Im Sportstudium ist mehr als sportliches Können gefordert

Sportstudenten werden von Kommilitonen aus anderen Fächern gern belächelt. Schließlich geht es im Sport doch bloß um Muskeln, mag mancher denken. In Wahrheit ist das Fach nicht zu unterschätzen. Und Absolventen sind gefragt - vorausgesetzt, sie haben mehr zu bieten als nur gute Laufzeiten.

Viele machten den Fehler, dass sie aktiv Sport machen wollen und sich deshalb für ein Sportstudium entscheiden, sagt Stephanie Ebbert, Leiterin der Studienberatung bei der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln. Dort gibt es vier Schwerpunkte: „Sportmanagement und Sportkommunikation“ bereitet auf Posten im Vereinsmanagement oder im Marketing vor. Wer „Sport, Gesundheit und Prävention“ studiert, kann in Reha-Kliniken arbeiten. In „Sport, Erlebnis und Bewegung“ gehen Absolventen etwa in den Tourismus. Nur im relativ kleinen Studiengang „Sport und Leistung“ geht es um Leistungssport. Andere Hochschulen bieten auch Journalistik oder Informatik für den Sportbereich an.

„Das sind fast alles Berufe, in denen man nicht viel Sport treibt“, betont Studienberaterin Ebbert. „Wer zum Beispiel in einer Rehabilitationseinrichtung arbeiten will, dem muss klar sein, dass er dort vor allem alte und kranke Menschen anleitet.“ Außerdem sind es fast alles Berufe, in denen man nicht allzu viel Geld verdient. 1300 bis 1900 Euro netto verdienen Diplom-Absolventen ein bis drei Jahre nach dem Abschluss, hat die Absolventenstudie 2010 der DSHS ergeben.

Allen Vorurteilen zum Trotz lernen Sportstudenten nicht nur auf der Tartanbahn, sondern vor allem im Vorlesungssaal und im Labor. Etwa die Hälfte der Zeit nimmt der Bereich Sportwissenschaft ein, erklärt Frederik Borkenhagen von der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (DVS) in Hamburg. Dabei geht es etwa um die Frage, was beim Training im Körper passiert und wie die Muskeln reagieren. Ganz wichtig sei die Verzahnung von Theorie und Praxis. „Im Seminarraum werden biomechanische Prinzipien erörtert, und dann geht man raus, nimmt einen Diskus in die Hand und probiert das mit den Beschleunigungskräften einfach aus“, sagt Borkenhagen.

Viele scheitern an der Sporteignungsprüfung, bei der je nach Uni unterschiedliche Leistungen erwartet werden. In Köln zum Beispiel stehen 20 Disziplinen an einem Tag an - in mindestens 19 müssen die Vorgaben erfüllt werden. „Das darf man nicht zu lax nehmen, sondern muss sich gut vorbereiten“, sagt Jonathan Schaller, Vorsitzender der Sport-Fachschaft an der Uni Freiburg. „Wenn ich in einer Sportart Bundesliga bin, dann reicht das noch lange nicht.“

Schule wichtigster Arbeitsplatz

Die Schule ist nach wie vor der wichtigste Arbeitsplatz für Sportwissenschaftler. Zwei Drittel der Absolventen werden nach DVS-Angaben Lehrer. Sie müssen sich in vielen Sportarten auskennen. „Man kann Schülern eine Übung einfach am besten erklären, wenn man sie selbst beherrscht“, sagt Schaller, der ebenfalls auf Lehramt studiert.

Allerdings sind Sportlehrer an den Schulen nicht gerade Mangelware. „Gerade in den nächsten Jahren sind die Chancen für Sportlehrer nicht so gut“, meint Schaller. Wer mit dem Fach eine gute Stelle finden will, sollte deshalb möglichst noch ein, zwei andere Fächer studieren, für die der Staat gerade Lehrer sucht. (dpa)

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