Diese Produkte werden getestet

Wie die Stiftung Warentest zu testende Produkte auswählt und einkauft

Auch Kinderwagen werden von der Stiftung Warentest unter die Lupe genommen.
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Auch Kinderwagen werden von der Stiftung Warentest unter die Lupe genommen.

Bei der Stiftung Warentest wählen Marktanalytiker die letztendlich zu testenden Produkte aus der Fülle des Angebotes aus. Doch wie treffen sie ihre Wahl?

  • Die Stiftung Warentest führt für alltägliche Gebrauchsgegenstände regelmäßige praxisnahe Tests durch und gibt auch Ratschläge zum Kauf bestimmter Produkte.
  • Die Produkttests beurteilt die Stiftung Warentest nach Gewichtungen und mit Abwertungen, um Sicherheits- und Schadstoffmängel besser sichtbar zu machen.
  • Ergebnisse der umfangreichen Warentests der Stiftung zeigen immer wieder, dass auch teure Produkte im Test durchfallen und gute Produkte günstig sein können.

Berlin - Wenn die Stiftung Warentest Produkte testen lässt, geschieht dies anonym. Da die Stiftung unabhängig ist, ist sie auch frei in der Planung neuer Tests und in der Anwendung von Testkriterien. Sobald feststeht, welches Produkt in den Test geht, beginnt eine detaillierte Planung. Nicht alle Produkte eines Testobjektes können in einen Test einfließen. Dazu sind zu viele Artikel auf dem Markt.

Die Prüfer wählen entweder eine ganze Region oder einzelne Produkte aus. Dann führt die Stiftung Warentest anonyme Einkäufe für ihre Tests durch.

Stiftung Warentest kauft Produkte anonym im Handel ein

Ein regionsbezogener Test erfolgt in aller Regel mit hundert Prozent aller verfügbaren Produkte in diesem Gebiet. Die Produkte kaufen Testpersonen anonym im Handel ein. Weder die Herstellerfirmen noch der Handel erhalten hiervon Kenntnis. Aus diesem Grund lehnt die Stiftung Test kostenlos zur Verfügung gestellte Artikel ab. Will ein Anbieter mit dem Testlogo der Stiftung Warentest Werbung machen, braucht dieser dafür eine Lizenz.

Die Finanzierung der Tests erfolgt zu etwa 95 Prozent über die Publikation der Testergebnisse und zu etwa 5 Prozent über Steuergelder. Für regionsbezogene Tests suchen Mitarbeiter die Produkte im Großhandel zufällig aus. Die Stiftung Warentest hat ihren Hauptsitz am Lützowplatz in Berlin, beauftragt aber anonyme Einkäufer aus ganz Deutschland. So fallen die anonymen Einkäufe im Handel nicht auf. Für Finanztests treten teils auch private Testpersonen als Kunden gegenüber Finanzdienstleistern auf.

Produkte bei Stiftung Warentest: Test von Staubsaugern

Die Stiftung Warentest hat Produkte wie die gängigsten Staubsauger regelmäßig im Programm, um diese einem umfassenden Test zu unterziehen. Die Ergebnisse des Tests gibt sie mit ihren wesentlichen Erkenntnissen kostenfrei öffentlich bekannt. Einzelheiten sind gegen Gebühr verfügbar. Aktuell nehmen die Prüfer neben Gewichtungen von wichtigen Eigenschaften auch Abwertungen vor.

So wird beispielsweise ein Staubsauger, der einen als mangelhaft bewerteten Akku aufweist, um eine ganze Note abgewertet. Stufen die Tester ein Gerät in der Kategorie Schadstoffe als mangelhaft ein, bewerten die Mitarbeiter das gesamte Testergebnis dieses Staubsaugers als mangelhaft. Bei mangelnder Sicherheit ist die Gesamtnote höchstens um einen halben Punkt schlechter.

Für die Gewichtung gelten regelmäßig folgende Anteile:

  • 45 Prozent: Saugen (bei Akkusaugern 40 Prozent plus 5 Prozent Akku) – Staubaufnahme und grober Schmutz auf Teppichboden, Hartboden und Ritzen
  • 30 Prozent: Handhabung als Alltagstest inkl. Gebrauchsanweisung und Saugen von Krümeln und Kaffeepulver
  • 15 Prozent Umwelteigenschaften: Rückhaltevermögen des Staubs, Geräusche und Stromverbrauch
  • 10 Prozent: Haltbarkeit Motor in Dauerleistung, Stoß- und Fallprüfung aus 80 cm Höhe, Kabelauszug
  • 0 Prozent Schadstoffe für Griffe und oft benutzte Teile: Gehalt von PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) und Phthalat-Weichmachern
  • 0 Prozent: Sicherheit, Einhaltung der DIN EN 60335

Produkte bei Stiftung Warentest: Test von Matratzen

Zweimal im Jahr suchen Mitarbeiter der Stiftung Warentest Produkte für den Test von Matratzen aus. 2020 sind Testergebnisse für insgesamt 376 Matratzen abrufbar. Nur etwa ein Drittel dieser Matratzen sind auch Monate und Jahre nach dem Test noch verfügbar. Deshalb sind vorwiegend die aktuellen Testergebnisse für Kunden wichtig. Im Jahr 2018 wurden auch vierzehn Kinder- und Babymatratzen getestet, für die in erster Linie die Sicherheit eine große Rolle spielte. Sie durften nicht zu weich sein, mussten strampelnde oder hüpfende Bewegungen gut aushalten und durften keinesfalls Schadstoffe ausdünsten.

Die zum Test ausgewählten Matratzen lagen im Preis zwischen 70,00 und 179,00 Euro. In der Sicherheitsprüfung fiel jede zweite der Kleinkindermatratzen durch. Meist war ein Einsinken der Babyköpfe in die Matratzen in der Simulation einer Bauchlage möglich. Sie erhielten somit insgesamt ein „mangelhaft“ im Testergebnis. Fünf Matratzen konnten die Prüfer mit „gut“ einstufen. Ein wiederholt beobachtetes Ergebnis ist, dass die teuersten Matratzen nicht immer die besten sind. In diesem Test fiel eine Matratze mit einem Preis von 179,00 Euro durch und eines der günstigen Modelle schaffte ein „Gut“ im Gesamturteil.

Produkte bei Stiftung Warentest: Kinderwagen im Test

Unterzieht die Stiftung Warentest Produkte regelmäßigen Prüfungen, gehören auch Kinderwagen stets dazu. 2020 überarbeiteten die Warentester die Kriterien für diese Tests, auch weil die neue europäische Norm DIN EN 1888 für Kinderwagen in Kraft trat. 2020 prüfte die Stiftung Warentest zwölf Kombikinderwagen im Preis zwischen 430,00 und 1.100,00 Euro. Die Modelle von Hauck und Kinderkraft erhielten im Test ein „Mangelhaft“ wegen zu hoher Schadstoffbelastung. Testsieger war 2020 der Maxi-Cosi Lila XP vor dem Hartan Yes GTS, beide erhielten die Note „Gut“.

Um die Prüfungen zu gewichten, hat die Stiftung folgende Werte verwendet:

  • 45 Prozent für eine kindgerechte Gestaltung: Prüfung durch Experten, auch mit Hilfe von Dummys
  • 35 Prozent für die Handhabung inkl. Gebrauchsanweisungen: Neben einem Spezialisten prüften auch Mütter und Väter
  • 10 Prozent für die Schadstoffbelastung: Kontaktbereiche wurden auf PAK, Weichmacher, Organozinn-Verbindungen, Flammschutzmittel und Chlorparaffine geprüft
  • 5 Prozent für die Haltbarkeit: auch Dauertests über Stolperstellen
  • 5 Prozent für die Sicherheit: Überprüfung von Quetsch- und Klemmstellen sowie Sichtbarkeit im Dunkeln

Abwertungen erfolgten insbesondere bei Schadstoffen, die bei mangelhafter Bewertung das gesamte Testurteil in „mangelhaft“ umwandelten. Auch große Mängel bei der kindgerechten Gestaltung oder des Komforts im täglichen Einsatz führten zu Abwertungen der Testurteile.

Produkte bei Stiftung Warentest: Test von Klimageräten

Wenn die Mitarbeiter der Stiftung Warentest Produkte testen, kommen auch Klimageräte regelmäßig an die Reihe. Getestet wird dabei ausschließlich unter den Bedingungen, die die Kunden daheim haben. Einstellungen, die nur der Hersteller vornehmen kann sowie deren Testprogramme für AAA-Label bleiben außen vor. So ist der Test praxisnah und hilft bei der Auswahl geeigneter Klimageräte.

Für die Gewichtung zählen:

  • 50 Prozent: Umwelt- und Energieeffizienz – Orientierung an den Prüfnormen DIN EN 14825 und DIN EN 14511

  • 35 Prozent: Kühlleistung – für ein Herabkühlen auf 24 °C Raumtemperatur eines 36,4 Quadratmeter großen Raumes bei außen 35°C, zusätzlich bei 35°C Innentemperatur auf 24°C bei einer Außentemperatur von 30°C
  • 15 Prozent: Handhabung inkl. Gebrauchsanweisung – Test durch einen Spezialisten und fünf Nutzer sowie die elektr. Sicherheit nach Prüfnorm DIN EN 60335

Gründe für Abwertungen sind falsche Gerätebezeichnungen, mangelnde Energieeffizienz, Geräusche und mangelhafte Fensterabdichtung. Im Jahr 2020 prüfte das Stiftungsteam zehn Klimageräte, darunter vier Monoblöcke und sechs Splitgeräte. Nur vier Geräte erhielten ein „gut“, sämtlich Splitgeräte. Sie kühlten schneller mit weniger Energieverbrauch, waren jedoch inkl. Montagekosten mit Preisen ab 1.300,00 Euro viel teurer als Monoblöcke (ab 315 Euro).

Produkte bei Stiftung Warentest: Test von E-Bikes

Die Stiftung Warentest hat Produkte wie E-Bikes ebenfalls fest in ihren Prüfplan aufgenommen. Nach einem Test 2018 ließ sie auch im Jahr 2020 Pedelecs testen - diesmal die mit einem tiefen Einstieg. Es waren zwölf Pedelecs im Test, die über einen Mittelmotor, hydraulische Scheibenbremsen und einen voll in den Wave-Rahmen integrierten Akku verfügten. Sieger dieses Testes war das KTM Macina Tour Pedelec 510 für 2.999,00 Euro.

Bewertet wurden fünf Kategorien jeweils mit dieser Gewichtung:

  • 40 Prozent: Fahren – Prüfung durch sechs erfahrene Radler mit und ohne Gepäck sowie mit und ohne Motorleistung
  • 20 Prozent: Antrieb – Messung der Reichweite auf dem Prüfstand, Ladedauer der Akkus, Schiebehilfe und Motorunterstützung
  • 20 Prozent: Handhabung – Einstellen und Anpassen von Sattel und Vorbau, Bedienelemente, Anzeige, Gebrauchsanleitung, Akkueinsatz
  • 20 Prozent: Sicherheit und Haltbarkeit – Bremsen, elektrische Sicherheit, Verarbeitung ohne scharfe Ecken und Kanten, Pannenhäufigkeit
  • 0 Prozent: Schadstoffe – PAK und Weichmacher

Zu den Abwertungen zählen bei Prüfungen der Stiftung Warentest in erster Linie die Kategorien Fahren, Sicherheit und Haltbarkeit sowie Schadstoffe. Eine schlechte Bewertung in diesen Kategorien beeinflusst sehr stark das Gesamturteil. (Von Elke Huber)

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