Die Hahnemühle: Eine der ältesten Papierfabriken Europas fühlt sich in der Nische wohl

Spezialpapiere für die Welt

Es läuft rund: Die Hahnemühle erfreut sich einer guten Auftragslage. Unser Foto zeigt die Produktion von Künstlerpapier. Michael Eggers kontrolliert die Feuchtigkeit an der so genannten Mutterrolle, die das aus der Maschine laufende Papier aufnimmt. Fotos: Hahnemühle/Pinto

Relliehausen. „Papiermachen ist wie Kuchenbacken“, sagt Bettina Scheerbarth schmunzelnd. „Man braucht ein gutes Rezept, gute Zutaten und eine genaue Waage“, erklärt die Sprecherin der Hahnemühle Fineart GmbH in Relliehausen (Kreis Northeim) bescheiden. Wie es aussieht, passt in dem mittelständischen Traditionsbetrieb von je her alles gut zusammen.

Vor allem die geheimen Rezepte, nach denen im wesentlichen zumeist importierter Zellstoff, Stärke und Kreide mit viel frischem, sehr hochwertigem Wasser aus eigenen Tiefenbrunnen vermischt werden, machen den Erfolg der Papierspezialisten aus dem Solling aus.

Nicht anders ist es zu erklären, dass die wohl älteste noch produzierende Papiermühle Europas in den fast 426 Jahren ihres Bestehens Kriege, Unwetter und andere Heimsuchungen nahezu unbeschadet überstanden hat. Und die aktuelle Krise konnte dem Unternehmen bislang auch nichts anhaben. „Die haben wir fast gar nicht gemerkt“, sagt Scheerbarth unter Hinweis auf einen seit Jahren tendenziell leicht steigenden Umsatz, der 2009 bei etwa 25 Millionen Euro stagnierte.

Dass die Geschäfte so gut laufen, hat mehrere Gründe. Zum einen bewegt sich die Hahnemühle mit ihren traditionellen Künstlerpapieren für Maler, Grafiker und Illustratoren sowie beschichteten Spezialpapieren für den hochwertigen und -preisigen Tintenstrahldruck in Nischenmärkten mit überschaubarem Wettbewerb. Ähnlich verhält es sich bei technischen Papieren für Filtrationsprozesse in der Nahrungsindustrie, Medizin-, Analyse- und Biotechnologie. Zum anderen genießen die Produkte aus Relliehausen bei Profi- und Hobbykünstlern sowie bei Fotografen weltweit einen hervorragenden Ruf.

In 75 Länder exportiert die Hahnemühle derzeit seine insgesamt etwa 500 unterschiedlichen Produkte. In Frankreich ist das Unternehmen mit dem roten Hahn im Firmenlogo am einstigen Mitbewerber Lana beteiligt, und in Spanien hat es unlängst Albet, einen Anbieter technischer Papiere, übernommen. Hinzu kommen Vertriebsniederlassungen in Frankreich, Großbritannien, den USA und neuerdings auch in China. 150 Mitarbeiter beschäftigt die kleine Gruppe, davon 110 am Firmensitz sowie zehn in einem Zweigbetrieb im nahen Einbeck.

Bei Künstlerpapieren sieht sich die Hahnemühle zumindest im deutschsprachigen Raum als Marktführer, bei technischen und sehr sauberen medizinischen Papieren auch global sehr gut aufgestellt und bei den Spezialprodukten für hochwertige Drucke gar als Weltmarktführer. „Dieses Papier haben wir vor zwölf Jahren erfunden“, sagt Scheerbarth nicht ohne Stolz.

Bekannte Maler und Fotografen in aller Welt reproduzieren immer häufiger ihre Originale für den Verkauf. Und dass Museen aus Sicherheitsgründen zunehmend dazu übergehen, statt der wertvollen Originale - wie beim bekannten Feldhasen von Albrecht Dürer (Albertina-Museum in Wien) - Reproduktionen auszustellen, beflügelt das Geschäft zusätzlich. Dabei muss der Kunstliebhaber keinen Genussverzicht üben. „Originale und Reproduktionen sind fast identisch“, sagt die Sprecherin. Nur Fachleute könnten die unersetzlichen Meisterwerke optisch von den Kopien unterscheiden.

Von José Pinto

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