Gasleitung unterm Schwarzen Meer wird nicht gebaut

South Stream adé: Wintershall äußert sich vorerst nicht

Russland hat überraschend seine milliardenschweren Pläne für die South-Stream-Leitung aufgegeben, die Erdgas auch nach Westeuropa bringen sollte. Staatschef Wladimir Putin gibt der EU die Schuld. Doch wer profitiert vom South-Stream-Aus und wer hat das Nachsehen?

Was bedeutet der Wegfall der Pipeline für die Energiesicherheit in Europa?

Wie die Ostseeleitung Nord Stream sollte die südliche Leitung South Stream – für den Süden und zentrale Teile der Europäischen Union – die Gasversorgung des Westens bei wachsendem Energiehunger zuverlässiger machen. Russland wollte so vom wichtigen Transitland Ukraine unabhängiger werden. Die 2380 Kilometer lange South Stream hätte ab 2019 bis zu 38 Millionen Haushalte versorgen können. Sie gehört mehrheitlich dem russischen Gaskonzern Gazprom.

Wie stand die EU zu South Stream?

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Sie konnte sich mit dem Projekt nie anfreunden, weil es die Anbindung an Russland verstärkt hätte. Außerdem wollte sie die Ukraine nicht vor den Kopf stoßen. Im Juni setzte das Transitland Bulgarien Vorarbeiten an der South Stream aus. Zuvor hatten die EU und die USA die Vergabe der Bauarbeiten an ein russisches Konsortium kritisiert.

Woher bekommt die EU jetzt zusätzliches Gas? 

Das Gas fließt weiter über die bestehenden Leitungen. Russland hat seit Jahrzehnten den Ruf, verlässlich zu liefern und will das auch künftig tun. Staatschef Putin will jetzt die geplante South-Stream-Pipeline für 63 Milliarden Kubikmeter Gas in die Türkei umleiten. Das meiste Gas soll an der türkisch-griechischen Grenze ankommen und von dort weiter in die EU fließen.

Was bedeutet der Stopp für den Kasseler Öl- und Gasförderer Wintershall? 

Die BASF-Tochter ist zu 15 Prozent an der niederländischen South Stream Transport BV beteiligt, die das 931 Kilometer lange Teilstück auf dem Boden des Schwarzen Meeres verlegen sollte. Man werde die Ankündigungen zu South Stream im Gesellschafterkreis besprechen, erklärte Wintershall. Vorher werde man sich nicht äußern. Der inzwischen vollständig an Gazprom verkaufte Ferngashändler Wingas sieht keineBeeinträchtigung seiner Geschäfte. Die Kernmärkte in Nordwesteuropa würden über die bestehenden Pipelines beliefert. Auf den Kasseler Firmensitz habe das Aus für South Stream keinen Einfluss.

Hat Putins Entscheidung nur politische Gründe? 

Vermutlich nicht. Angesichts sinkender Gaspreise ist es fraglich, ob sich die 16 Milliarden Euro teure South Stream wirtschaftlich gerechnet hätte. Zudem brechen bei Gazprom die Gewinne ein, und die Kapitalaufnahme ist wegen der EU-Sanktionen gegen Russland schwieriger geworden.

Wen trifft das Aus für South Stream besonders? 

Bulgarien entgehen nach russischen Angaben Transitgebühren von 400 Millionen Dollar (322 Mio. Euro). Den größten Schiffbruch erlitt aber Serbien. Das Land hatte für eine Beteiligung an South Stream die Mehrheit an seinem Ölkonzern NIS weit unter Wert an Gazprom verkauft.

Von Ulf Mauder und Barbara Will

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