Multichart versorgt Banken mit Börsendaten und ihre Kunden mit Nachrichten

Die SMS-Millionäre

Erwartet weiter gute Geschäfte mit SMS: Multichart-Geschäftsführer Stefan Pietsch. Foto: nh

Kassel. Manche Berufswege entscheiden sich früh. „Ich beschäftige mich mit Programmieren, seit ich 14 bin“, sagt Stefan Pietsch. Seinen heutigen Arbeitsplatz lernte er bereits während seiner Ausbildung im IT-Fach kennen: Nebenbei arbeitete er bei der Multichart Solutions GmbH, die im kommenden Jahr 25 Jahre alt wird. Heute gehört das Kasseler Unternehmen mit fünf Beschäftigten fast vollständig dem 39-Jährigen und seiner Familie.

Die Kasseler um Firmengründer Thomas Brandenburger, waren Pioniere. Als erste hatten sie ein Programm entwickelt, das Börsenkurse aufzeichnen und darstellen konnte. 1986 ging das bundesweit tätige Unternehmen an den Start. Per Modem schickte es die Börsendaten an die Banken, und diese zahlten Lizenzgebühren für die Programme  – während der Goldgräberstimmung an den Börsen 1999 und 2000 verbuchten die Kasseler die höchsten Umsätze ihrer Geschichte. 25 Mitarbeiter schafften in der Spitze einen Umsatz von 3,3 Millionen Mark (1,7 Mio.) Euro.

Doch dann ging es an den Börsen abwärts, gleichzeitig bekam Multichart Konkurrenz von anderen Anbietern. „Wenn wir uns nicht rechtzeitig ein zweites Standbein aufgebaut hätten, hätten wir 2002 wohl nicht überlebt“, sagt Pietsch.

Zweites Standbein

Schon einige Jahre zuvor war das junge Unternehmen in das SMS-Geschäft eingestiegen. Heute bringen die Kurzmitteilungen den größten Teil des Umsatzes ein. Am häufigsten machen dabei Zahlen die Runde. Mehrere Geldhäuser, darunter Sparda-Banken und Sparkassen, schicken ihren Kunden mit Hilfe von Multichart Kontostandsanzeigen und TAN-Nummern aufs Mobiltelefon. Die sechsstelligen Zahlen sind der Schlüssel zu Online-Bankgeschäften. Aufs Handy wird die Mobil-TAN aktuell gesendet, wenn sie gebraucht wird – ein Verfahren, das sicherer ist als der Nummernvorrat auf Papier. Deshalb versprechen die mobilen Nummern gute Wachstumsaussichten.

„Wir sind noch immer sehr bankenlastig“, sagt Pietsch. Mehr als eine Million SMS schickt Multichart pro Monat für die Geldhäuser. Doch bei keinem sind die Kasseler exklusiv im Geschäft – falls ein Anbieter ausfällt, kann so ein anderer einspringen.

Knapp 100 Kunden versorgt Multichart mit Börsenkursinformationen oder bringt für sie Kurzmitteilungen auf den Weg. In drei Rechenzentren haben sich die Kasseler eingemietet. Geboten wird eine Dienstleistungspalette, die von der Schulung bis zur Abrechnung den Kunden die Arbeit abnimmt.

Das SMS-Geschäft bietet für Multichart auch Entwicklungsmöglichkeiten abseits der Banken. So nutzen etwa Veranstalter den Service, um für Aufführungen zu werben.

Der Umsatz der Multichart Solution GmbH werde 2010 um knapp sechs Prozent auf 720 000 Euro steigen, schätzt Pietsch. Er erwartet einen Gewinn von knapp 100 000 Euro. In den kommenden Jahren soll das Geschäft weiter wachsen. Nach SMS-Zahl gerechnet sind die Kasseler schon Millionäre.

Von Barbara Will

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