Kommunalversorger wehren sich gegen geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraft

Kommunalversorger wehren sich gegen Laufzeitverlängerung für Atomkraft

Achtung Atom: Geht es nach der Bundesregierung, werden die Meiler über 2022 hinaus am Netz bleiben. Kommunalversorger sehen Invesititionen in erneuerbare Energien gefährdet. Montage: dpa

Kassel / Berlin. Die deutschen Stadtwerke machen gegen die geplante Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke über 2022 mobil. 150 Energieversorger haben sich zusammengeschlossen und fordern von der Bundesregierung, dass alte Kohlekraftwerke stillgelegt werden müssten, falls die Atommeiler länger am Netz bleiben dürfen, berichtet das „Handelsblatt“.

Der Hintergrund: Die Stadtwerke, die rund zehn Prozent der Energie in Deutschland erzeugen, fürchten, dass die Vormachtstellung der vier großen Stromkonzerne Vattenfall, Eon, RWE und EnBW gestärkt werden könnte, wenn die Meiler länger als geplant am Netz bleiben. Gleichzeitig drohen sie, eigene Investitionen zu stoppen, die sie im Vertrauen darauf angestoßen haben, dass die Atommeiler vom Netz gehen.

„Das Thema bewegt die Branche sehr stark“, heißt es beim Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) in Berlin. Investitionen von 6,5 Milliarden Euro hätten die Kommunalversorger in der Planung oder bereits im Bau – hauptsächlich Anlagen, die in Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen wollen.

„Es sind enorme Flurschäden zu befürchten“, warnte der Präsident der VKU, Stephan Weil, in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. Der Strom aus den Schonfrist-Atommeilern „verstopft den Erzeugungsmarkt“ und zementiere die Strukturen, die sich dadurch auszeichnen, dass wenige große Anbieter das Geschehen auf dem Markt bestimmen.

Die Situation stößt den Stadtwerken sauer auf. Der vorgesehene Bau von hocheffizienten Gas- und Kohlekraftwerken werde verhindert, rügte ein Gutachten des Aachener Energieberatungsunternehmens BET. Das geht auch auf Rechnung der Verbraucher: Nur ein echter Wettbewerb garantiere niedrige Strompreise. Bei den Städtischen Werken in Kassel sieht man die Situation gelassen. Der Kommunalversorger mit 97 000 Kunden in Kassel will bis zum Jahr 2020 rund 80 Prozent des Stroms selbst erzeugen, den er an den Kunden bringt. Schon jetzt ist es nach Worten von Sprecher Ingo Pijanka mehr als die Hälfte.

Die Kasseler nehmen dafür viel Geld in die Hand: In den kommenden Jahren soll die Zahl der Biogasanlagen von gegenwärtig zwei auf zehn anwachsen, 70 bis 80 Millionen Euro wird das kosten. Auch am Einstieg in einen Windpark sind die Nordhessen interessiert, ein Engagement, das sie sich ebenfalls Millionen kosten lassen würden.

Dürfen die Atommeiler länger, etwa 40 Jahre laufen, könnten die Stromkonzerne 60 Mrd. Euro Zusatzgewinne einstreichen, hat ein Gutachten im Auftrag der Stadtwerke ausgerechnet. Ihre Forderung: Das Geld soll vom Staat teilweise abgeschöpft werden.

Von Barbara Will

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