Die Metallgießerei Friedrich hat sich auf Prototypen, Kleinserien und Kniffliges spezialisiert

Spezialisten für Ausgefallenes

Günter W. Friedrich

lamerden. Sie versehen ihren Dienst in den teuersten Autos der Welt, in Umspannwerken, in der Mess- und Wägetechnik, in der optischen Industrie, in Panzern, in Loks, in Bau- und Forstmaschinen, Tankfahrzeugen, Traktoren und industriellen Anlagen: Aluminium-Gussteile der Metallgießerei Günter Friedrich GmbH im Liebenauer Ortsteil Lamerden im Kreis Kassel sind in nahezu allen Branchen zu finden und weltweit gefragt.

Motorendeckel für Ferrari und Lamborghini, wichtige Bauteile für Ladeluftkühlungen für Porsche, Ansaugteile für den Renn-Touareg, mit dem VW unter anderem das härteste Rennen der Welt Paris-Dakar bestreitet, liefern die Gießprofis von Friedrich ebenso wie Antriebskomponenten für die Wehrtechnik-Hersteller Krauss-Maffei und Rheinmetall. Wo immer besonders hohe Ansprüche an Festigkeit und Präzision gestellt werden, ist Friedrich nicht weit. Kniffliges empfindet das Unternehmen als willkommene Herausforderung. „6000 unterschiedliche Teile haben wir im Sortiment“, sagt Firmengründer und Mitgeschäftsführer Günter W. Friedrich. 1963 gründete der heute 71-jährige Unternehmer den Betrieb, den mittlerweile Sohn Knut (34) in zweiter Generation führt.

Diese Vielfalt, die Spezialisierung auf Prototypenbau, Kleinst- und Kleinserien sowie die Flexibilität eines kleinen Familienbetriebs führt der Juniorchef als Gründe für den Erfolg des Unternehmens an. „Vom Zeitpunkt der Beauftragung bis zur Lieferung des einbaufertigen Teils brauchen wir fünf oder sechs Tage. In der Zeit hat eine große Gießerei gerade einmal einen Vorgang angelegt“, meint der Juniorchef.

Dass bei Friedrich alles so schnell geht, hat aber auch mit moderner Technik zu tun. Eine spezielle Anlage, ein so genannter dreidimensionaler Drucker, formt computergesteuert aus einem Mineralgemisch Schicht für Schicht Modelle des künftigen Bauteils. Das spart gegenüber dem klassischen Modellbau viele Tage. Und damit Bauteile besonders stabil werden, kommen sie bei 525 Grad in einen speziellen Ofen, werden einbaufertig bearbeitet, im eigenen Labor geröntgt, Reißtests unterzogen oder chemisch analysiert. „Wir liefern dem Kunden die gesamte Dokumentation aus einer Hand“, nennt Knut Friedrich einen weiteren Wettbewerbsvorteil der Gießprofis aus Lamerden.

Dennoch hat die Konjunkturkrise auch bei Friedrich Spuren hinterlassen. Um 20 Prozent auf 3,2 Millionen Euro sank der Umsatz des 34-Mann-Betriebs in diesem Jahr. Man schreibe aber schwarze Zahlen, und das Ergebnis sei zufriedenstellend. „Wir haben die Situation gut gemeistert und blicken zuversichtlich in die Zukunft“, sagt der Seniorchef.

Kurzarbeit hat Friedrich nicht in Anspruch nehmen müssen. Stattdessen fuhr der Betrieb die zur Gewohnheit gewordene Mehr- und Samstagsarbeit kräftig zurück. „Stellenabbau gab es nicht. Wir wollen alles tun, um unsere Belegschaft zu halten“, sagt Friedrich. Es zahle sich aus, dass in den fetten Jahren Rücklagen gebildet wurden und das Unternehmen frei von Schulden sei. Investitionen bestreite man aus eigenen Mitteln.

Von José Pinto

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