Medizintechnik- und Pharmahersteller ist zufrieden

Starkes Jahr für B. Braun: Unternehmen investierte rund eine Milliarde Euro

+
Mehr Produktion, neue Fabriken: Die B. Braun Melsungen AG investiert jedes Jahr hohe Summen in die Standorte. Das Foto entstand in dem Melsunger Werk Life Nutrition, das Nährlösungen herstellt.

Morschen. Der Medizintechnik- und Pharmakonzern B. Braun Melsungen AG legt auch im laufenden Jahr die Messlatte höher: Vorstandschef Heinz-Walter Große kündigte am Freitag für 2017 ein Umsatzplus von fünf bis sieben Prozent an.

Beim Gewinn will der Konzern, der weltweit gut 58.000 Menschen beschäftigt, noch etwas stärker zulegen.

Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz um 5,6 Prozent auf rund 6,5 Milliarden Euro. Als Überschuss blieben dem Konzern 396 Millionen Euro – das sind knapp 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Worten Großes haben alle Sparten ihr Geschäft ausgeweitet und waren dabei profitabler als im Vorjahr.

Das Life-Nutrition-Werk in Melsungen, das beim Unternehmen wegen zeitlicher Verzögerungen als Sorgenkind galt, entwickele sich gut, sagte Große. „Wir bewegen uns zwar nicht auf dem Originalpfad, aber auf dem revidierten Plan schreiten wir voran.“

Nachdem Otto Philipp Braun, der älteste Sohn des Aufsichtsratsvorsitzenden Professor Dr.h.c. Ludwig Georg Braun, den Vorstand im Februar verlassen hatte, gehören diesem noch sieben Mitglieder an. „Ich gehe davon aus, dass es auch bei den sieben Mitgliedern bleibt“, sagte Große. Das Geschäft in Südamerika, das Otto Philipp Braun bis zuletzt verantwortete, sei nun auf verschiedene Vorstandsmitglieder aufgeteilt worden. Die Sparte Out Patient Market (OPM) habe Dr. Meinhard Lugan wieder übernommen.

Wer nach dem Ausscheiden Otto Philipp Brauns als Anwärter auf den Posten des Vorstandschefs am ehesten in Frage kommt, ließ Große offen. Alle sechs Vorstandsmitglieder seien „aussichtsreiche Kandidaten“. Große, der in diesem Jahr 65 Jahre alt wird, betonte: „Ich mache im Moment einen Job, der mir extrem Spaß macht. Und den mache ich so lange, wie es sich ergibt.“ 

Große ist mit Blick auf den Rekordumsatz von 6,47 Milliarden Euro zufrieden.

Die Steigerung fiel zwar geringer aus als im Vorjahr, doch damals hatte der Konzern von günstigen Wechselkursen profitiert. Im vergangenen Jahr knabberten hingegen schwache Landeswährungen den Zuwachs, in Euro umgerechnet, teilweise ab. Das Südamerika-Geschäft wuchs deshalb währungsbereinigt nur um 2,3 Prozent.

Der Konzerngewinn stieg um knapp 24 Prozent, auch dank einer Investition in Malaysia, dem größten Asienstandort des Konzerns, die für den Konzern eine Steuerentlastung nach sich zog. In diesem Jahr erwartet Große einen Umsatzanstieg um fünf bis sieben Prozent und ein etwas stärker steigendes Ergebnis.

Um die ganze Tabelle zu sehen, klicken Sie oben rechts.

Den Löwenanteil des Geschäfts macht B. Braun in den 25 Ländern, in denen eigene Fabriken stehen. So stammen in den USA 70 Prozent des Umsatzes aus der Fertigung vor Ort. Doch „es wäre kritisch für uns, wenn wir in jedem Land jedes Produkt herstellen müssten“, sagt Große mit Blick auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Importe zu besteuern. „Wir brauchen den Freihandel.“ Aus dem gleichen Grund beobachtet der Konzern auch die Entwicklung in Großbritannien nach dem eingeleiteten EU-Austritt sehr aufmerksam: „Entscheidend ist der Zugang zum Markt“, sagt Finanzvorstand Annette Beller. Eine Frage sei, ob Produkte neu registriert werden müssen, die dieses Procedere zuvor in der EU durchlaufen haben.

Die Produktion auszuweiten, bleibt die Strategie des Konzerns. Im vergangenen Jahr wurden 807 Millionen Euro in die Fabriken investiert. Weitere 300 Millionen Euro steckte der Konzern in Forschung und Entwicklung.

Zukunftsthemen gibt es genug - etwa beim 3D-Druck. Bei der Fertigung von Prototypen wird dieses Verfahren schon angewandt, doch „es muss in den Weg in die Massenfertigung finden“, sagt Große. Auch die Arbeit mit großen Datenmengen wird immer wichtiger - Chips und Sensoren haben längst in die Medizintechnik Einzug erhalten.

Auch 2016 blieb die Sparte Hospital Care, die Krankenhausbedarf herstellt, der größte Umsatzbringer, gefolgt von der Chirugietochter Aesculap. Am dynamischsten wuchs das Dialysegeschäft Avitum, das beim Umsatz fast an die Milliardenschwelle heranreicht.

Die Ebitda-Marge, die angibt, wie viel vom Umsatz als Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bleibt, erhöhte sich von 14,3 auf 15,1 Prozent. Doch B. Braun sieht sich als Systemanbieter, der Kliniken und Arztpraxen mit dem Komplettbedarf für eine Behandlung oder Diagnose versorgen will - dazu gehören auch Produkte, die kleinere Gewinne abwerfen.

Hintergrund: Päne für Afrika

Die B. Braun Melsungen AG lotet eine eigene Fertigung in Afrika aus. Bislang war der Konzern auf dem Kontinent, der 2016 zusammen mit Nahost 204 Millionen Euro zum Konzernumsatz beisteuerte, nur als Lieferant tätig. Der Vorstand habe in Kenias Hauptstadt Nairobi über eine Afrika-Strategie beraten, sagte B. Braun-Chef Heinz-Walter Große. Vorausgegangen war eine Konferenz der Subsahara-Afrika-Initiative der deutschen Wirtschaft (Safri), deren Vorsitzender Große ist. Geprüft werde zudem, ob Kenia als Standort einer Produktion mit einem einheimischen Partner in Frage komme. Generell seien Investitionen in Afrika aber schwierig, sagte Große. B. Braun hatte vor kurzem in Südafrika zwei kleinere Fabriken für Desinfektionsmittel und Infusionslösungen gekauft.

Wachstum in allen Sparten

Die B. Braun Melsungen AG hat ihr Geschäft in vier Sparten unterteilt. In allen Sparten wurden die Umsätze 2016 gesteigert.

• Hospital Care stellt Krankenhausbedarf her und entwickelt Produkte für die klinische Versorgung und die stationäre Behandlung.

• Aesculap ist Weltmarktführer bei handgehaltenen chirurgischen Instrumenten.

• Out Patient Market (OPM) kümmert sich um Patientenversorgung außerhalb des Krankenhausbetriebs und von chronisch Kranken.

• Avitum ist Komplettanbieter bei der Dialyse. Bei B. Braun in Melsungen sind knapp 7000 Mitarbeiter beschäftigt (weltweit über 58.000).

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.