutschland, kommt sie immer mehr ausländischen Modulproduzenten zugute.

Nur noch 20 Prozent der in Deutschland verbauten Module stammen aus inländischer Fertigung - Tendenz fallend. Erschwerend hinzu kommt, dass nach der massiven Kürzung der Einspeisevergütung in Deutschland Länder wie Frankreich, Spanien, Großbritannien und Tschechien den Zubau gedeckelt haben und Italien darüber nachdenkt. Darauf reagieren die Billiganbieter aus Fernost mit weiteren Preissenkungen, was den Druck auf die heimischen Produzenten noch erhöht.

Q-Cells etwa verlor im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast die Hälfte des Umsatzes und machte 41 Mio. Euro Verlust. Conergy erlitt in den ersten drei Monaten ein Minus von 20,7 Mio Euro, Solon verlor 21 Mio. und Sunways immerhin 2,7 Mio. Euro. Einzig die Solarworld AG schaffte im ersten Quartal ein Plus. Deren Chef Frank Asbeck sagte unlängst: „Wir sind in einem Stadium angekommen, an dem wir keinen Zaubereffekt mehr sehen.“ Und sein Kollege von Q-Cells, Nedim Cen, sieht den Konsolidierungsdruck in der deutschen Solarbranche wachsen.

SMA hat diese Probleme nicht. Zwar leiden auch die Niestetaler unter der sinkenden Nachfrage infolge der Förderkürzungen, aber sie müssen sich nicht mit Billigkonkurrenz herumschlagen. Hinzu kommt, dass es neben SMA keinen anderen großen Hersteller von Wechselrichtern mit einer vergleichbaren globalen Marktpräsenz gibt. Während SMA einen Weltmarktanteil von mehr als 40 Prozent für sich reklamiert, rangieren die nächst größeren Anbieter Fronius, Kaco und Siemens im einstelligen Prozentbereich.

Danach folgen etwa 100 kleine Wettbewerber. Diese bislang sehr komfortable Situation zu bewahren, könnte für SMA schwierig werden. Denn in Fernost gibt es Ansätze für brauchbare Billig-Wechselrichter. Wenn die erst auf den Markt kommen, muss SMA mit den Preisen runter. Dabei helfen soll auch die geplante neue Mega-Fabrik in Niestetal. Mit ihr sollen die Herstellungskosten erheblich reduziert werden.

Von José Pinto

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