Wer soll das Unternehmen fortführen?

Zum Autor: Wilfried Mosebach ist Rechtsanwalt, Notar und Fachanwalt für Arbeitsrecht in Kassel. (Foto: nh)

Unternehmer sollten ihre Rechtsnachfolge entweder zu Lebzeiten regeln oder aber zumindest ein Testament errichten beziehungsweise einen Erbvertrag schließen. Ohne wirksame eigene Regelung kommt es zur gesetzlichen Erbfolge – und das ist in vielen Fällen die denkbar schlechteste Lösung. Es drohen erhebliche steuerliche Nachteile, wenn die Unternehmensnachfolge nicht mit den gesellschaftsrechtlichen und familienrechtlichen Gegebenheiten abgestimmt ist. So kann eine vereinbarte Gütertrennung steuerlich zu einem bösen Erwachen führen. Gütertrennung kann zwar sinnvoll sein, solange das Unternehmen betrieben wird. Im Erbfall kann jedoch unnötig hohe Erbschaftssteuer entstehen.

Reserven nicht gefährden

Aber auch zu Lebzeiten des Unternehmers finden sich oft bessere Gestaltungen als die Gütertrennung. Die goldene Lösung für alle Stadien des Unternehmerlebens gibt es nicht. Vielmehr sollten Unternehmer sowohl privat als auch beruflich in regelmäßigen Abständen prüfen, ob die geltende Rechtslage noch interessengerecht ist. Sind Gesellschafts- und Erbrecht nicht aufeinander abgestimmt, droht beim Tod des Unternehmers die Aufdeckung stiller Reserven. Die dadurch entstehende Steuerlast übersteigt oft die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Daher kann die gesetzliche Erbfolge sehr leicht zu einer Zerschlagung des Unternehmens führen.

Zudem erwerben nach dem Gesetz mehrere Erben den Nachlass gemeinschaftlich. Die Erbengemeinschaft ist jedoch denkbar ungeeignet zur Führung eines Unternehmens. Zudem sind selten alle Miterben zur Fortführung des Unternehmens bereit und geeignet.

Unternehmer sollten daher möglichst noch zu Lebzeiten regeln, wer das Unternehmen fortführen soll. Erben, die dabei nicht zum Zuge kommen, können dafür einen Ausgleich erhalten. Dieser sollte jedoch dem Unternehmen nicht die Liquiditätsdecke entziehen, sondern weiterhin notwendige Investitionen ermöglichen.

Sorgt der Unternehmer schon zu Lebzeiten vor, so kann er noch selbst überprüfen, ob sein Wille vom Nachfolger tatsächlich ausgeführt wird. Zudem kann verhindert werden, dass Rechtsstreitigkeiten die Zeit nach dem Todesfall belasten oder den Betrieb gefährden.

Erbschaftssteuer sparen

Bei großen Vermögen kann die rechtzeitige Vorsorge Erbschaftssteuer sparen, indem Freibeträge im Abstand von zehn Jahren mehrfach ausgenutzt werden. Welche Vermögensbestandteile zu Lebzeiten an wen übertragen werden sollten, hängt vom Einzelfall ab. Ob Immobilien, Wertpapiere und Aktien oder Vermögen im Ausland vorhanden sind, ist ebenso zu erwägen wie die Bedürfnisse von Familienmitgliedern, von Geschäftspartnern oder des Unternehmens. Von rechtlichen Laien verfasste Testamente erweisen sich jedoch nicht selten formell oder inhaltlich als unwirksam. NH L

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