Solarkürzung steht: Ministerium und Branche einigen sich auf geringere Förderung  

Kassel. Es ist schon ungewöhnlich: Die nächste Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom wird um ein halbes Jahr auf 1. Juli vorgezogen und könnte bis zu 15 Prozent betragen, und die Branche begrüßt den Schritt trotzdem.

Schließlich hätte es schlimmer kommen können. Denn statt des zwischen Umweltminister Norbert Röttgen und dem Branchenverband BSW Solar ausgehandelten Kompromisses hätte es auch zu einer Deckelung für neue Anlagen kommen können. Die mögliche Folge: ein Zusammenbruch des Marktes.

Günter Cramer

Heute wollen Röttgen und BSW-Solar-Präsident Günther Cramer den Kompromiss in Berlin vorstellen. Cramer, der zugleich Vorstandssprecher des Solartechnik-Herstellers SMA in Niestetal (Kreis Kassel) ist, wollte unter Hinweis auf seine Verschwiegenheitspflicht keine Einzelheiten nennen. Nur soviel: „Die Senkung wird zubauabhängig“.

Das heißt: Je mehr neu installiert wird, desto höher fällt die Kürzung aus. Ab 3500 Megawatt (MW) neu installierter Leistung übers gesamte Jahr - das entspricht drei Atomkraftwerken - soll die Förderung nach Angaben aus Koalitionskreisen um drei, ab 4500 MW um sechs, ab 5500 MW um neun, ab 6500 MW um zwölf und ab 7500 MW um 15 Prozent zurückgefahren werden. Dabei wird die im März, April und Mai installierte Leistung zugrundegelegt und aufs Jahr hochgerechnet.

In der höchsten Kürzungsstufe würde die Einspeisevergütung demnach von derzeit 28,74 auf bis zu 24,43 Cent je Kilowattstunde (kWh) sinken. Die neunprozentige Förderkürzung zum 1. Januar 2012 kommt auf jeden Fall.

Hintergrund der Kürzung ist der ungezügelte Zubau vor allem 2010, als neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 7000 bis 8000 Megawatt ans Netz gingen. Den Strom müssen die Versorger zu festen Preisen abnehmen. Dadurch stieg die Umlage, die alle Verbraucher über den Strompreis für erneuerbaren Energien zahlen müssen, von 2,44 auf 4,2 Cent je kWh. Dagegen waren nicht nur Versorger, sondern vor allem auch Verbraucherschützer Sturm gelaufen. Schließlich belasten die erneuerbaren Energien einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt derzeit mit 147 Euro im Jahr. Die Akzeptanz für Öko-Energie stand und steht auf dem Spiel. Die Branche musste einlenken.

13,5 Milliarden Euro kostet die Erneuerbaren-Umlage die deutschen Stromverbraucher in diesem Jahr. Davon entfallen mit 40 Prozent etwa 5,4 Mrd. auf die Solarenergie, die aber nur neun Prozent des Ökostroms liefert.

Einige Solaraktien machten am Mittwoch einen Kurssprung. SMA-Titel legten um 6,01 Prozent auf 73 Euro zu. Damit gewann das Papier seit Wochenbeginn 13 Prozent oder 8,42 Euro an Wert.

Von José Pinto

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