Spezialisiert auf die Ressource Wasser: Ingenieure für Wasserwirtschaft

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Technikfachleute mit Umweltfaible: Ingenieure für Wasserwirtschaft sind bei Küstenschutzprojekten gefragt - wie hier beim Deichbau auf Zingst.

Wasser braucht jeder zum Leben. Das bedeutet viel Arbeit für Fachleute, die sich mit diesem Gut auskennen: die Ingenieure für Wasserwirtschaft. Sie organisieren die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung.

Außerdem sorgen die Wasserwirtschaftler für den Schutz von Küsten und Gewässern, bauen Wasserstraßen, Staudämme und legen Häfen an. Darüber hinaus schafft der Klimawandel neue Probleme, für deren Lösung die Spezialisten gefragt sind.

Der Beruf setzt ein Ingenieurstudium voraus, wie Prof. Thorsten Schlurmann erklärt. Er leitet das Institut für Wasserbau und Küsteningenieurswesen der Universität Hannover. Dessen Mitarbeiter haben das Tsunami-Frühwarnsystem im Indischen Ozean mitentwickelt. Und sie kümmern sich um den Küstenschutz der von den Sturmfluten der Nordsee bedrohten Insel Sylt.

Passende Studiengänge gibt es an Universitäten und Fachhochschulen. Vom ersten bis dritten Semester steht zunächst ein Grundstudium an, wie es jeder angehende Bauingenieur absolvieren muss. Dann folgen Grundfachstudium und Fachstudium. Wer den Zeitplan einhält, kann nach drei Jahren mit dem Bachelor abschließen. Mindestens drei bis vier weitere Semester sind bis zum Mastertitel erforderlich, der den „Dipl.Ing.“ ablöst.

Master ist erforderlich

Ein Bachelor in den Allgemeinen Ingenieurswissenschaften reicht nicht, um Ingenieur für Wasserwirtschaft zu werden. Hierbei fehlten wesentliche Grundlagenfächer wie Hydraulik, Hydromechanik und Hydrologie, sagt Prof. Erik Pasche. Diese Fächer könnten allerdings nachgeholt werden, erläutert der Leiter des Institutes für Wasserbau der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Sie bietet den Master „Wasser und Umwelt“ an.

„Ich empfehle allen Studenten, mit dem Master abzuschließen“, rät Prof. Schlurmann. „Der Bachelor reicht nicht als Berufsbefähigung für die Praxis.“ Eine Promotion zum „Dr.Ing.“ bringe auf der Karriereleiter voran, auch für eine wissenschaftliche Laufbahn sei sie notwendig.

Breites Themenspektrum

Ein Blick auf die Liste der Vorlesungen zeigt die Themenvielfalt des Studiums Wasserwirtschaft, die bewältigt werden muss. So stehen zum einen Fächer wie Mathe und Physik auf dem Lehrplan. Aber auch Meteorologie und Bodenkunde müssen Studenten lernen. Und daneben sind Abfallbeseitigung, Umweltschutz und Recht Themen im Studium.

Später gehört zu den konkreten Fragestellungen zum Beispiel, wie ein zukunftsorientiertes Management von Wasserkreisläufen aussieht. Dabei gehe es darum, Ressourcen zu schonen, wie Prof. Pasche erläutert. Dieses Wissen sei der Schlüssel zur nachhaltigen Nutzung von Wasser und Energie. Und vor dem Hintergrund des Klimawandels wird es immer wichtiger.

Rudolf Gade vom Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft in Sindelfingen schätzt die Zahl der beschäftigten Ingenieure in diesem Bereich auf etwa 20 000. Einsteiger hätten derzeit „sehr gute“ Jobchancen. Prof. Pasche sieht das ähnlich: „Die Berufsaussichten exzellent. Im Bereich Wasserbau können wir den Bedarf überhaupt nicht decken.“ Gesucht würden Absolventen von Behörden ebenso wie von Baufirmen und Ingenieurbüros. Auch in der Forschung seien sie gefragt. Für die berufliche Praxis seien Kreativität und Verantwortungsbewusstsein wichtig, meint Prof. Schlurmann. Außerdem müssten Fachleute in dem Job entscheidungsfreudig und durchsetzungsfähig sein.

Wie in allen Ingenieurberufen sind auch in der Wasserwirtschaft Frauen auf dem Vormarsch. Pasche beziffert ihren Anteil in Harburg auf etwa 40 Prozent - Tendenz steigend. Schlurmann zufolge machen Frauen bereits 50 Prozent der Studenten in seinem Institut aus.

Auch für die Arbeit im Ausland seien deutsche Wasserwirtschaftsingenieure gefragt, hat Rudolf Gade beobachtet. In Deutschland gebe es nur noch einen geringeren Bedarf im Bereich des Anlagenbaus. Hiesige Unternehmen, die sich mit Kläranlagen und der Wasseraufbereitung beschäftigen, engagierten sich daher stärker jenseits der deutschen Grenzen. (dpa)

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