Fünf Tour-de-France-Teams fahren mit Pneus aus dem Conti-Werk in Korbach

Spezialreifen für die Profis

Fährt mit Continental-Reifen aus Korbach: der Australier Cadel Evans vom US-Team BMC Racing. Beobachter halten ihn für einen der Favoriten auf den Toursieg.

korbach. Wenn am kommenden Sonntag in Paris die Sieger der 98. Tour de France gekürt werden, dann dürften auch zwölf Mitarbeiter des Continental-Werks in Korbach und natürlich ihre insgesamt rund 3300 Arbeitskollegen am Standort allen Grund zum Feiern haben.

Denn das Dutzend Beschäftigte hat weitgehend in Handarbeit jene Hochleistungsreifen hergestellt, die etwa Cadel Evans vom US-Team BMC Racing fährt. Und der steht nach der 18. Etappe des bekanntesten und härtesten Radrennens der Welt auf Platz vier der Gesamtwertung. Der Australier ist dem bisherigen Führungsfahrer Thomas Voeckler aus Frankreich mit nur 72 Sekunden Abstand ganz dicht auf den Fersen.

Evans unter den Favoriten

Beobachter halten nach der gestrigen Etappe neben Voeck-ler und den beiden Luxemburgern Fränk und Andy Schleck auch Evans für einen Favoriten auf das gelbe Trikot des Toursiegers. Evans ist derzeit Dritter in der Bergwertung. Außerdem fahren die drei Erstplatzierten in der Sprintwertung, Marc Cavendish, José Joaquin Rojas und Philipe Gilbert mit Conti-Reifen aus Korbach.

Damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass am Sonntag neben den Fahrern sozusagen auch die Spezial-Pneus aus Nordhessen mit auf einem der Siegertreppchen stehen.

Manufaktur: Zwölf Beschäftigte vernähen in Korbach Reifen und Schläuche von Hand.

Die Wunderreifen aus dem Waldecker Land, die sich durch ein sehr geringes Gewicht und äußerst geringen Rollwiderstand auszeichnen, tragen die Namen „Competition Pro“ und „Podium TT“. Der erste ist einer mit, der zweite ohne Profil für Sprintwertungen (Zeitfahren). Beide sind so genannte Schlauchreifen, bei denen Schlauch und Reifen von Hand fest miteinander vernäht werden. Dieser besondere Aufbau verbessert nicht nur Laufeigenschaften und Fahrkomfort, sondern hilft auch, Material und somit Gewicht zu sparen.

Die speziellen Reifen sind aber nicht nur den besten Radrennsportlern der Welt vorbehalten. Jedermann kann sie im Fachhandel kaufen. Knapp 90 Euro kostet einer – mehr als so mancher Pkw-Reifen. Angesichts von mehreren Tausend Euro Anschaffungskosten für ein gutes Rennrad relativiert sich der Preis.

22 Teams mit je neun Fahrern sind bei der Tour de France am Start. Fünf von ihnen fahren Conti-Reifen aus Nordhessen. Neben dem BMC-Racing-Stall mit Cadel Evans an der Spitze sind dies HTC Highroad (USA), Omega-Pharma Lotto (Belgien) Movistar (Spanien) und Katusha (Russland). Als Sponsor tritt Conti aber nicht auf. Ob die Teams die Reifen kaufen müssen oder geschenkt bekommen, verrät der Konzern nicht.

14,3 Mio. Reifen im Jahr

2,3 Millionen Fahrrad-, 250 000 Motorrad-, fast elf Mio. Pkw- und Transporter- sowie 690 000 Industriereifen verlassen jährlich das Conti-Werk in Korbach. Macht zusammen nahezu 14,3 Mio. Pneus. Außerdem werden an dem Standort Schläuche für industrielle Anwendungen und Autos hergestellt – 175 Kilometer täglich. Hinzu kommen 70 000 Krümmer und 21 000 Kleinteile am Tag.

Von José Pinto

Hintergrund: Einziges Werk für Fahrradreifen

Continental ist mit seinen derzeit fast 150 000 Beschäftigten einer der größten Reifenproduzenten und Autozulieferer der Welt. In der Region beschäftigt der Konzern rund 7300 Mitarbeiter an den Standorten Korbach, Northeim, Bebra (Kreis Hersfeld-Rotenburg), Hann. Münden (Kreis Göttingen) und Oedelsheim (Kreis Kassel). Von den 3300 Beschäftigten in Korbach arbeiten 175 in der Zweiradreifen-Fertigung, in der neben hochwertigen Fahrrad- auch Motorradreifen produziert werden. Korbach ist der einzige Fertigungsstandort für Fahrradreifen in Deutschland. 2010 setzte Conti 26 Milliarden Euo um und erzielte einen Reingewinn von 576 Millionen Euro. Umsatzzahlen der Fahrradreifen-Sparte nennt der Konzern nicht. (jop)

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