Spritpreise auf dem Niveau von 2008 - Staat kassiert mit

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Die Benzinpreise treiben den Autofahrern die Sorgenfalten ins Gesicht. Doch nicht nur die Mineralölkonzerne verdienen kräftig.

Kassel. Autofahrer müssen angesichts steigender Ölpreise an den Zapfsäulen so tief in die Tasche greifen wie seit dem Sommer 2008 nicht mehr. Im Schnitt liegen die Preise zwischen 1,50 und 1,52 Euro pro Liter für Superbenzin, bei Diesel sind es 1,34 bis 1,36 Euro.

Das ist ein Anstieg von 2,6 beziehungsweise 1,5 Cent gegenüber der Vorwoche. 2008 kostete ein Liter Super 1,58 Euro, Diesel gab es für 1,53 Euro.

Ein Grund: An den Rohstoffmärkten ist der Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseemarke Brent über 96 Dollar (74 Euro) gestiegen. Diesen Anstieg führen Händler auf die Schließung einer Produktionsplattform im Golf von Mexiko und einer wichtigen Ölleitung in Alaska zurück. Sie soll ein Leck haben.

„Eigentlich sind die Preise gar nicht so überzogen“, meint ADAC-Sprecher Andreas Hötzel. Zum einen sei der Rohölpreis gestiegen, zum anderen hat sich das Wechselkursverhältnis Euro zum Dollar verschlechtert. „Das spürt man am Preis, aber ein bisschen was geht immer“, sagt er und meint, dass die Mineralölkonzerne bei aller Gewinnmaximierung noch Luft bei der Preisgestaltung hätten.

Spannender findet er die Frage, wie sich Ende des Monats die Einführung des neuen Biosprits E10 auf den Preis auswirken wird. Da der Wirkungsgrad drei Prozent unter dem jetzigen Super liegt, müsste der neue Kraftstoff günstiger angeboten werden, mutmaßt Hötzel. Ein Manager der Branche hatte in der „Welt“ gesagt, dass die Differenz zwischen altem und neuem Super bei mindestens drei Cent plus Mehrwertsteuer liegen müsste, um die Autofahrer dazu zu bewegen, den neuen Kraftstoff zu kaufen.

Freuen dürften hohe Preise den Staat: Er kassiert jährlich rund 35 Milliarden Euro Mineralölsteuer plus Mehrwertsteuer. Mit dieser Summe rechnet er laut Steuerschätzung auch 2011. Bezogen auf den Durchschnittspreis von 1,50 Euro pro Liter Super sind es 0,895 Euro - also 59 Prozent.

Warum der Ölpreis steigt

1. Euro

Rohöl wird weltweit in Dollar pro Barrel (159 Liter) gehandelt. Der europäische Wirtschaftsraum zahlt aber in Euro. Deshalb ist der Wechselkurs des Euro zum Dollar wichtig. Im Sommer 2008 als die Spritpreise Rekordmarken setzten, lag er beim 1,57 Dollar. Im Dezember 2010 lag er bei 1,32 Dollar.

2. Nachfrage

Die Weltwirtschaft hat sich von den Krisen erholt und steuert auf das Vorkrisen-Niveau zu. Besonders stark legte die Wirtschaft in den Schwellenländern Brasilien, Indien, China und Russland – den so genannten BRIC-Staaten – zu. Das treibt weltweit den Bedarf an Rohöl. 2008 wurden 3,94 Milliarden (Mrd.) Tonnen (to) Erdöl weltweit gefördert, im Krisenjahr 2009 waren es 3,82 Mrd. to. Für 2010 gibt es noch keine Zahlen.

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