Fragen und Antworten

Wärmedämmung: Spechte hauen auf den Putz

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Klopft nicht nur gern auf Holz: Der Buntspecht geht bei der Nahrungssuche oft Häuserwänden auf den Grund. Der hohle Klang moderner Wärmedämmung erinnert ihn an morsche Baumstämme. Ist der Putz erst geknackt, sollte schnell reagiert werden.

Kassel/ Göttingen. Wenn der Herbst kommt, gilt es für Buntspechte, ihre Reviere neu zu besetzen. Junge Männchen suchen sich abgestorbene Bäume und machen durch lautstarkes Klopfen ihren Anspruch geltend. Gleichzeitig häufen sich die Anrufe bei Vogelschutzverbänden.

Hauseigentümer melden sich mehrmals in der Woche, weil Spechte ihre Häuserwände ins Visier nehmen. Gerade moderne Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) werden oft durchlöchert. Für Hauseigentümer können schnell hohe Reparaturkosten anfallen.

? Warum durchlöchern die Spechte Häuserwände?

! Insekten und deren Larven dienen dem Buntspecht als Nahrung. Sie werden nicht nur aus Baumstämmen herausgeholt, sondern auch von der Oberfläche abgelesen. Auch von den rauen Oberflächen verputzter Wände. Nach dem Aufnehmen der Beute untersuchen die Vögel auch die tieferen Schichten nach Nahrung. Hohl klingende Stellen an der Hauswand täuschen ihnen dabei Faulholz unter der Oberfläche vor - ein lohnendes Objekt zur weiteren Nahrungssuche. Aber auch für den Bau von Brut- und Schlafhöhlen, denn in der Stadt finden die Tiere nur selten geeignete Bäume. Morsche Stämme werden dort vorsorglich entfernt.

? Was kann passieren, wenn die Fassade durchlöchert wurde?

! Zum einen wird die Fassade schnell anfällig für Wasserschäden. Durch die Öffnung im Putz dringt Feuchtigkeit ein, die sich im Dämmmaterial sammelt. Das Isoliermaterial wird so zur Kältebrücke, die die Wärme aus dem Inneren schnell nach außen leitet. Die gesammelte Feuchtigkeit kann zudem auch in die Hauswand eindringen. Ein Schimmelbefall droht.

? Wie sollte am besten reagiert werden?

! Hat ein Specht ein Loch in die Hauswand geschlagen, sollte es so schnell wie möglich von einem Fachmann verschlossen werden. Dafür wird ein Teil des Putzes und des Dämmaterials dahinter entfernt und erneuert. Von dieser Reparatur ist danach nichts mehr zu erkennen. Oft gestaltet sich die Erneuerung der Dämmschicht jedoch schwierig. Die Vögel bauen ihre Nester gern in großer Höhe, um den Nachwuchs vor ihren natürlichen Feinden zu schützen. In diesem Fall muss ein Baugerüst angebracht werden.

? Was ist, wenn sich bereits eine Spechtfamilie eingenistet hat?

! Vor allem in der Brutzeit von April bis August gilt besondere Vorsicht. Die Fassadenhöhlen dürfen nur dann saniert werden, wenn sicher gestellt ist, dass darin nicht gebrütet wird. Möglich ist auch, dass andere Tiere das Loch nutzen, um sich in der Dämmschicht einzunisten. Zu jeder Jahreszeit müssen die Schadstellen deshalb vor dem Verschluss auf Anwesenheit von Tieren geprüft und Fremdmaterialien entfernt werden - sie könnten sonst in der Dämmschicht faulen.

? Was muss ich beachten, wenn ich mein Haus spechtsicher machen will?

! Wird eine Hauswand neu gedämmt, ist es sinnvoll, direkt eine Barriere zu schaffen. Der Verband Privater Bauherren rät zu einer sieben Millimeter dicken Gewebespachtelung, gefolgt von drei Millimeter Oberputz. Dieser sollte am besten glatt sein. So finden die Vögel keinen Halt. Verfügt das Haus bereits über ein Wärmedämmverbundsystem, gibt es verschiedene Hilfsmittel, mit denen man die Vögel auf Distanz halten kann.

Service

Die staatliche Vogelschutzwarte gibt Tipps im Internet und am Telefon, wie man den Specht von der Hauswand abhält. Tel.: 0694/ 20 10 50

Der Verband privater Bauherren hat eine Sonderseite über das Ausbessern von Specht-Löchern.

Von Moritz Schäfer

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