Die Nummer zwei

Stellvertreter sollten ihre Rolle klar definieren

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Die Zusammenarbeit zwischen dem Chef und seinem Stellvertreter klappt häufig dann besonders gut, wenn beide ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Foto: Uwe Umstätter/Westend61/dpa-tmn

Die einen sind Kronprinz, die anderen Co-Chef: Die Position des Stellvertreters ist auf den ersten Blick ein undankbarer Job. Statt selbst zu bestimmen, ist man auf der beruflichen Ersatzbank. Doch aus dieser Stelle lässt sich mehr machen als viele denken.

Hamburg (dpa/tmn) – Jogi Löw ist das perfekte Beispiel für einen Stellvertreter. Erst zweite Reihe in der Nationalmannschaft, immer einen Schritt hinter Nationaltrainer Jürgen Klinsmann. Dann ging der Chef, und die Nummer zwei wurde zur Nummer eins.

Heute ist Löw erfolgreicher, als Klinsmann es je war: Er ist deutlich länger im Amt, und er ist Weltmeister. Löw ist nicht der einzige Stellvertreter, der sich aus dem Schatten des Chefs gelöst hat. Aber es gibt auch genug Beispiele, in denen der Vize eher durch skurrile Auftritte von sich reden macht. Oft fällt er auch gar nicht auf. Dabei lässt sich aus der Position des Stellvertreters viel machen.

"Wenn man der Dauer-Assistent ist, kann das zur Falle werden – denn dieser Zustand ist sehr unbefriedigend", sagt Torsten Groth. Er ist Organisationsberater und Dozent am Wittener Institut für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke. Es brauche eine klare Rollenverteilung zwischen dem Chef und seinem Stellvertreter.

Denn Stellvertreter stecken in einem Dilemma: "Als Stellvertreter hat man einen Führungsjob, aber in der zweiten Reihe", sagt Christian Sauer. Er ist Führungscoach in Hamburg und Autor eines Ratgebers zum Thema. "Man wird nicht in alle Prozesse und Entscheidungen eingebunden, denn man ist eben nur der Zweite", sagt er. Dafür bekomme man aber auch die Kritik nicht so direkt ab wie der Chef.

Wichtig sei, das sagen Experten übereinstimmend, dass sich das Führungsduo gut abstimmt. Dazu muss man nicht befreundet sein, aber ein offenes Arbeitsverhältnis haben. "Man muss seine Rolle zunächst für sich selbst klären, dann mit dem Vorgesetzten und mit dem Team", sagt Groth. Gut sei, wenn der Stellvertreter vom Persönlichkeitstypus ganz anders ist als der Vorgesetzte, sagt Thomas Studer von der Unternehmensberatung Kienbaum. "Denn das Original gibt es ja schon." So würden manche Probleme von Anfang an ausgeräumt, außerdem sei die Konkurrenz untereinander geringer.

Es passiert nicht selten, dass ein Stellvertreter in einer unangenehmen Sandwich-Position zwischen Team und Vorgesetztem steht. "Mit ihm kann man reden, meinen die Mitarbeiter – vor allem wenn jemand aus den eigenen Reihen aufgestiegen ist", sagt Sauer. Doch er warnt jeden Stellvertreter davor, diese Rolle anzunehmen. Es koste zu viel Kraft, ständig und mit allen Seiten zu verhandeln.

Wichtig ist bei der Rollenverteilung absolute Loyalität – egal wie ehrgeizig eine Nummer zwei ist, sagt Studer. Wenn jemand den Vize-Posten allerdings nur als Sprungbrett sieht, um selbst Chef zu werden, kann das kontraproduktiv sein – für alle Beteiligten. "Man muss auch in der zweiten Reihe einen guten Job machen", sagt Studer.

Wer als Stellvertreter erfolgreich ist, qualifiziert sich mitunter für die erste Reihe. "Zwei bis fünf Jahre sind die meisten Stellvertreter auf ihrer Stelle, spätestens dann ist es Zeit für etwas Neues", sagt Sauer. Im eigenen Unternehmen, in einer anderen Firma – das hängt von vielen Umständen ab. Aber: "Putschen gegen den Chef darf man nicht – das geht immer nach hinten los."

Und Autor Sauer gibt noch etwas zu bedenken: "Nicht jeder will an die Spitze", sagt er. Stellvertreter zu sein bedeute nicht automatisch, als nächstes nach einer Chefposition zu streben. "Das muss jedes Unternehmen respektieren."

Literatur:

Sauer, Christian: Der Stellvertreter – Erfolgreich führen aus der zweiten Reihe, 184 Seiten, Carl Hanser Verlag 2016, ISBN-13: 978-3-446-44959-6

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