Cebit und Hannover Messe stehen bevor – weltgrößter Ausstellungsstandort Hannover büßt Bedeutung ein

Spitzenplatz ist längst verloren

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Offene Wunde in Hannover: Der Rückgang an Ausstellern war auf derCebit 2009 nicht überall zu verbergen

Hannover. Vor zehn Jahren haben noch Technikbegeisterte die Stände auf dem Messegelände Hannover gestürmt.  Seit Jahren veliert jedoch der Ausstellungsort an Bedeutung - eine Analyse.

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Leitmessen in Hannover

Es war die Zeit der „Teenie-Blockaden“, sagt Messe-Experte Norbert Stoeck von der Unternehmensberatung Roland Berger. Er meint damit die jugendlichen Menschentrauben, die zu Beginn des Jahrtausends dem Cebit-Fachpublikum den Zugang zu den Ständen erschwerten. Die Blockaden sind mit dem Niedergang des Neuen Marktes zur Jahrtausendwende verschwunden.

Zeitgleich setzte ein schleichender Bedeutungsverlust des Messestandortes Hannover ein. Kurz vor den Leitmessen Cebit und Hannover Messe gibt es wenig, was auf eine baldige Umkehr dieser Abwärtsentwicklung schließen lässt.

Krise ist nicht der Auslöser

Nicht erst seit der Wirtschaftskrise steckt die Messestadt Hannover in der Klemme: Längst hat der einstige Marktführer seine Spitzenposition abgegeben. Gemessen an Umsatzzahlen, liegen die Messeplätze Düsseldorf, Frankfurt und München vor Niedersachsens Landeshauptstadt.

 Nach Einschätzung von Messe-Insidern wird Hannover seine einstige Stärke zum Verhängnis: die Größe. Während sich am weltgrößten Messegelände ein Fünftel aller deutschen Flächen für überregionale Messen konzentriert, findet das Wachstum woanders statt. Die Folgen für Hannover sind leere Hallen, die Geld kosten.

 Für das Krisenjahr 2009 kalkuliert die Deutsche Messe AG, die über das hannoversche Messegelände verfügt, mit einem Verlust von 25 Mio. Euro. Und während fast die gesamte deutsche Messewirtschaft im Nicht-Krisenjahr 2008 zum Gesamt-Rekordumsatz von 2,8 Mrd. Euro beitrug, verbesserte sich Hannover nicht.

Ursache des langfristigen Abschwungs ist vor allem die Cebit. In zehn Jahren verlor die weltgrößte Computermesse mehr als die Hälfte ihrer Aussteller und Besucher. Dass Hannover seine Hallen-Kapazitäten zu Zeiten des Neuen Marktes noch erweitert hat, habe sich als „fatal“ erwiesen, sagt Stoeck, der Messen berät.

In den Boom-Jahren der jungen Technologien habe jedes Unternehmen auf der Cebit ausstellen wollen. „Plötzlich tauchten etwa Papier- oder Tresorhersteller auf, die nicht zur Branche der Informationstechnologie gehörten. Es war absehbar, dass diese Aussteller nach der Euphorie verschwinden würden.“

 Angst vor Abwanderung

Während andere Veranstalter dem Trend zu stärker spezialisierten Fachmessen folgten, versuchte Hannover lange Zeit, möglichst viele Branchen unter einem Messedach zu halten. „Damals hatte man Angst, dass einzelne Bereiche mit einer Ausgliederung aus einer Verbundmesse wie der Hannover Messe den Standort wechseln würden“, sagt Stoeck.

Die Folgen der Entscheidungen sind der Deutschen Messe AG nicht verborgen geblieben: „Wir arbeiten gegen den Trend und vermarkten das Gelände aggressiver als bisher“, sagt Unternehmenssprecher Hartwig von Saß. Um den Standort besser auszulasten, werde versucht, Firmenveranstaltungen, Kongresse und Konzerte zu gewinnen.

Und schon kündigt sich ein neues Problem an: Messen wie die IFA Berlin oder die Leipziger Games Convention besetzen klassische Cebit-Themen. „Die IFA galt lange als verstaubt. Aber als sich die Verschmelzung von Unterhaltungselektronik und IT abzeichnete, griffen die Berliner das Thema auf und sind damit erfolgreich“, sagt Stoeck. Über die bislang angemeldeten Aussteller der Leitmessen will die Deutsche Messe AG nicht sprechen. Nur soviel: Die Kunden buchten immer kurzfristiger ihre Flächen.

von Bastian Ludwig

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