SMA entwickelt sich weit besser als andere Solar-Unternehmen

Niestetal. Der Solartechnik-Hersteller SMA hat im ersten Halbjahr 2010 einen Reingewinn von 158,2 Millionen Euro erzielt - sechs Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum des Krisenjahres 2009. Das teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Der Höhenflug der SMA Solar Technology AG in Niestetal (Kreis Kassel) ist atemberaubend. Seit Jahren eilt das Vorzeige-Unternehmen aus Nordhessen von Rekord zu Rekord - bei Umsatz, Gewinn und Mitarbeiterzahlen. Kein anderer Solartechnik-Hersteller in der westlichen Welt verbucht ein ähnlich rasantes Wachstum.

Ein Vergleich mit anderen Unternehmen aus der Solarbranche ist schwierig. Denn SMA ist in gewisser Weise einzigartig. Mit einem gut 40-prozentigen Weltmarktanteil bei Wechselrichtern, die in Solarzellen gewonnen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom wandeln, haben die Niestetaler einen nahezu uneinholbaren Vorsprung.

Denn auf den weiteren Rängen folgen weit abgeschlagen Fronius (Österreich) mit neun, Kaco (Neckarsulm) mit acht und Siemens mit fünf Prozent. Dahinter kommen etwa 100 meist kleinere, regionale Anbieter. Außerdem hat kein anderer Hersteller auch nur annähernd eine so starke Marktdurchdringung.

SMA ist auf allen wichtigen Märkten präsent, produziert mittlerweile auch in den USA und künftig in Kanada. Hinzu kommt, dass die Wechelrichter aus Nordhessen als technologisch führend und als Maßstab für die gesamte Branche gelten. Mit dem weltweiten Solarboom wachsen zwar auch die anderen Anbieter, an das SMA-Tempo kommen sie aber nicht heran.

Auch der Vergleich mit anderen im Technologie-Werte-Index TecDax gelisteten Solartiteln wie etwa Solarworld (Bonn), Phoenix (Sulzemoos in Oberbayern) oder Q-Cells (Bitterfeld) hinkt. Denn die produzieren ganz andere Dinge. Q-Cells stellt Fotozellen her, Solarworld die fertigen Module, und Phoenix plant und baut überwiegend Großanlagen aus zugekauften Komponenten.

Vor allem bei Zellen und Modulen herrscht ein erbitterter Wettbewerb mit anderen europäischen und US-Anbietern, vor allem aber mit chinesischen Unternehmen wie Yingli und Suntech, die mit Dumping-Preisen und gewaltigen Mengen in die Märkte drängen.

Kein Wunder, dass die Gewinnmargen vieler Solartechnik-Werte und Aktienkurse deutlich sanken. Nicht so bei SMA. Während die Niestetaler im ersten Halbjahr 2010 den Umsatz um 230 Prozent steigerten (siehe Grafik), erzielte Phoenix im selben Zeitraum ein Plus von 139, Q-Cells von 58 und Solarworld von 51 Prozent. Weit wichtiger ist aber der Blick auf die Ertragslage. Bei SMA blieben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres von jedem umgesetzten Euro unterm Strich fast 19,4 Cent übrig - eine Traumrendite über alle Industriezweige hinweg. Bei Solarworld sind es gerade 5,6, bei Phoenix 5,1 Cent, und Q-Cells erlitt im Berichtszeitraum sogar einen Verlust.

Das spiegelt sich auch in den Aktienkursen wider. Während der SMA–Titel binnen Jahresfrist um fast 50 Prozent auf 85,55 Euro am Freitag zulegte, verloren die meisten anderen Solarwerte zum Teil kräftig. Der Phoenix-Kurs sank um 16, der von Solarworld um nahezu 40 Prozent. Und die Q-Cells-Papiere rauschten sogar 56 Prozent in die Tiefe.

Hintergrund:

Als junge Elektrotechnik-Ingenieure gründeten Günther Cramer, Peter Drews und Reiner Wettlaufer sowie deren Förderer Prof. Werner Kleinkauf 1981 das Vorgängerunternehmen der heutigen SMA. Zunächst wurden Industrie-Computer produziert, erst später wurde Solartechnik hergestellt.

Das Unternehmen wuchs schnell und erlangte bald die Markt- und Technologieführerschaft bei Solarwechselrichtern. Im Juni 2008 brachten die vier Gesellschafter das Unternehmen an die Börse, halten aber gemeinsam noch 72,84 Prozent der Anteile. Der Rest befindet sich im Streubesitz. SMA ist im TecDax gelistet und hat derzeit einen Börsenwert von drei Mrd. Euro.

Ausblick:

SMA hat am Freitag seine bereits Anfang Juli abgegebene vorläufige Prognose für das Gesamtjahr bestätigt. Demnach soll der Umsatz auf 1,5 Mrd. bis 1,8 Mrd. Euro kräftig steigen.

2009 lag er bei 934 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll auf 360 Mio. bis 484 Mio. klettern. Gegenüber 2009 (228 Mio. Euro) wäre dies eine Verdoppelung.

Von José Pinto

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