Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt vor „Gratisspielen“ im Internet – Teure Sonderausstattung

Mit dem Spieltrieb abgezockt

Computerspiele können faszinieren, dabei wird so manches Kleingedruckte in den Geschäftsbedingungen übersehen. Das Bild entstand auf der Computerspiele-Messe Gamescom. Foto: dpa

? Wie funktionieren diese Spiele im Internet, mit denen Kinder über den Tisch gezogen werden?

!Wer sich bei solch einem Spiel anmeldet, braucht um einen Level höher zu kommen oder besondere Fertigkeiten zu haben, oft eine Zusatzausrüstung, die richtig teuer ist. Zum Beispiel Spielgeld. Dies erhält der Spieler aber nicht im „kostenlosen“ Fantasy-Spiel, sondern er muss es per sms oder Anruf bei einer 0900-Nummern ordern.

? Sind dies Einzelfälle von unseriösen Anbietern?

!Es gibt „dutzende gravierende Fälle“ hat Karin Thomas-Martin von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg registriert. Die Dunkelziffer ist für die Expertin „sehr hoch“, denn „nur krasse Fälle werden bekannt“. Bisweilen lässt sich so ihre Erfahrung, die Telefonrechnung – ob Handy oder Festnetz – in den vierstelligen Bereich treiben.

?Wo landet das Geld und wer steckt dahinter?

!Nach Auskunft der Verbraucherzentrale landet das Geld beispielsweise bei der Firma Bigpoint, die mit diversen Internet-Spielen auf ihre Seite lockt. Mehr als 85 Millionen Nutzer daddeln nach Firmenangabe bei Rennern wie „Dark Orbit“ (Weltraum) und „Seafight“ (Piraten). In diesem Jahr will Bigpoint den Umsatz im dreistelligen Millionenbereich sehen.

?Wie werden Kinder und Jugendliche auf diese Seiten gelockt?

!Bisweilen trommeln sogar Prominente für diese Spiele, zum Beispiel der vierfache Olympiasieger im Springreiten, Ludger Beerbaum bei dem Spiel „Howrse“. Wer sein Pferd „beglücken“ will, braucht sogenannte Pferdepässe – Kostenpunkt: 1,20 bis zwei Euro. Im Eifer des Spiels übersehen viele gern den Hinweis „Kaufe keine Pässe ohne Erlaubnis deiner Eltern“, so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bisweilen müssen sogar Paten oder neue Mitspieler geworben werden.

? Sind diese Spiele alle noch legal?

!Kinder, die sich vor Spielbeginn registrieren, müssen lediglich per Häkchen bestätigen, dass sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen „zur Kenntnis genommen“ haben, so die Verbraucherzentrale. In dem bis zu 17 DIN-4-Seiten langen Kleingedruckten stecken – tief verborgen – zumeist wenig aussagekräftige Hinweise über mögliche Kosten. Wer es liest, erfährt, dass Eltern in die finanzielle Verantwortung für die Bestellungen ihrer Kinder genommen werden, warnt die Verbraucherzentrale.

?Und wie sollten sich nun Eltern verhalten?

!Bei juristischen Auseinandersetzungen zwischen betroffenen Eltern und Spielbetreibern urteilen die Amtsgerichte nach Angaben der Verbraucherzentrale bislang uneinheitlich. Juristin Iwona Gromek empfahl, nicht klein beizugeben: Weder Eltern noch Kinder hätten einen rechtsgültigen Vertrag geschlossen. Überdies könne der Inhaber eines Telefons nicht für sämtliche über seinen Anschluss getätigte Transaktionen verantwortlich gemacht werden. www.vz-nrw.de

Von Martina Wewetzer

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