Energie-Experten erwarten drastische Preiserhöhung durch die Ökostrom-Subvention

Solarstrom treibt Kosten

Kassel. Die Solarstromförderung in Deutschland kommt die deutschen Verbraucher immer teurer zu stehen. Der Energieversorger Vattenfall, Verbraucherverbände und das an entsprechenden Ökostrom-Prognosen beteiligte Leipziger Institut für Energie erwarten, dass die Zusatzbelastungen der Subvention 2011 von derzeit 2,047 Cent je Kilowattstunde (kWh) auf etwa vier Cent steigt. Bei einem durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh hieße dies Mehrkosten von 70 Euro.

Bereits in diesem Jahr gehen die Strompreissteigerungen ganz überwiegend auf das Konto der Umlage im Rahmen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG), die alle Verbraucher zahlen müssen. Im vergangenen Jahr lag sie noch bei 1,2 Cent je kWh.

10,7 Milliarden Euro zahlten Versorger und Netzbetreiber 2009 als Einspeisevergütung an die Erzeuger von Ökostrom, also an Betreiber von Solar-, Windkraft- und Biogasanlagen sowie Wasserkraftwerken. In diesem Jahr erwartet die Branche Zahlungen von 12,7 Mrd. Euro, von denen nur 4,5 Mrd. durch den Verkauf des Öko-Stroms wieder hereinkommen. Demnach legt die Energiewirtschaft die Differenz von 8,2 Mrd. Euro auf den Strompreis um.

Und 2011 dürften diese Kosten massiv steigen, weil trotz der geplanten Absenkung der Solarstromförderung zum 1. Juli um 16 Prozent auf dann 32,88 Cent je kWh die Neuinstallation abermals kräftig zulegen soll. 5000 bis 6000 Megawatt (MW) zusätzliche Leistung soll auf Deutschlands Dächer und Freiflächen kommen. Das entspricht fünf bis sechs konventionellen Großkraftwerken. Zum Vergleich: 2009 wurden 3450 MW installiert, im Jahr davor 1650.

„Die Solarenergie ist derzeit der Kostentreiber bei der EEG-Umlage“, sagt Bernd Schüßler von Europas größter Solarfachzeitschrift Photon. Er ist sicher, dass sehr bald eine starke öffentliche Debatte über die Höhe der Einspeisevergütung einsetzt. „Die Zeche zahlen alle Stromkunden: Arbeitslose, Rentner, kinderreiche Familien“, gibt er zu bedenken.

Der Energie-Fachmann des Bundesverbandes Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, fordert seit Monaten eine drastische Absenkung der Solarstromförderung. Die jetzigen Pläne reichten nicht. Die aktuellen Belastungen für die Verbraucher seien untragbar.

Und die sind langfristig angelegt, weil die Solarstromförderung für 20 Jahre garantiert wird. Allein die 2009 neu installierte Leistung kostet die Verbraucher bis 2029 insgesamt gut zehn Mrd. Euro.

Von José Pinto

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