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Stäbchen rein, nordhessischer Champion sein

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Von: Gwendolyn Persch

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Begegnung auf der schwäbischen Alb: Erik Grahneis und sein Lebensretter Jan Gerbig.
Begegnung auf der schwäbischen Alb: Erik Grahneis und sein Lebensretter Jan Gerbig. © privat

Im Juli heiratete die Tochter von Erik Grahneis. Dass er das erleben durfte, hat er Jan Gerbig zu verdanken. Ohne den 27-Jährigen aus Bad Sooden-Allendorf wäre Grahneis nicht mehr am Leben. 

Bei einem DKMS-Termin (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) in Kaufungen hatte sich Jan Gerbig, erfolgreicher Fußballer (SV Adler Weidenhausen) und angehender Lehrer im Referendariat, im Herbst 2016 typisieren lassen. „Eigentlich war das die Idee meiner Freundin“, sagt Jan. Er habe aber gar nicht lange überlegen müssen und sofort zugestimmt.

Womit man nicht unbedingt rechnen konnte: Mehr als 18 000 seiner Gewebemerkmale, die in Abermillionen Kombinationen auftreten können, stimmten exakt überein mit denen eines an Lymphdrüsenkrebs (aggressiver Blutkrebs) erkrankten Mannes. Dann ging alles recht schnell. Die DKMS bat Gerbig zur Stammzellenspende nach Dresden.

„Dort wurden vier Stunden bei einer Dialyse Stammzellen aus meinem Blut gefiltert.“ 48 Stunden später wurden die Zellen dem damals schon todgeweihten Erik Grahneis transplantiert – mit durchschlagendem Erfolg. Es war die einzige Heilungschance für den Vater zweier erwachsener Töchter.

Hat sich bei einem DKMS-Termin typisieren lassen und damit einem Mann das Leben gerettet: Jan Gerbig aus Bad Sooden-Allendorf.
Hat sich bei einem DKMS-Termin typisieren lassen und damit einem Mann das Leben gerettet: Jan Gerbig aus Bad Sooden-Allendorf. © privat

„Das ich ihm das Leben gerettet habe, ist für mich bis heute noch surreal“, sagt Gerbig. Nach der Transplantation meldetet sich der Empfänger und sagte, dass es ihm gut gehe. An das Gefühl, als er die Worte in dem Brief las, kann sich Gerbig noch gut erinnern: „Das war ein ganz besonderes Gefühl, es war einfach super.“

Sehr emotionales Treffen

Über das Leben des Empfängers wusste Gerbig zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts. Denn zwei Jahre bleiben die Daten von Spender und Empfänger anonym. Gestattet ist in dieser Zeit aber ein anonymer schriftlicher Kontakt. Der fand statt. Und schnell stand fest: Sobald die Zeit rum ist, wolle man sich treffen.

2019 war es dann soweit. Jan Gerbig besuchte den Mann, dem er ein neues Leben geschenkt hatte. Mit seiner Freundin fuhr er nach Bisingen in Baden-Württemberg, wo Grahneis mit seiner Familie lebt. „Das erste Treffen war sehr emotional“, erinnert er sich noch genau. „Ich habe unfassbare Dankbarkeit erfahren und mich sofort in die Familie aufgenommen gefühlt.“ So war auch völlig klar, dass Jan Gerbig zur Hochzeit der Tochter anreist und diesen besonderen Tag mitfeiert.

Wenn er heute darüber nachdenkt, dass er ein Leben gerettet hat, kann er es noch immer nicht glauben. Er ist froh, es getan zu haben. „Ich freue mich immer wieder, dass ich helfen konnte und kann nur jedem empfehlen, sich typisieren zu lassen. Es tut nicht weh und kann so viel Gutes bringen.“            

Infokasten :„Stäbchen rein, Spender sein“

Nur ein Drittel der Patienten findet innerhalb der Familie einen geeigneten Spender. Dabei bekommt in Deutschland alle zwölf Minuten ein Patient die Diagnose Blutkrebs (Leukämie), weltweit alle 27 Sekunden. Der Großteil benötigt einen nicht verwandten Spender. Noch immer findet jeder zehnte Patient in Deutschland keinen passenden Spender. Das ist der Grund, weshalb die DKMS so viele freiwillige Stammzellspender braucht.

Mit den Wattestäbchen nehmen die Freiwilligen Abstriche von ihrer Wangenschleimhaut („Stäbchen rein, Spender sein“) und schicken diese samt ausgefüllter Einverständniserklärung wieder an das DKMS-Labor zurück. Nach der Registrierung speichern sie die Untersuchungsergebnisse des Wangenabstrichs in der Datei und stellen diese anonym für den weltweiten Patientensuchlauf zur Verfügung.

Wird der passende Spender für einen Patienten gefunden, nimmt die DKMS Kontakt mit ihm auf. In etwa 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen der Blutbahn entnommen (Periphere Stammzellenspende). Es ist keine Operation notwendig. In den anderen Fällen ist eine Knochenmarkspende nötig. Bei dieser Methode wird dem Spender unter Narkose Knochenmark entnommen. Innerhalb von zwei bis vier Wochen regeneriert sich das Knochenmark beim Spender. (Gwendolyn Persch)

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