Bis April sollen die Kriterien für die Übernahme der Leiharbeiter im Werk Kassel feststehen

VW stellt 780 Mitarbeiter fest ein

Renate Müller, VW-Betriebsrätin Fotos: Koch

Baunatal. Nun ist es offiziell: Das Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal stellt in diesem Jahr schrittweise 780 der 1620 Leiharbeiter der konzerneigenen WOB AG fest ein. Aktuell zählt das Werk 13 200 Beschäftigte.

Es sei das richtige Signal an die Belegschaft und an die Region, dass „VW auf seinem Wachstumskurs nicht nur in Technologien, Produkte und Fertigungskapazitäten, sondern auch in die Menschen investiert“, sagte Renate Müller, stellvertretende Betriebsratschefin des VW-Werkes bei einer Kundgebung vor rund 300 Beschäftigten.

Mit der Übernahme „bekommen 780 Familien eine dauerhafte Perspektive und es entsteht 780 Mal nachhaltige Kaufkraft in der Region“. Wenn das Werk weiterhin die Produktion steigert, dann sei mit diesen Einstellungen das Ende noch nicht erreicht, sagte sie. Entsprechend groß war die Freude in der Belegschaft.

Denn diese neugeschaffenen Stellen seien das Ergebnis eines nachweisbar, nachhaltigen Personalbedarfs durch Kapazitätserweiterungen und neue Produkte am Standort. Darüber sei in den vergangenen Monaten intensiv verhandelt worden und: „Wir haben auf die Einhaltung des Tarifvertrags gedrungen und der sieht nun mal eine Quote von maximal fünf Prozent Leiharbeitern vor“, sagte Müller. Ein weiteres Kriterium für die Jobs ist der Aufbau einer vierten Schicht im Werk, um die Getriebeproduktion auszubauen.

Da nicht alle Leiharbeiter in eine Festanstellung wechseln werden, sicherte der Betriebsrat den Betroffenen zu, dass möglichst schnell klar ist, wer wechselt. Derzeit würden ein Auswahlverfahren erarbeitet.

VW-Personalchef Eric Reuting nannte als vorrangige Kriterien Leistung und Qualifikation und letztlich auch die Dauer im Werk. Er möchte bis April geklärt haben, wer übernommen wird und setzt auf ein zügiges Verfahren mit dem Betriebsrat. Reuting freute sich, dass er in einer Zeit Personalchef ist, „in der Mitarbeiter eingestellt werden und Menschen eine Perspektive bekommen“. Das bedeute für seinen Bereich zwar eine Menge Arbeit, witzelte er, aber „die machen wir sehr gern“.

Hoffnungen machen sich viele: Ob Hüseyin Ucan (29), der 2010 geheiratet hat und seit eineinhalb Jahren über die WOB AG in Baunatal beschäftigt ist, oder Kiliç Bektas (28), ledig und ebenso lang dabei. Beide arbeiten in der Automatikgetriebe-Fertigung, wo der Personalbedarf sehr hoch ist.

Bekanntgegeben wurde diese Nachricht im Rahmen eines IG-Metall-Aktionstages „Arbeit – sicher und fair“, mit dem die Gewerkschaften an die Bundesregierung appellierten, die gesetzlichen Regelungen für Leiharbeit zu überarbeiten. Die Forderungen: gleicher Lohn für gleiche Arbeit und ein Mindestlohn von 8,50 Euro.

Derzeit gibt es in Deutschland fast eine Million Leiharbeiter. Bei den unter 25-Jährigen seien es fast die Hälfte, die mit Billigjobs auskommen müssen, so Müller. An die Bundesregierung gerichtet sagte sie: „Dies ist ein Skandal, denn diese junge Menschen haben so keine Perspektive.“

Von Martina Wewetzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.