VW-Vorstand Martin Winterkorn ganz oben – Konzern trotzt der Krise

Der Star der Autobranche

Wolfsburg. Selten schaut Martin Winterkorn vom Manuskript auf. Seine Rede anlässlich der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag liest der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG ab.

Wortreiche Inszenierungen sind dem 62-Jährigen, der mit einem Konzerngewinn von 911 Millionen Euro im Krisenjahr als der Star der Branche gilt, fremd. 2009 war ein „strategisches Schlüsseljahr“, manche der „Autobranche sind ins Wanken geraten, einige sind in die Knie gegangen“. Der Umsatz bei VW sei eingebrochen, der Gewinn nach Steuern um 80 Prozent gefallen. „2009 war für die gesamte Automobilindustrie ein echter Härtetest. VW hat diesen Test nicht nur bestanden, sondern Stärke bewiesen.“

Trotz Krisenjahr, trotz Ungewissheit, wie sich 2010 entwickeln wird, weicht Winterkorn von der „Strategie 2018“ nicht ab: VW soll der führende Autobauer der Welt werden ökonomisch wie ökologisch. Dafür sollen jährlich zehn Millionen Fahrzeuge ausgeliefert werden und die Umsatzrendite vor Steuern über acht Prozent liegen.

Winterkorn zeigt Selbstbewusstsein, obwohl er sich zuletzt anhören musste, dass der Konzern in Sachen E-Auto zu spät komme oder deutschen Autobauern gar hinterherfahre. „Das ist typisch für VW“, konterte er unlängst: „Als Late-Comer rollen wir den Markt auf.“ Nun will Winterkorn die Elektromobilität zur zweiten starken Säule ausbauen, kündigt das „Elektroauto für alle“ in Großserie an. „2013 wird mit dem e-up, dem e-Golf und dem e-Jetta zum Schlüsseljahr.“ Flottenversuche mit 500 Fahrzeugen starten 2011.

Winterkorn weiß, was er will - nur treiben lässt sich der Schwabe aus Leonberg bei Stuttgart nicht. In Zeiten einer verunsicherten Branche in der Autos immer kleiner, immer sparsamer, immer grüner und auch immer elektrischer werden, setzt er Meilensteine: Bis 2018 soll der Anteil an den Auslieferungen bei drei Prozent liegen. Nach heutiger Planung wären es 300 000 Autos. Daran rütteln auch interne Diskussionen nichts, ob statt des e-up nicht besser der Golf das Volumen bringen soll. Im VW-Werk in Baunatal wird bereits an zwei Varianten des e-Antriebs für die Flottenversuche gearbeitet – bestätigt wird es noch nicht. Der Golf bietet mehr Platz für die Batterie.

Trotz aller Euphorie für Elektrofahrzeuge – ob sie ein Renner werden, vermag Winterkorn nicht zu sagen und bleibt sich treu indem er die Knackpunkte anspricht: Batterietechnologie, Milliardeninvestitionen der Industrie, von denen niemand weiß, ob sie sich rechnen werden und der Wunsch nach Anreizen für den Kauf von E-Autos – also nach Steuervorteilen.

Letztlich muss der Kunde die Autos bezahlen, sagt er nüchtern. Seine Mutter war Hausfrau, sein Vater Arbeiter – das prägt. Wirtschaftlicher soll die Technologie werden. Schon einmal punktete der leidenschaftliche Techniker bei VW, als er mit dem Wechsel von der Plattform- zur Gleichteilestrategie die Kosten senkte. Nun heißen die Sparpläne modulare Baukästen – quer oder längs verbaut – passend für alle Modelle. Foto: dpa

Von Martina Wewetzer

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