Weltneuheit: Neues System aus Nordhessen sagt Solarstrommenge vorher

Sonne wird berechenbar

Thomas Landgraf

niestetal. Die Solarenergie wird berechenbarer. Der Kasseler Software- und IT-Dienstleister Micromata und der Oldenburger Prognose-Spezialist Energy & Meteo Systems haben am Mittwoch in Niestetal (Kreis Kassel) das erste und bislang einzigartige Vorhersage-System im Bereich der Solarenergie vorgestellt. Es heißt Suncast (Sonnenvorhersage), zeigt alle 15 Minuten, wie viel Strom Solaranlagen gerade ins Netz einspeisen und prognostiziert die Sonnenstrom-Menge der nächsten drei bis vier Tage.

Grundlage für die komplizierten Berechnungen sind bundesweit 24 000 Fotovoltaik-Anlagen mit Wechselrichtern des Solartechnik-Herstellers SMA in Niestetal, die mit Wissen der Betreiber online angesteuert werden können. Diese Anlagen stehen für 13 Prozent der Solarstromerzeugung in Deutschland. Deren Daten rechnet das neue System auf alle Fotovoltaik-Anlagen hoch und verknüpft sie mit den Daten deutscher und europäischer Wetterdienste.

Das Rechenverfahren, das seit mehr als zehn Jahren erfolgreich in der Windenergie angewendet wird, stammt vom Fraunhofer-Institut Iwes (früher Iset) in Kassel, das auf diesem Gebiet weltweit führend ist.

„Solch ein System für die Solarenergie gibt es derzeit nicht. Netz- und Kraftwerksbetreiber, wissen nicht, wie viel Strom die Fotovoltaik gerade liefert und wie viel in den nächsten Stunden und Tagen zu erwarten ist“, erklärt der Geschäftsführer der Micromata GmbH, Thomas Landgraf.

Das führt dazu, dass Kraftwerke auch dann voll laufen, wenn die Sonne besonders viel Strom produziert. Das ist nicht nur teuer, sondern verstopft angesichts des sprunghaften Zubaus bei Solaranlagen auch häufig die Leitungen, was zu Netzstörungen und sogar -ausfällen führen kann.

Das soll sich nun ändern. Netz- und Kraftwerksbetreiber, Stromhändler- und -käufer können laut Hersteller mit dem neuen System viel besser planen. Dabei ist Suncast nicht nur für große Versorger, sondern auch für die zahlreichen Stadtwerke interessant. Denn das Vorhersagesystem liefert auch regionale Prognosen nach Postleitzahlen, ja sogar bis hinunter auf ein Gebiet im Drei-Kilometer-Radius. So können kleine Versorger ihre eigene Kraftwerksleistung beziehungsweise den Stromkauf entsprechend anpassen.

Wie komplex das Prognosesystem und wie groß dessen Rechnerleistung ist, verdeutlicht der Chef der Energy & Meteo GmbH, Ulrich Focken. So müsse unter vielen anderen Aspekten der Nebel berücksichtigt werden, der häufig nur punktuell auftauche. Und besonders schwer sei es auch, im Winter vorherzusagen, wann der Schnee auf den Solarmodulen zu tauen beginnt und vom Dach rutscht. Denn zugeschneit produzieren Fotovoltaikanlagen keinen Strom.

SMA-Vorstandschef Günther Cramer zeigte sich überzeugt, dass sich das neue System rasch durchsetzt. „Fotovoltaik ist jetzt prognostizierbar. Damit können Netzbetreiber und Versorger wesentlich besser planen.“

Von José Pinto

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