Vom Handel ins Labor

Stiftung Warentest: So läuft der Einkauf für die Tests ab

Die Produkte für die Stiftung Warentest werden von anonymen Einkäufern gekauft.
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Die Produkte für die Stiftung Warentest werden von anonymen Einkäufern gekauft.

Die Stiftung Warentest führt anonyme Einkäufe für ihre Tests durch. Verdeckte Testkäufer besuchen verschiedene Verkaufsstellen, um Produkte zu erwerben.

  • Die Stiftung Warentest beauftragt Testkäufer, die anonym oder unter falschem Namen Produkte einkaufen oder gewisse Dienstleistungen in Anspruch nehmen.
  • Die Einkäufe und Tests finden verdeckt statt und die Beauftragten hinterlassen keinerlei Daten, die ihre Identität verraten oder Rückschlüsse auf die Stiftung Warentest ermöglichen.
  • Die Stiftung lehnt sämtliche Produkte, die ihr Unternehmen kostenlos zum Testen zusenden, ab.

Berlin - Die Stiftung Warentest testet zahlreiche Produkte und Dienstleistungen intensiv und erstellt Gutachten, an denen sich der Verbraucher bei seinem Einkauf orientieren kann. Sie arbeitet völlig unabhängig und hält die Labore, in denen die Tests durchgeführt werden, streng geheim. So gewährleistet die Stiftung, dass Hersteller keinerlei Einfluss auf die Testergebnisse nehmen können. Die zu untersuchenden Produkte wählt sie anhand der folgenden Kriterien aus:

  • Wünsche der Verbraucher
  • Verkaufszahlen
  • Marktentwicklung
  • Aktuelle Trends
  • Neuerungen in Technologie und Herstellungsverfahren
  • Neuerungen aufgrund von Gesetzesänderungen

Bevor ein Produkt getestet werden kann, arbeiten die verantwortlichen Projektleiter der Stiftung Warentest gemeinsam mit Sachverständigen und Prüfinstitutionen Qualitätsanforderungen aus, die zu erfüllen sind. In vielen Fällen ergeben sich diese bereits aus rechtlichen Vorgaben und Normen. Dann geht es an den Einkauf.

Die Stiftung Warentest bekommt die Waren nicht gestellt, denn die Hersteller erfahren im Vorfeld nicht, dass ein Test bevorsteht. Andernfalls könnten sie kurzfristig temporäre Änderungen an ihren Produkten vornehmen und so die Testergebnisse verfälschen.

Der Einkauf bei Stiftung Warentest: Anonym und von geschulten Testkäufern durchgeführt

Die Stiftung Warentest schickt also anonyme Einkäufer los, um die benötigten Waren, die sogenannten Prüfmuster, zu erwerben. Sie kaufen sie wie ganz normale Kunden im Handel ein, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Etwa zehn Testkäufer erwerben die Produkte in verschiedenen Städten Deutschlands. Jeden zu testenden Artikel kaufen die Beauftragten mehrmals ein. Insgesamt sind 20 bis 30 Exemplare notwendig, um aussagekräftige Untersuchungen anstellen zu können.

Die Testkäufer besuchen Kaufhäuser, Supermärkte und Großmärkte. Dort bezahlen sie ausschließlich mit Bargeld, um keine Daten preisgeben zu müssen. Sie kaufen auch online ein, bestellen dann aber unter einem anderen Namen und ohne Angabe von Bankinformationen. Egal, wo sie den Einkauf tätigen: Sie hinterlassen zu keinem Zeitpunkt persönliche Informationen.

So verhindern sie, dass Verbindungen zur Stiftung Warentest in Berlin hergestellt werden können. Andernfalls könnten die Anbieter bereits im Vorfeld erfahren, dass Tests an ihren Produkten bevorstehen. Hinzu kommt, dass die Testkäufer jedes Mal wechseln müssten, würden sie ihre wahre Identität preisgeben.

Tests von Lebensmitteln und Saisonprodukten bei Stiftung Warentest: Diese Besonderheiten gibt es

Handelt es sich bei einem Einkauf um Lebensmittel, müssen allesamt das gleiche Mindesthaltbarkeitsdatum aufweisen. Das stellt einen großen logistischen Aufwand dar. Wurden die Prüfmuster erfolgreich eingekauft, müssen sie fachgerecht zu den Räumlichkeiten der Stiftung Warentest transportiert werden.

Den Testkäufern stehen für Waren aus dem Lebensmittelhandel Kühl- und Tiefkühlfahrzeuge zur Verfügung. Für besonders große Prüfmuster kommen sogar LKW zum Einsatz. Die Kühlkette wird auf dem Weg zur Stiftung Warentest nicht unterbrochen, um die Qualität der Waren nicht zu beeinträchtigen. Bis zum Test bringen die Verantwortlichen die Waren in entsprechend ausgestatteten Lagerräumen unter.

Es gibt auch Produkte, die nicht rechtzeitig im Handel erscheinen, damit sie für die bevorstehenden Tests eingekauft werden können. Das ist vor allem bei Saisonprodukten häufig der Fall. Auch bei Produkten aus dem Bereich Technik, wie beispielsweise Waschmaschinen, kann das vorkommen. Dann nimmt die Stiftung Warentest Kontakt zu den entsprechenden Händlern auf und darf die Waren aus deren Lagern entnehmen.

Die Stiftung Warentest bleibt stets neutral und unkäuflich

Doch auch hierbei handelt es sich nicht um Geschenke. Die Stiftung bezahlt den regulären Preis dafür. Sobald die Waren in den Geschäften verfügbar sind, kauft die Stiftung sie erneut ein und prüft, ob Unterschiede bestehen. So schließt sie aus, dass die Anbieter, nachdem Exemplare für die Tests abgeholt wurden, Produkte in geringerer Qualität liefern. Eine Manipulation seitens der Hersteller ist also nicht möglich. Die Produkte müssen unverändert in den Verkauf kommen. Hat die Stiftung Warentest keine Unterschiede festgestellt, kommen die Testergebnisse an die Öffentlichkeit. Ist dem nicht so, beginnen die Untersuchungen von vorn. Wer Werbung mit dem Testlogo der Stiftung Warentest machen möchte, braucht dafür eine Lizenz.

Die Stiftung Warentest lehnt sämtliche Produkte, die ihr Anbieter umsonst zur Verfügung stellen möchten, stets ab. Diese sogenannten Presse-Exemplare zieht sie für keinerlei Tests heran, denn nur so kann sie sichergehen, dass sie ausschließlich Produkte untersucht, die in dieser Ausführung auch tatsächlich in den Geschäften zum Einkauf zur Verfügung stehen.

NameStiftung Warentest
GründerWestdeutschland
Gründung4. Dezember 1964, Berlin
CEOHubertus Primus (2. Jan. 2012–)
HauptsitzBerlin
RechtsformSelbständige rechtsfähige Stiftung
Geografische AbdeckungDeutschland

Die Stiftung Warentest und ihre Versteigerungen in Berlin

Nachdem die unabhängigen Labore, die mit der Stiftung Warentest zusammenarbeiten, jeden Einkauf intensiv getestet haben, werfen sie die Artikel nicht weg. Ein paar Monate, nachdem die Ergebnisse für die Öffentlichkeit zugänglich sind, finden Versteigerungen in Berlin statt.

Dort hat jeder die Chance, die Produkte zu erwerben. Das damit eingenommene Geld verwendet die Stiftung für kommende Tests. Ein vergleichender Warentest kostet in der Regel zwischen 20.000 und 50.000 Euro und stellt damit einen großen finanziellen Aufwand dar. Werden Produkte wie beispielsweise E-Bikes untersucht, vervielfältigen sich die Kosten sogar erheblich.

Zum Testen von Dienstleistungen wie beim Finanztest sendet die Stiftung Warentest keine Testkäufer los, die beispielsweise ein Probetraining im Fitnessstudio in die Labore holen, denn das ist schlichtweg nicht verdeckt möglich. Geschulte Tester müssen die Leistungen anonym vor Ort in Anspruch nehmen.

Tests von Dienstleistungen bei der Stiftung Warentest: Einkäufe in abgewandelter Form

Die Stiftung erstellt für diese Art der Einkäufe im Vorfeld genaue Instruktionen. Die Tester gehen auch hierbei anonym vor und geben ihre wahre Identität zu keinem Zeitpunkt preis.

Sie betreiben also sogenanntes Mystery-Shopping, um einer möglichen Manipulation von Unternehmen zu entgehen. Während der verdeckten Tests halten sich die Beauftragten ganz genau an die Instruktionen der Stiftung Warentest und stellen vorher vereinbarte Fragen. Auch deren eigene Antworten sind festgelegt. Alles, was die Tester sagen, muss so allgemeingültig sein, dass diese Aussagen auch bei anderen Tests im gleichen Maß zutrifft. Auf diese Weise gewährleistet die Stiftung, dass stets vergleichbare Bedingungen herrschen. Generell sind die Tester angehalten, sich möglichst passiv zu verhalten.

Haben die Tester ihren Einsatz beendet, füllen sie direkt im Anschluss einen Fragebogen der Stiftung Warentest aus, solange sie sich noch an alle Einzelheiten erinnern. Den Fragebogen zieht die Stiftung später zur finalen Bewertung der Dienstleistung heran.

Stiftung Warentest: Anonymität und Verschwiegenheit als oberste Regel

Zu den Tests gehört in einigen Fällen auch Schriftverkehr in digitaler und gedruckter Form. Sämtliche E-Mails und Dokumente, die der Tester und das entsprechende Unternehmen austauschen, sind ebenfalls Bestandteil der Bewertung.

Um Finanzdienstleistungen wie Versicherungen zu untersuchen, schreiben die Tester den Anbietern in der Regel zuerst eine E-Mail. Auf diese Weise bringen sie sie dazu, im nächsten Schritt Versicherungsbedingungen offen zu legen oder diverse Berechnungen für die Testperson zu erstellen. All diese Informationen leiten die Tester dann direkt an die Stiftung weiter.

Die Daten, die die Tester über Waren und Dienstleistungen gesammelt haben, erhält ausschließlich die Stiftung Warentest. Weder die entsprechenden Anbieter noch andere Prüfinstitute setzen sie davon in Kenntnis. Jeder Einkauf und jede verdeckte Inanspruchnahme von Dienstleistungen bleibt währenddessen und auch danach streng geheim. Veröffentlicht werden ausschließlich die Ergebnisse, aber nicht, wer an den Tests beteiligt war. (Von Sophie Neumärker)

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