„Sorge um Jobs nachvollziehbar“

K+S-Vorstandschef Norbert Steiner warnt vor überzogenen Forderungen bei der Abwasserproblematik

Norbert Steiner

Kassel. Der Kasseler Kali- und Salzproduzent K+S hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Wirtschaftskrise und fallende Kalipreise sorgten für einen Umsatz- und Gewinneinbruch.

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Gleichzeitig steigt der Druck auf das Unternehmen, seine Abwasserprobleme zu lösen. Darüber sprachen wir mit Vorstandschef Norbert Steiner.

Herr Steiner, die Abwasserproblematik spitzt sich zu. Hessens Umweltministerin Silke Lautenschläger dringt auf den Bau einer Nordsee-Pipeline. Gleichzeitig sollen die genehmigten Versenkmengen drastisch reduziert werden. Wie geht es nun weiter?

Norbert Steiner: Wir werden das mit Hessen und Thüringen verabredete Verfahren weiter abarbeiten. Das sieht eine Abstimmung in den nächsten Wochen vor. Wir haben mit unserem 360-Millionen-Euro-Maßnahmenprogramm ein Paket vorgelegt, das auf eine erhebliche Senkung der Einleitungsmengen und -konzentration abzielt. Gleichzeitig prüfen wir die Bedingungen für eine Fernleitung.

Warum nicht gleich die große Lösung Nordsee-Pipeline?

Steiner: Die Fernleitung muss politisch allseits gewollt, ökologisch sinnvoll, genehmigungsrechtlich machbar und wirtschaftlich zumutbar sein. Zu diesen Kriterien sind viele Fragen auch vom Runden Tisch unbeantwortet geblieben. Dies trifft auch auf die jüngsten Erklärungen der Umweltminister von Hessen und Thüringen zu.

Aber einleiten und versenken sind doch Auslaufmodelle.

Steiner: Wir haben die entsprechenden Genehmigungen und werden zu gegebener Zeit deren Verlängerung beantragen. Neu ist lediglich, dass das Regierungspräsidium ein Anhörungsverfahren zu den Versenkmengen eingeleitet hat. Dazu werden wir uns in den nächsten Wochen äußern.

K+S hat nach einem Rekordumsatz und -ergebnis im Vorjahr 2009 einen herben Gewinneinbruch erlitten. Wie lautet die Prognose für 2010?

Steiner: Für 2010 erwarten wir einen deutlich höheren Umsatz und Gewinn. Wir hatten 2009 in der Tat einen erheblichen Umsatz- und Ergebnisrückgang, haben aber immer noch einen Gewinn erzielt. Und eines darf nicht vergessen werden: 2008 war ein absolutes Ausnahmejahr.

Was bestärkt sie in ihren Erwartungen, dass 2010 erheblich besser wird?

Steiner: Wir sehen deutliche Anzeichen dafür, dass Landwirte wieder stärker düngen wollen. Hinzu kommt, dass die Läger beim Handel völlig leer sind. Die müssen jetzt wieder aufgefüllt werden, um die Landwirtschaft versorgen zu können.

Kritiker sagen, dass sie den Kalidünger 2009 nicht loswurden, weil er überteuert war.

Steiner: Das ist eine kühne These.

Das sagen die Landwirte.

Steiner: Wir hatten in der Tat eine Dünge-Abstinenz. Aber gerade zu Beginn des letzten Jahres, als die Kaliläger randvoll waren, hätten wir mit Preissenkungen nur wenig Menge bewegen können.

Ein großer Teil der Beschäftigten im Kali-Bergbau musste 2009 zeitweise kurzarbeiten. Worauf müssen sie sich für dieses Jahr einstellen?

Steiner: Wir erwarten einen Absatz von etwa sechs Millionen Tonnen Kali- und Magnesium bei einer Kapazität von fast acht Mio. Tonnen. Das reicht nicht für eine Vollbeschäftigung. Im Augenblick machen wir keine Kurzarbeit, aber wir können nicht ausschließen, dass sie im Laufe des Jahres wieder eingeführt wird.

Sind die Jobs bei K+S sicher?

Steiner: Wenn es nach uns geht, ja.

Was heißt das?

Steiner: Es wirken viele Dinge in unserem Umfeld auf uns ein. Die Diskussion um die Abwasserproblematik löst bei vielen Beschäftigten Sorge um die Arbeitsplätze aus.

Ist sie berechtigt?

Steiner: Sie ist nachvollziehbar, wenn man auf das politische Umfeld schaut.

Werden die Arbeitsplatzsorgen bei ihnen konkret in den Gremien diskutiert?

Steiner: Was in den Gremien besprochen wird, soll auch dort bleiben.

Anders gefragt: Sind die Jobs bei K+S sicher, wenn Sie die Abwasserfrage ausklammern?

Steiner: Wir sind überzeugt, dass die Normalität absehbar in die Märkte zurückkehrt. Daher wollen wir unsere Beschäftigten halten. Wir brauchen sie.

Von José Pinto

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