Stiftung Warentest

E-Bikes mit bösen Macken: 16-mal Mangelhaft, nur zweimal Gut

Berlin. Bremsversagen, Rahmen- und Lenkerbruch: Auf der Prüfstrecke der Stiftung Warentest sind neun von 16 Elektrofahrrädern kläglich durchgefallen. Mit einem Gut schafften es ganze zwei Modelle ins Ziel:

Und das bei Preisen, für die auch schon Gebrauchtwagen gehandelt werden: Die Testmodelle kosteten zwischen 700 und 2690 Euro. Die Räder mit elektrischem Hilfsmotor sind ein Renner: Treten muss man zwar immer noch – bei Gegenwind oder am Berg geht’s gleichwohl flott voran.

Knapp 380 000 Elektrofahrräder setzten die Anbieter laut Stiftung Warentest im vergangenen Jahr ab – 15 Prozent mehr als 2011, fast doppelt so viele wie 2010. Am beliebtesten sind E-Bikes mit tiefem Durchstieg. Auch ältere Radler kommen da bequem rauf und runter. Solche Komfort-Bikes wurden gestestet.

„Das Ergebnis ist noch erschreckender als vor zwei Jahren“, warnen die Warentester. „Vier der Räder dürften gar nicht verkauft werden.“

Mit Mangelhaft wurden folgende Schäden oder Ausstattungsdetails bewertet:

• Motor lässt sich nicht zuschalten: „Der Hersteller gesteht auf Nachfrage: Der Akku der gesamten Serie ist kaputt, er hat nie funktioniert.“ (Leviatec Demission)

• Akku kann schon nach 25 Kilometern leer sein. Billige Seilzugbremsen bringen das 28-Kilo-Rad zu spät zum Stehen (Fischer E-Bike City)

• Lenkerbruch nach weniger als 10 000 Kilometern (Kreidler Vitality Elite)

• Hinterrad sackt weg und blockiert nach wenigen tausend Kilometern. Totalschaden (Flyer, mit 2690 Euro das teuerste E-Bike im Test).

Vier E-Bike-Motörchen strahlen derart stark, dass sie bis 100 Meter im Umkreis den Funkverkehr von Rettungsdiensten oder Polizei sowie Radio- und TV-Empfang von Anwohnern stören können. Andere Modelle schalten selbst ab, wenn ein noch stärkerer Störsender daherkommt - etwa ein Lkw mit CB-Funker am Steuer.

Auf den vergleichsweise schweren E-Bikes fahren auch ungeübte Ralder schneller und weiter als mit übliche Drahteseln, sagt Test-Bereichsleiter Dr. Holger Brauckmann. Eigentlich müssten deshalb Rahmen, Gabel und andere Bauteile stabiler sein als sonst.

Das katastrophale Testergebnis zeige, dass die Qualitätssicherung der Hersteller mit dem E-Bike-Boom nicht Schritt halte. Der Zweiradindustrieverband (ZIV) will erst die Testprotokolle prüfen – und sich dann äußern.

Hintergrund

Augen auf beim E-Bike-Kauf

Kauftipps der Warentester für Komfort-E-Bikes:

• Vorsicht bei Billigprodukten um 1000 Euro. Auf Hydraulikbremsen achten.

• Gewichtsobergrenzen müssen ausreichend deutlich am Rad angebracht sein. Außerhalb der Zwei-Jahre- Gewährleistung sind Hersteller zehn Jahre schadenersatzpflichtig, wenn Radler aufgrund von Bruch oder unzureichender Bremswirkung zu Schaden kommt.

Service

Checkliste für Elektroradler

• Mindestalter? Helmpflicht? Promillegrenze? Darf ich auf Radwege? Was E-Bike-Fahrer wissen müssen, hat der ADFC zu einer Checkliste zusammengestellt. Neben juristischen Fragen geht es dort auch um Technik, die verschiedenen E-Bike-Typen, Kaufberatung und Akku-Pflege, zudem um grundsätzliche Argumente für und gegen das E-Bike.

Von Wolfgang Riek

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